Gübelin

Bahnhofstrasse 36, Zürich · seit 1854

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Gübelin führt seine Bijouterie an der Bahnhofstrasse 36 in Zürich seit 1932, mitten in dem Strassenabschnitt, in dem sich Schweizer Familienhäuser seit Generationen die Laufkundschaft mit internationalen Marken teilen. Das Haus selbst ist deutlich älter als sein Zürcher Standort. Die Geschichte beginnt 1854 mit einer Uhrmacherwerkstatt in Luzern, und bis heute steht die Familie Gübelin an der Spitze, inzwischen in sechster Generation durch Raphael Gübelin und seine Frau Wilvy Sy Gübelin, die die Leitung von seinem Vater Thomas Gübelin übernommen haben. Für ein Schweizer Publikum liegt der eigentliche Wert dieses Hauses aber weniger in der Familientradition allein als in einer Institution, die sich Gübelin selbst geschaffen hat, dem hauseigenen Gem Lab.

Die Wurzeln reichen zu Mauritz Breitschmid zurück, der 1854 an der Luzerner Pfistergasse eine Uhrmacherwerkstatt eröffnete. Eduard Jakob Gübelin, 1861 in der Ostschweiz geboren, zog nach Luzern und absolvierte bei Breitschmid seine Lehre. 1886 heiratete er dessen Tochter Bertha Sophia Breitschmid, im selben Jahr wurden die beiden Männer Geschäftspartner. In den 1920er-Jahren erweiterte das Haus sein Geschäft um ein eigenes Schmuckatelier und richtete parallel dazu ein kleines gemmologisches Labor ein, um die Echtheit der verarbeiteten Steine selbst prüfen zu können, unabhängig vom eigenen Verkauf. Dieses Labor firmiert seit 1923 als eigenständige Institution und ist bis heute eine unabhängige Tochtergesellschaft der Gübelin-Gruppe, keine blosse Marketingbezeichnung für die Beratung am Tresen.

Was das Gem Lab tatsächlich prüft, lässt sich an den eigenen Einkaufskriterien ablesen, die Gübelin für seine Diamanten offen auf der Website nennt. Für die eigene Kollektion akzeptiert das Haus nur runde Brillant-Diamanten mit mindestens 57 Facetten, einem als exzellent bewerteten Schliff, Farbgraden zwischen D und H sowie einer Reinheit zwischen makellos (FL) und leicht mit Einschlüssen behaftet (SI1), bei höchstens schwacher Fluoreszenz. Jeder Diamant ab einem halben Karat wird nach Angaben des Hauses mit zwei getrennten Gutachten ausgeliefert, einem des Gübelin Gem Lab und einem des amerikanischen Gemological Institute of America (GIA). Die Gemmologinnen und Gemmologen im Labor bringen jeweils einen erdwissenschaftlichen Abschluss und eine gemmologische Ausbildung mit und durchlaufen danach ein eigenes, mehrjähriges internes Ausbildungsprogramm, bevor sie ein Gutachten unterschreiben dürfen. Auktionshäuser, Juweliere, Steinhändlerinnen und Sammler verlassen sich nach Angaben des Hauses weltweit auf diese Berichte, was dem Labor ein Gewicht gibt, das eine einzelne Verkaufsberatung am Schaufenster nicht mitbringt. Zur Absicherung dieser Standards hat die Familie dem Labor ein eigenes Gütesiegel gegeben, das Gübelin Gem Lab Seal, das nur auf Gutachten erscheint, die strenge interne Richtlinien erfüllen. Nebst Luzern unterhält das Labor inzwischen eigene Dependancen in Hongkong, seit 2010, und in New York, seit 2017, was seinen Berichten auch ausserhalb Europas Gewicht verleiht.

Wer nicht aus dem bestehenden Sortiment wählen will, kann bei Gübelin einen Verlobungsring nach Mass in Auftrag geben. Das Haus beschreibt den Ablauf als gemeinsame Arbeit mit hauseigenen Designerinnen und Designern, Goldschmiedinnen und Goldschmieden sowie Fasserinnen und Fassern, ausgehend vom gewählten Stein und seinen sichtbaren Einschlüssen über Skizzen bis zum fertigen Stück, gefertigt im eigenen Atelier in der Schweiz. Zur Anfertigung nach Mass gehört serienmässig ein persönliches gemmologisches Gutachten des Gübelin Gem Lab, ausgestellt als unabhängige Gegenprüfung und nicht als Verkaufspapier der eigenen Bijouterie. Spezialisiert ist das Atelier seit den 1920er-Jahren vor allem auf farbige Edelsteine wie Rubine, Saphire und Smaragde, was Gübelin im Vergleich zu reinen Diamantenhäusern an der Bahnhofstrasse zu einer der wenigen Adressen macht, an denen ein farbiger Stein ebenso selbstverständlich behandelt wird wie ein weisser.

Die Boutique selbst erstreckt sich über zwei Stockwerke an der Bahnhofstrasse 36 (8001 Zürich) und zeigt neben den eigenen Schmuckkollektionen auch Uhren von Patek Philippe, Bulgari, Chanel, Glashütte Original, Jaeger-LeCoultre, Parmigiani Fleurier, Roger Dubuis und Zenith. Wie weit die Preisspanne bei diesen Marken reicht, zeigt der eigene Online-Shop. Ein Bulgari-Modell namens Aluminium Amerigo Vespucci ist dort für CHF 3'820 gelistet, ein Zenith Chronomaster Original für CHF 25'400, beides klar oberhalb dessen, was ein einzelner Verlobungsring kostet. Geöffnet ist die Boutique montags bis freitags von 10.00 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10.00 bis 18.00 Uhr, sonntags bleibt sie zu, an Tagen vor Feiertagen schliesst sie bereits um 17.00 Uhr. Zur Nachbetreuung eines Rings, etwa einer späteren Grössenänderung, führt die Website eigene Rubriken zu Gewährleistung und einem Service namens Refresh & Redesign, konkrete Fristen nennt sie an dieser Stelle allerdings nicht öffentlich.

Wie er sich an der Bahnhofstrasse einordnet

Auf dem kurzen Stück zwischen Bahnhofstrasse und Paradeplatz teilt sich Gübelin die Kundschaft mit Häusern, die teils deutlich länger an derselben Adresse stehen. Beyer, das älteste unter ihnen, geht auf das Jahr 1760 zurück, schliesst nach aktuellem Stand aber Ende 2026, worauf ab 2027 Patek Philippe die Fläche an der Bahnhofstrasse 31 übernimmt. Gübelin selbst ist an diesem Strassenabschnitt also nicht das älteste Haus, dafür jenes mit der wohl breitesten technischen Grundlage darunter, ein eigenes Labor statt zugekaufter Expertise, ein eigenes Atelier statt reinem Wiederverkauf. Auch Bucherer und Türler liegen nur wenige hundert Meter entfernt, sodass sich ein Vergleich vor Ort ohne grossen Umweg machen lässt, ehe man sich für ein Haus entscheidet. Wer ohnehin plant, mehrere Häuser an der Bahnhofstrasse zu vergleichen, tut das bei Gübelin also weniger wegen des Alters als wegen der Gutachten, die den Kauf begleiten.

Für wen sich die Boutique eignet

Am meisten profitieren Paare, die zu einem Diamanten eine zweite, unabhängige Meinung wollen, ehe sie sich festlegen, oder die einen farbigen Stein suchen und dafür ein Atelier brauchen, das damit routiniert umgeht statt ihn als Sonderfall zu behandeln. Wer stattdessen möglichst rasch und ohne Termin eine solide Auswahl von der Stange sucht, ist an der Bahnhofstrasse mit anderen Häusern teils ebenso gut bedient, ohne den zusätzlichen Beratungsaufwand, den eine Anfertigung nach Mass bei Gübelin mit sich bringt. Wer dagegen ohnehin plant, den fertigen Ring später im Ausland versichern oder erneut begutachten zu lassen, profitiert davon, dass die Gutachten des Labors nicht nur in Luzern, sondern auch bei den Aussenstellen in Hongkong und New York anerkannt sind.

Das Fazit

Konkrete Preise für einen Verlobungsring aus eigener Anfertigung veröffentlicht Gübelin online nicht. Sichtbar sind auf der Verlobungsringe-Seite lediglich Beispielpreise aus der Linie Classics, deren Ringe, dort als Alliance Ring geführt, je nach Ausführung zwischen CHF 2'600 und CHF 8'200 beginnen, was für eine Grössenordnung reicht, aber nichts über ein Steingutachten oder eine Massanfertigung aussagt. Das ist der eine echte Wermutstropfen an einem sonst gut belegten Angebot. Für Zürcherinnen und Zürcher, denen das Gutachten hinter dem Ring wichtiger ist als die schnellste Lösung, bleibt Gübelin an der Bahnhofstrasse 36 trotzdem eine der wenigen Adressen, an der die Prüfung des Steins nicht von der eigenen Verkäuferin kommt, sondern von einer seit 1923 unabhängigen Institution im eigenen Haus.

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