Rapp Auktionen
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Wer in Zürich einen Verlobungsring sucht, der schon einmal jemandem gehört hat, muss nicht zwingend zu einem der Secondhand-Händler an der Bahnhofstrasse. Ein zweiter Weg führt über eine Auktion, und dafür braucht es nicht einmal eine Reise nach Genf oder London: Das Auktionshaus Rapp unterhält seit Jahrzehnten ein Büro mitten in Zürich, auch wenn der eigentliche Firmensitz an der Toggenburgerstrasse 139 in Wil im Kanton St. Gallen liegt.
Rapp ist ein Familienunternehmen der alten Schule. Peter Rapp gründete die Firma 1970 in der Schweiz, ein Jahr später hielt er in den Konferenzräumen des Zürcher Bahnhof-Buffets seine erste eigene Auktion ab und erzielte dabei einen Umsatz von 720'000 Franken, damals noch reine Briefmarkenauktionen, seiner ursprünglichen Leidenschaft aus der Jugend. Die zweite Auktion 1973 verdoppelte den Umsatz und knackte die Millionengrenze, 1976 überschritt das Haus erstmals 10 Millionen Franken Jahresumsatz. 1979 und 1980 stellte Rapp mit 25 respektive 33,2 Millionen Franken einen Weltrekord für eine reine Briefmarkenauktion auf, der laut Firmengeschichte bis heute hält. Wer diese Zahlen liest, versteht schnell: Rapp kommt aus der Philatelie, nicht aus dem Schmuckgeschäft, und das ist für die Einordnung als Adresse für einen Verlobungsring durchaus wichtig.
1982 baute die Familie ihr eigenes Auktions- und Geschäftshaus in Wil, eingeweiht am 30. September vor einigen hundert geladenen Gästen. Die erste Auktion im neuen Haus fand allerdings erst 1985 statt, in einem Saal, der laut Firmengeschichte weit über 300 Personen fasst. Seit 1997 sitzt mit Marianne Rapp Ohmann, der Tochter des Gründers, bereits die zweite Generation in der Geschäftsleitung, zuständig für Organisation und Gästebetreuung. 2001 durfte Rapp die Alma Lee Collection im Auftrag der Royal Philatelic Society London versteigern, ein Coup, der dem Haus internationale Aufmerksamkeit einbrachte. Seit 2008 kamen regelmässige Münzauktionen dazu. Schmuck, Uhren und Designertaschen sind dagegen die jüngste Sparte im Haus, die erste Auktion dafür fand erst 2017 statt. Wer bei Rapp einen Ring ersteigert, kauft also bei einem Haus, das seit der ersten Auktion 1971 auf 55 Jahre Erfahrung verweist, dessen Schmuckabteilung aber erst seit 2017 und damit noch keine zehn Jahre existiert.
Die Schmuckabteilung wird von Gabriela Blöchlinger geleitet, unterstützt von Dr. Fabian Schmitz als hauseigenem Gemmologen und Mineralogen. Angenommen werden Markenschmuck von Cartier, Van Cleef & Arpels, Bulgari, Chopard und Hemmerle, grosse Diamanten der Farbstufen D bis F mit Reinheitsgraden von IF bis VS, unbehandelte Rubine, Saphire und Smaragde sowie signierte Goldschmiedearbeiten von Art déco bis zeitgenössisch. Der Ablauf ist bei Rapp wie bei den meisten Schweizer Auktionshäusern: Die erste Begutachtung und Schätzung sind kostenlos und unverbindlich, vor der Auktion wird ein verbindlicher Limitpreis vereinbart, unter dem das Stück garantiert nicht verkauft wird, und sobald ein Objekt übergeben ist, läuft eine Spezialversicherung in Höhe des vereinbarten Schätzwerts. Der Erlös wird laut eigenen Angaben 4 bis 6 Wochen nach der Versteigerung per Banküberweisung ausgezahlt. Bleibt ein Stück unverkauft, geht es häufig in den Nachverkauf oder wird ohne versteckte Gebühren zurückgegeben. Was die Website nicht erwähnt, ist eine Gewährleistung oder ein Reparatur- und Änderungsservice nach dem Kauf, wie ihn ein Goldschmied im eigenen Atelier anbieten würde. Wer bei Rapp ersteigert, kauft ein Stück, wie es im Katalog beschrieben ist, nicht mit einem Versprechen für später.
Was die Kataloge tatsächlich zeigen
Für die Frühlingsauktion vom 2. bis 4. Juni 2026 hat Rapp gleich zwei Schmuckkataloge veröffentlicht: Der Saalkatalog für die Auktion vom 4. Juni nummeriert seine Lose von 4001 bis 4244, der separate Online-Only-Katalog für den 2. Juni läuft von 2001 bis 2269. Ringe sind in beiden reichlich vertreten, von schlichten Bandringen in Gelbgold bis zu Farbstein-Cocktailringen. Ein Cartier «La Dona» Ring mit Citrin aus dem Saalkatalog ist zum Beispiel mit 2'000 bis 3'000 Franken taxiert, ein unbehandelter Paraiba-Turmalin-Ring mit doppeltem Diamantkranz mit 12'500 bis 14'000 Franken. Das sind Schätzpreise vor der Auktion, keine Fixpreise, was am Ende bezahlt wird, entscheidet das Gebot im Saal oder online. Jedes Los trägt Angaben zu Goldgehalt und Fassung und, wo vorhanden, ein Gemmologie-Zertifikat, etwa von GIA, GRS oder GIT. Für eine Käuferin oder einen Käufer, die genau wissen wollen, was sie ersteigern, ist das eine solide Grundlage, deutlich mehr als ein Foto und ein Stichwort im Katalog.
Wie hoch die Preise am Ende tatsächlich gehen, zeigt die Liste vergangener Ergebnisse auf der Website. Ein Burma-Rubin-Ring erzielte dort 62'500 Franken, ein Rubin-Saphir-Diamant-Ring 17'500 Franken, ein Van Cleef & Arpels Frivole Ring 10'500 Franken. Nach oben ist die Bandbreite offen: Ein Paar Hemmerle «Harmony» Armreife brachte 108'750 Franken ein, das bisher höchste veröffentlichte Ergebnis aus der Schmuckabteilung. Wer einen Verlobungsring sucht, findet bei Rapp also sowohl Stücke im tieferen vierstelligen Bereich als auch Objekte, die klar in die Kategorie Sammlerstück fallen.
Rapp Shop Now: der Festpreis-Kanal daneben
Neben den terminierten Auktionen betreibt Rapp mit Rapp Shop Now einen eigenen Onlineshop mit Festpreisen, für alle, die nicht auf einen Auktionstermin warten oder sich nicht auf ein Gebotsverfahren einlassen wollen. Verkauft wird dort dieselbe Bandbreite wie in den Katalogen, Schmuck, Uhren, Designertaschen, Münzen und Briefmarken, jedes Stück mit sofort sichtbarem Preis statt Schätzspanne. Zum Zeitpunkt unserer Recherche zählte allein die Rubrik Ringe rund 60 Stücke, dazu kommen eigene Rubriken für Anhänger, Armreifen, Broschen, Colliers, Ohrringe und Schmucksets. Ein Beispiel aus dem Shop: Ein Schmetterling-Collier wird dort fest für 4'800 Franken angeboten, eine Hermès Birkin für 15'570 Franken, was zeigt, dass die Preisspanne von Rapp Shop Now genauso breit ist wie die der Auktionen selbst. Für einen Ring, den man sofort mitnehmen will statt auf einen Auktionstermin zu warten, ist das die praktischere Tür ins gleiche Haus.
Vor Ort in Zürich und in Wil
Persönliche Beratung gibt es mitten in der Stadt: Das Zürich-Büro an der Fraumünsterstrasse 19, Eingang Kappelergasse, unweit des Paradeplatzes, nimmt jeweils dienstags von 14 bis 18 Uhr Beratungen, Schätzungen und Einlieferungen entgegen, ausserhalb dieser Zeit nur nach Vereinbarung. Am Hauptsitz in Wil gelten die gewöhnlichen Bürozeiten von Montag bis Freitag, samstags und sonntags ist geschlossen. Wer nicht zufällig dienstagnachmittags Zeit hat, muss also entweder einen Termin ausmachen oder den Weg nach Wil auf sich nehmen, kein Vergleich zu einer Bijouterie an der Bahnhofstrasse mit täglich offenen Türen. Ergänzend bietet Rapp Expertentage in 5-Sterne-Häusern an, unter anderem in Bern, Basel, Lausanne, Luzern und Lugano sowie international in München, Kitzbühel, Salzburg, Marbella und Mallorca. An der Fraumünsterstrasse 19 hat übrigens auch Vintage Jewellery von Hedley Prynn sein Büro, ebenfalls in dieser Kategorie gelistet. Es handelt sich vermutlich um ein gemeinsames Bürohaus und nicht um denselben Betrieb, wer die beiden Adressen nebeneinander sieht, sollte sich davon nicht verwirren lassen.
Fazit
Rapp ist kein Juwelier, der einen Ring nach Mass anfertigt, und auch kein Schmuckhaus mit langer eigener Goldschmiedetradition: Die Sparte Schmuck, Uhren und Designertaschen ist mit dem Startjahr 2017 die jüngste im ganzen Haus. Was Rapp stattdessen bietet, ist eine seit 1970 gewachsene, familiengeführte Auktionsstruktur mit klaren Regeln, kostenloser Erstschätzung, verbindlichem Limitpreis und einer Zürcher Anlaufstelle, dazu Kataloge, die Fassung, Reinheit und Zertifikate sauber dokumentieren, statt sich auf ein Foto und ein Adjektiv zu verlassen. Für einen Verlobungsring aus zweiter Hand mit Geschichte, ob über den Hammer im Saal, online oder direkt zum Festpreis bei Rapp Shop Now, ist das eine ernstzunehmende Adresse, gerade weil sie nicht vom Schmuck herkommt, sondern von der Auktion.