Türler

Fraumünsterstrasse 17, Zürich · established 1883

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Wer heute bei Türler klingeln will, findet keinen Laden mehr auf Strassenniveau. Das Geschäft liegt in der zweiten Etage an der Fraumünsterstrasse 17, ein paar Schritte vom Paradeplatz entfernt, direkt über der bekannten Türler-Uhr an der Fassade. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung von 2017, und für Zürcherinnen und Zürcher, die das Haus noch von seiner alten Adresse kennen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das, was seither gleich geblieben ist und was sich verändert hat. Geführt wird der Familienbetrieb heute von Franz A. Türler, der auf der eigenen Seite als Inhaber auftritt.

Vom Münsterhof über den Paradeplatz an die Fraumünsterstrasse

Die Geschichte beginnt nicht in Zürich. Am 5. Februar 1883 gründen die Brüder César Alexander und Jean Henri Türler in Biel, damals bereits eine Uhrmacherstadt, die Uhrenmanufaktur Türler. Erst später zieht das Unternehmen nach Zürich um, mit einem ersten Sitz am eher ruhigen Münsterhof. Anfang November 1907 verlegt Arnold Türler den Hauptsitz von dort an den damals schon belebten und begehrten Paradeplatz, überzeugt von der Bedeutung Zürichs als internationalem Handelszentrum. Dort bleibt das Geschäft über hundert Jahre, bis 1972 Franz Türler als Alleininhaber in der vierten Generation die Leitung übernimmt. Die fünfte Generation tritt im April 2004 an: Franz A. Türler kommt nach Lehr- und Wanderjahren in nationalen und internationalen Unternehmen und einer Uhrmacherausbildung in Le Sentier und in New York ins Familienunternehmen. 2017 dann der sichtbarste Schritt seit Jahrzehnten, das Geschäft am Paradeplatz schliesst, und der Betrieb verlagert sich in die zweite Etage der Liegenschaft Fraumünsterstrasse 17. "Der attraktiv gestaltete Salon für Schmuck und Uhren erwartet Sie neu in der zweiten Etage an der Fraumünsterstrasse 17, direkt über der Türler-Uhr, nur wenige Schritte vom Paradeplatz entfernt", schreibt Franz A. Türler selbst dazu. Wer das Haus vom Schaufenster am Paradeplatz kennt, sollte also wissen, dass es dort seit 2017 keine sichtbare Ladenfront mehr gibt, auch wenn die Adresse noch immer im selben Quartier liegt.

Insgesamt kann sich das Familienunternehmen auf seiner Seite auf über 140 Jahre Geschichte berufen, was angesichts des Gründungsjahrs 1883 stimmt. Wer also nach einem der wirklich alten Häuser an und um die Bahnhofstrasse sucht, findet hier eines, auch wenn Türler heute nicht mehr direkt an der Prachtstrasse selbst liegt, sondern im ruhigeren Quartier dahinter.

Die eigene Goldschmiede-Werkstatt

Der eigentliche Grund, warum sich der etwas versteckte Weg in die zweite Etage lohnen kann, ist die eigene Goldschmiedewerkstatt. Türler beschreibt auf der eigenen Seite, dass Edelsteine, Perlen, Platin, Gold und Korallen dort zu Schmuck verarbeitet werden, ausdrücklich "gefertigt in unserer eigenen Goldschmiedewerkstatt". Das unterscheidet das Haus von einer reinen Verkaufsboutique, die Markenschmuck lediglich ab Lager anbietet. Wer für einen Verlobungsring nicht nur eine fertige Vitrine, sondern echte Werkbankarbeit im Haus sucht, bekommt hier zumindest die Grundlage dafür.

Was die Website allerdings nicht verrät: welche Goldschmiedin oder welcher Goldschmied konkret an der Werkbank steht und wo diese Person ihre eigene Lehre gemacht hat. Die einzige Ausbildungsstation, die konkret genannt wird, ist die von Franz A. Türler selbst, der seine Uhrmacherausbildung in Le Sentier und in New York absolvierte, nicht in einer klassischen Goldschmiede-Lehre in Zürich. Für Paare, die genau das interessiert, bleibt nur das persönliche Gespräch vor Ort.

Was in den Vitrinen liegt

Das Sortiment ist breit angelegt. Bei Diamanten wirbt Türler mit internationalen Beziehungen, die Zugang zu unterschiedlichsten Qualitäten erlauben sollen, von "hochfeinem Weiss (auch River oder D genannt) und lupenreinem" Stein bis zu champagnerfarbenem Cape sowie farbigen Fancy-Diamanten. Bei Farbsteinen listet die Seite blaue, rote, orange und grüne Steine sowie zweifarbige Varianten wie Wassermelonen-Turmalin und Türkis, verarbeitet zu Ringen, Ohrschmuck und Colliers mit individuell gestaltbaren Fassungen. Südsee- und Tahiti-Kulturperlen werden nach eigener Angabe vom Schweizerischen Gemmologischen Institut in Basel geprüft und klassiert, was zumindest ein nachvollziehbares externes Qualitätskriterium liefert statt einer reinen Eigenaussage. Bei Korallenschmuck bezeichnet sich Türler selbst als die europaweit bestbestückte Ausstellung, allerdings mit dem Zusatz "2017" auf der eigenen Seite, die Aussage stammt also erkennbar aus dem Jahr des Umzugs und dürfte seither nicht mehr aktualisiert worden sein.

Eine Eigenheit ist die Kollektion "Türler by Mendini". 1988 entsteht sie in Mailand aus dem Austausch zwischen dem italienischen Postmoderne-Designer Alessandro Mendini und Franz Türler, inspiriert vom Kopfschmuck der Büste des Pharaos Tutanchamun. Das ist ein Stück Design-Geschichte, das man an dieser Adresse nicht erwartet und das ein einfaches Ehering-Regal nicht bietet, allerdings auch kein Ersatz für eine klassische Verlobungsringlinie, wer eine solche sucht, sollte im Gespräch klären, ob und wie sich die Mendini-Formsprache dafür eignet.

Die Uhr vor der eigenen Tür

Wer an der Fraumünsterstrasse 17 vorbeikommt, sieht sie ohnehin, die Türler-Uhr "Modell des Kosmos" an der Fassade, direkt unter dem heutigen Salon. Sie wurde 1995 enthüllt, nach neun Jahren Bauzeit, und Türler selbst nennt sie die komplizierteste astronomische und astrologische Uhr der Welt. Das ist eine Eigenaussage und keine unabhängig geprüfte Bestenliste, aber die Uhr existiert tatsächlich und öffentlich sichtbar an genau der Adresse, die der Betrieb seit 2017 als Salon nutzt, ein Detail, das der reinen Website-Beschreibung mehr Substanz gibt als ein Werbetext allein.

Reparaturen, Schätzungen, Altgold

Neben dem Verkauf bietet Türler drei Dienstleistungen an, die für ein Traditionshaus typisch sind, aber selten alle drei aus einer Hand kommen. Reparaturen an Schmuck und Uhren beschreibt die Seite als Arbeit, die "handwerkliches, ja zuweilen schon fast chirurgisches Geschick" verlangt, Kundinnen und Kunden können sich dafür direkt mit den hauseigenen Goldschmieden austauschen. Schätzungen bietet Türler für Privatpersonen und Institutionen in vier Varianten an, zum Versicherungswert, zum Erbteilungswert, zum Handelswert sowie zum Liquidationswert, was über die übliche einfache Wertschätzung hinausgeht und gerade bei Erbschaften oder Scheidungen praktisch relevant sein kann. Altgold kauft das Haus laufend zum aktuellen Tagespreis an, für Schmuckstücke, Münzen und andere Edelmetalle, nach eigener Beschreibung "schnell und unkompliziert".

Zu keiner dieser drei Dienstleistungen nennt die Website Preise, Fristen oder eine Gewährleistung in Jahren. Wer eine feste Zusage zu Reparaturdauer, Schätzungskosten oder Ankaufskonditionen braucht, bekommt sie nur im persönlichen Gespräch, nicht vorab online. Das Gleiche gilt für den Verkauf, auch dort ist auf der Website kein einziger Preis für ein Schmuckstück oder eine Uhr ausgezeichnet.

Erreichbarkeit statt Schaufenster

Konsequent zum diskreten Salon-Konzept sind auch die Öffnungszeiten eng gehalten, Dienstag bis Freitag von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 16.00 Uhr, Montag, Samstag und Sonntag bleibt geschlossen. Ausserhalb dieser Fenster ist ein Besuch laut eigener Angabe nach Vereinbarung möglich. Das ist das Gegenteil eines Ladens, in dem man spontan auf dem Weg zur Bahnhofstrasse hereinschauen kann, wer Türler besuchen will, plant den Termin besser vorher ein, auch weil der Betrieb zusätzlich mehrwöchige Betriebsferien im Sommer kennt. Erreichbar ist das Haus telefonisch unter +41 44 221 06 08 oder per E-Mail an info@tuerler.ch, dazu nennt die Seite Vertretungen in New York und Tokio, ein Hinweis auf ein internationales Kundenpublikum jenseits der Zürcher Laufkundschaft.

Für wen sich der Weg lohnt

Wer an der Bahnhofstrasse ohnehin bei Beyer, Gübelin oder Bucherer unterwegs ist und einen weiteren Vergleichspunkt sucht, findet in Türler ein Haus mit eigener Geschichte bis 1883 und einer eigenen Werkstatt, ohne die Grösse und das internationale Markenportfolio der ganz grossen Nachbarn. Wer stattdessen einen ruhigen, terminbasierten Rahmen abseits der lauten Vitrinen sucht und Zeit für ein Beratungsgespräch mitbringt, statt spontan hereinzuschauen, ist mit dem Salon an der Fraumünsterstrasse besser bedient als mit einer Filiale im Erdgeschoss. Wer dagegen sofortige Preisauskunft ohne Terminvereinbarung will, findet die auf der Website nicht und muss zuerst anrufen.

Fazit

Türler bleibt nach dem Wegzug vom Paradeplatz ein Familienbetrieb mit eigener Werkstatt und einer Geschichte, die sich bis 1883 zurückverfolgen lässt, samt eigener astronomischer Uhr an der Fassade des heutigen Standorts. Der Wermutstropfen ist die geringe Transparenz bei Preisen, Fristen und den Ausbildungswegen der eigenen Goldschmiede, dazu die knappen, rein terminbasierten Öffnungszeiten. Wer damit leben kann und den etwas versteckten Zugang in Kauf nimmt, bekommt eine der wirklich alten Adressen im Umfeld der Bahnhofstrasse, nur eben eine Etage höher als früher.

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