Auktionshaus Ineichen

Zürich · established 1973

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Ineichen ist seit 1973 in Zürich zuhause und bezeichnet sich selbst als führendes Schweizer Uhren- und Schmuckauktionshaus. Gegründet hat es Peter A. Ineichen, ursprünglich mit Auktionen für antikes Spielzeug, Helvetica, Zeichnungen, Militaria, wissenschaftliche Instrumente, Bücher, Teppiche und wertvolle Papiere. Schon innert der ersten 5 Jahre stellte das Haus 4 Weltrekorde im Uhrenbereich auf: 1975 versteigerte es eine Breguet No. 213 für 500'000 Franken, 1978 brachte eine Breguet-Taschenuhr mit Tourbillon (Nr. 1918) denselben Betrag. Von da an wurde die Uhrengeschichte zum Kerngeschäft. Schmuck gehörte nach eigener Darstellung von Anfang an dazu und gehört bis heute zum Sortiment, auch wenn die Website heute klar auf Uhren ausgerichtet ist, dazu gleich mehr.

1982 gründete das Haus einen eigenen Verlag und brachte als erstes Buch eine Geschichte der Genfer Uhrmacherdynastie Patek Philippe heraus, ein Beleg dafür, dass hier nicht nur verkauft, sondern auch recherchiert wird. Das Unternehmen zog 1977 an die C.F. Meyerstrasse und 1987 an die Badenerstrasse, bevor es an den heutigen Standort Stadthausquai 11 wechselte, mitten in der Stadt am Seebecken statt an der Bahnhofstrasse. Dieser Umzug brachte laut Ineichen die Möglichkeit, neben dem Auktionsbetrieb einen eigenen Ladenbereich zu führen. Mitte der 1990er Jahre übergab Peter A. Ineichen die Leitung an seinen Sohn Frank. 2017 übernahm ein neues Management operativ, mit Artemy Lechbinsky an der Spitze, während Frank Ineichen als Berater blieb. Wer heute anruft oder vorbeigeht, hat es also nicht mehr mit der Gründerfamilie am Steuer zu tun, sondern mit einem professionalisierten Betrieb, der den Namen weiterträgt.

Wie der Kauf abläuft

Geboten wird auf vier Arten: online, im Saal, telefonisch oder per im Voraus hinterlegtem Höchstgebot, das Ineichen dann automatisch bis zur gesetzten Grenze hochtreibt. Der Link zur Live-Auktion wird eine Stunde vor Start freigeschaltet, und ein Los ist nur so lange live buchbar, wie es tatsächlich offen ist. Wer ein Stück vor dem Zuschlag prüfen will, kann das an der Besichtigung vor der Auktion tun oder zusätzliche Angaben anfordern, konkrete Besichtigungstage nennt die Website allerdings nicht, das muss man direkt erfragen.

Neben den klassischen Live-Terminen im Saal führt Ineichen auch getaktete Online-Auktionen ohne festen Saaltermin durch. Die Auktion vom 18. bis 29. Juli 2026 zum Beispiel bot 24 Lose an, alle 24 fanden einen Käufer, keines blieb liegen, und die Verkaufssumme von CHF 112'350 ist öffentlich einsehbar. Das liegt deutlich über der Erfolgsquote von 75 bis 90 Prozent, die das Haus für seine Auktionen allgemein angibt, ein Hinweis darauf, dass diese Zahl ein langjähriger Schnitt ist und keine Garantie pro Termin.

Was beim Preis zählt

Der grösste Pluspunkt für Käuferinnen und Käufer: Ineichen verzichtet nach eigenen Angaben ganz auf ein Aufgeld. Wer den Zuschlag erhält, zahlt nur den Zuschlagspreis plus die Schweizer Mehrwertsteuer von 8.1 Prozent (so schreibt es das Haus selbst, mit Punkt statt Komma), keine zusätzliche Kommission obendrauf. Für Lieferungen ins Ausland lässt sich diese Steuer auf Anfrage von der Rechnung nehmen. Bezahlt wird direkt am Auktionstag oder spätestens 5 Tage danach, bar in Franken an der Kasse am Stadthausquai oder per Überweisung in Franken, Euro oder Dollar. Kartenzahlung nimmt das Haus derzeit weder online noch im Zürcher Büro an, das ist unpraktisch, aber wenigstens klar kommuniziert statt verschwiegen. Wer zu spät zahlt, erhält eine Nachfrist von 5 Tagen und danach fallen 10 Prozent Verzugszins pro Jahr an.

Abgeholt werden ersteigerte Stücke sofort oder innert 30 Tagen, danach kann Ineichen sie auf Kosten und Risiko der Käuferschaft einlagern, ab dem 10. Tag nach Ablauf dieser Frist. Stellt sich innert 30 Tagen nach der Auktion schriftlich belegt heraus, dass ein Stück eine Fälschung ist, kann Ineichen den Kauf im Namen der Verkäuferseite rückgängig machen und Zuschlagspreis samt Mehrwertsteuer zurückerstatten. Das ist die Art von Gewährleistung, die man bei einem Auktionshaus statt einer klassischen Herstellergarantie bekommt, und sie ist nicht mit einer Anfertigung nach Mass oder einer Grössenänderung beim Goldschmied zu verwechseln. Ineichen ist ein Auktionshaus und kein Atelier: Wer den Ring später enger oder weiter machen lassen will, braucht ohnehin eine separate Bijouterie oder einen Goldschmied.

Für wen sich das lohnt

Wer auf der Bahnhofstrasse durch die Auslagen der grossen Namen schlendert, kauft sofort zu einem festen Preis. Bei Ineichen ist es umgekehrt: Man beobachtet den Kalender, meldet sich für eine Besichtigung an und bietet dann an einem festgelegten Termin gegen andere Interessenten. Wer ein Los verpasst, wartet auf den nächsten Termin, von denen der Kalender bereits mehrere bis Ende 2026 ausweist. Das eignet sich für Paare, die ohnehin gerne stöbern, Geduld für einen fixen Auktionstermin mitbringen und keine Eile mit dem Antrag haben, weniger für alle, die noch diese Woche einen Ring wollen.

Wer selbst ein altes Stück verkaufen will, um den neuen Ring zu finanzieren, zahlt laut den veröffentlichten Auktionsbedingungen eine gestaffelte Kommission: 20 Prozent unter einem Nettozuschlag von CHF 50'000, 15 Prozent zwischen CHF 50'000 und CHF 150'000, und 10 Prozent darüber. Das Haus selbst wirbt zusätzlich damit, im Schnitt mindestens 10 Prozent tiefer zu liegen als andere Auktionshäuser, 10 bis 30 Prozent über dem Marktwert zu erzielen und ein Stück innerhalb von zwei Wochen ins nächste Sale zu bringen, das bleibt allerdings die eigene Werbeaussage und keine unabhängig geprüfte Zahl.

Der Uhrenschwerpunkt ist der ehrliche Vorbehalt bei dieser Auktionsadresse. Die Website ist heute fast ausschliesslich nach Uhren aufgebaut, mit grossen Namen von Rolex bis Patek Philippe und unabhängigen Marken wie Konstantin Chaykin vorne im Katalog, während Schmuck eher innerhalb derselben Sales auftaucht als in einer eigenen Kategorie. Wer gezielt einen Verlobungsring über eine Auktion sucht, sollte den aktuellen Kalender vorher checken, statt sich darauf zu verlassen, dass gerade ein Los mit Diamanten dabei ist.

Ein Vorteil bleibt trotzdem bestehen, egal ob es gerade um eine Uhr oder um Schmuck geht: Ein Zürcher Bijoutier auf der Bahnhofstrasse veröffentlicht praktisch nie, was ein bestimmtes Stück tatsächlich eingebracht hat. Ineichen tut genau das, Los für Los, Auktion für Auktion, öffentlich nachlesbar. Für jemanden, der zum ersten Mal einen Ring bei einer Auktion kaufen will und wissen möchte, ob ein Haus überhaupt regelmässig verkauft statt nur schön aufgemachte Kataloge zu drucken, ist diese Offenheit ein einfacher, nachprüfbarer Massstab, den man bei einer klassischen Verkaufstheke gar nicht erst ansetzen kann.

Fazit

Für ein 1973 gegründetes Haus mit eigener Adresse am Stadthausquai, offengelegten Ergebnissen pro Auktion und einem Kaufmodell ohne Aufgeld ist Ineichen ein seriöser erster Anlaufpunkt, wenn ein Ring auch mal unter den Hammer statt über den Ladentisch gehen darf. Der Preis bleibt nachvollziehbar, die Bedingungen stehen schwarz auf weiss online, und mit 34'662 aktiven Bietern sowie 608 vergangenen Auktionen ist die Reichweite belegt statt bloss behauptet. Der Uhrenfokus und die fehlende Kartenzahlung sind die einzigen echten Wermutstropfen, kein Grund, einen Blick in den Kalender auszulassen.

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