Max Iten und Brunhilde Loos Goldschmiede
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Wer in der Zuger Altstadt am Fischmarkt entlangspaziert, kommt an einem Schaufenster vorbei, auf dem schlicht zwei Namen stehen: Max Iten und Brunhilde Loos. Keine Filiale und keine Kette, sondern das Ehepaar selbst, das seit 1982 gemeinsam als Goldschmiede arbeitet und seit 1991 an dieser Adresse ein eigenes Atelier führt. Für ein Paar, das in Zug, Baar oder Cham wohnt oder dort arbeitet und sich die Fahrt nach Zürich sparen will, ist das eine der wenigen Adressen in der Region, bei der der Name auf dem Türschild tatsächlich zur Person an der Werkbank gehört und nicht nur zu einer Marke.
Herkunft und Werkstatt
Die Geschichte der beiden liest sich wie ein klassischer Goldschmiede-Werdegang, wie man ihn heute kaum noch findet. Brunhilde Loos absolvierte ihre Goldschmiedelehre zwischen 1970 und 1973, Max Iten seine zwischen 1972 und 1976 bei der Firma Boss und Lohri, und zwar in Zug selbst, also im gleichen Städtchen, in dem er heute noch arbeitet. Danach zog es beide nach Deutschland an die staatliche Zeichenakademie in Hanau: Loos von 1976 bis 1978, Iten von 1978 bis 1980, beide in der Klasse von J.R. Lorenzen. 1980 heirateten sie und liessen sich als freischaffende Goldschmiede in der Schweiz nieder. 1982 eröffneten sie ihr erstes gemeinsames Schmuckatelier mit Galerie an der Oberaltstadt 38 in Zug, 1991 folgte der Umzug an den Fischmarkt 11, wo das Geschäft bis heute geführt wird. Seit der Eröffnung an dieser Adresse sind mittlerweile 35 Jahre vergangen, ein Zeitraum, den in der Zuger Altstadt kaum ein anderer Betrieb der Branche vorweisen kann.
Die eigene Website nennt keine Angestellten und keine Nachfolgeregelung. Alles deutet darauf hin, dass Iten und Loos ihr Geschäft nach wie vor selbst führen, so wie sie es seit über vier Jahrzehnten tun. Das lässt sich von aussen nicht mit letzter Sicherheit bestätigen, es ist aber genau das Bild, das Auftritt, Adresse und Eintrag im Branchenverzeichnis lokal übereinstimmend zeichnen: gleiche Telefonnummer, gleiche Öffnungszeiten, gleiche Adresse.
Das Angebot
Auf der eigenen Seite listet das Atelier sein Angebot nüchtern, fast wie ein Inventar, auf: eigene Kreationen, Schmuckherstellung nach den Vorstellungen der Kundschaft, Schmuckänderungen und Schmuckreparaturen, Ankauf von Altgold, Piercing und Piercingschmuck, Ohrlochschiessen für Kinder mit allergiefreiem Kinderohrschmuck, Trauringe, Gold- und Silberschmuck, Ringänderungen sowie Perlketten samt dem Aufziehen bestehender Ketten und einzelnen Ohrsteckern für alle, die ein verlorenes Gegenstück ersetzen müssen. Trauringe stehen also nicht irgendwo als Nebensatz versteckt, sondern ausdrücklich neben dem übrigen Gold- und Silberschmuck in derselben Liste, genau wie Ringänderungen, die spätere Anpassungen eines Trauring nach einer veränderten Fingergrösse erst möglich machen.
Wie konkret das gemeint ist, zeigt ein Beispiel direkt auf der Startseite: ein Ring in Weissgold mit Brillanten und Tansanit, gefertigt für eine Kundin aus den Steinen ihres eigenen alten Schmucks. Das ist die Art von Auftrag, für die man sich an ein Atelier wie dieses wendet und nicht an eine Filiale: Erbstücke oder alte Steine werden nicht einfach zum Wiederverkauf angenommen, sondern in ein neues, persönliches Stück überführt.
Konkrete Preise, Lieferfristen oder eine schriftliche Gewährleistung nennt die Website nirgends, was bei einem Betrieb dieser Grösse nicht ungewöhnlich ist. Wer das wissen will, muss anrufen. Dass Ringänderungen als eigener Punkt auf der Liste stehen, ist immerhin ein klares Signal, dass das Atelier auch für den Service nach der Hochzeit zuständig bleibt, etwa eine spätere Weitung des Trauring, und diesen nicht an Dritte auslagert.
Charakter und Handschrift
Was das Atelier von einem reinen Verkaufsgeschäft unterscheidet, zeigt sich am deutlichsten in der Sprache, mit der die beiden ihre eigenen Stücke beschreiben. Zu einem Ringpaar auf der Schmuckseite schreibt Brunhilde Loos in der Ich-Form: "Diese beiden Ringe sind für mich im Moment die 'Spassmacher' unter unseren Schmuckstücken." Und weiter: "Der 'Kleine' ist verspielt, zart und dennoch üppig, fast schon barock. Der 'Grosse' hat Gewicht." Auf der Seite über sich selbst formuliert sie ihren Anspruch so: "Mich interessieren die Kraft und die Energie die durch Form Material und Inhalt eines Schmuckes bestimmt werden." Das ist die Sprache einer Schmuckkünstlerin, die über eigene Arbeiten spricht, nicht die eines Verkaufstexts.
Max Iten wiederum hat auf der Startseite eine zweiteilige, selbst verfasste Abhandlung über Perlen hinterlegt, von der Entstehung der Perle in der Muschel bis zur Geschichte der Zuchtperle und der schwarzen Tahitiperle. Fachlich ist das mehr, als man von einer gewöhnlichen Schmuckseite erwartet, und es passt zum Bild zweier Handwerker, die ihr Fach seit der Lehre in den 1970er Jahren selbst betreiben und nicht nur weiterverkaufen, was andere herstellen.
Erreichbarkeit und Ablauf
Das Atelier ist unter der Nummer 041 711 69 03 erreichbar, montags bis freitags von 9 bis 11.30 Uhr und von 13.15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 16 Uhr. Mittwochs bleibt ganztägig geschlossen, ausser nach Absprache. Auf der eigenen Seite steht ausdrücklich, dass man während dieser Zeiten telefonisch erreichbar ist. Eine Online-Terminbuchung oder eine E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme fehlen. Wer einen Termin für die Trauringberatung will, ruft also am besten während der Öffnungszeiten an, statt eine Anfrage über ein Formular zu schicken, das es hier nicht gibt.
Der Webauftritt selbst wirkt entsprechend in die Jahre gekommen: Er wurde mit dem Baukasten Jimdo Creator erstellt, die Startseite trägt beim Abruf noch einen alten Ostergruss samt Wiedereröffnungsdatum und einer vollständig abgedruckten deutschen Übersetzung von John Lennons "Imagine". Wer ein poliertes Online-Erlebnis mit Schmuckkonfigurator erwartet, findet hier das Gegenteil. Wer stattdessen zu den beiden Goldschmieden selbst will, für die das Türschild eben nicht nur ein Name, sondern die eigene Unterschrift ist, greift am besten gleich zum Telefon.
Im Vergleich
Im Vergleich zu den grossen Bahnhofstrasse-Adressen in Zürich ist das hier das Gegenmodell: kein Schaufenster mit Filialdesign, keine Fläche mit mehreren Verkaufsberatern, sondern zwei Personen, die seit 1982 ihr eigenes Handwerk betreiben. Wer ohnehin in Zug oder in der näheren Umgebung unterwegs ist, spart sich damit die Fahrt in die Stadt, ohne bei der Beratung auf Fachwissen verzichten zu müssen. Wer dagegen eine grosse Auswahl an Markenringen zum direkten Vergleich sucht, ist bei einem spezialisierten Trauring-Fachgeschäft besser aufgehoben, denn Iten und Loos zeigen auf ihrer Seite vor allem eigene Kreationen und keinen Markenkatalog.
Für wen sich der Weg lohnt
Am meisten profitieren Paare, die einen Trauring wirklich vor Ort in Zug entwerfen lassen wollen, statt aus einer bestehenden Kollektion zu wählen, und Paare, die eigene Steine aus Familienschmuck weiterverwenden möchten, so wie es das Beispiel mit dem Weissgoldring mit Tansanit auf der Startseite zeigt. Ebenso passend ist das Atelier für alle, die schon einen Trauring von hier tragen und Jahre später eine Ringänderung wegen einer veränderten Fingergrösse brauchen. Der Betrieb hat diese Leistung ausdrücklich im Programm und dürfte, anders als eine reine Verkaufsstelle, das ursprüngliche Stück selbst noch kennen.
Fazit
Max Iten und Brunhilde Loos führen seit 1982 ein eigenes Goldschmiedeatelier und seit 1991 an der aktuellen Adresse Fischmarkt 11, mit Trauringen und Ringänderungen ausdrücklich im eigenen Angebot neben Gold- und Silberschmuck. Das Fehlen von Online-Terminen, veröffentlichten Preisen und einem zeitgemässen Webauftritt ist der offensichtliche Wermutstropfen, aber wer bei einem Familienbetrieb dieser Grösse ohnehin lieber anruft als klickt, wird das kaum vermissen. Für ein Paar aus der Region Zug, das einen Trauring von den Leuten will, die ihn auch Jahre später noch anpassen können, ist das eine der solidesten Adressen im Kanton.