Lohri
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Lohri ist seit 1970 ein Familienbetrieb für Schmuck und Uhren an der Zuger Neugasse, heute in der zweiten Generation von Eva und Franz Lohri geführt, mit den Kindern Bianca und Franco bereits im Geschäft eingebunden. Wer im Zuger Finanzplatz arbeitet oder in der Region wohnt, muss für einen Verlobungsring nicht zwingend an die Zürcher Bahnhofstrasse fahren. Der eigentliche Ringkatalog liegt nicht auf der Zuger Betriebsseite lohri-zug.com selbst, sondern auf der Schwesterseite lohri.com, doch der Betrieb dahinter hat seine Wurzeln in derselben Zuger Altstadt. Das Geschäft besteht heute an 2 Adressen an der Neugasse, der Bijouterie- und Uhrenboutique Lohri Galerie auf Nummer 9 und dem historischen Lohri-Haus auf Nummer 27. Die eigene Seite spricht von 4 Boutiquen im Herzen von Zug, zusammen mit rund 40 Mitarbeitenden.
Das Lohri-Haus an der Neugasse 27 trägt den Beinamen "ältestes Goldschmiedehaus der Welt", eine Formulierung, die sowohl Lohri selbst als auch Zug Tourismus verwenden. Nachweislich sind an dieser Adresse seit 1620 Goldschmiede tätig, und der gewölbte Keller im Erdgeschoss stammt sogar noch aus der Bauzeit der Neugasse am Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Haus, wie es heute dasteht, liess die Zuger Silberschmiedefamilie Spillmann 1806 im Empirestil errichten. Über die Familie Kaiser, die das Grundstück 1885 kaufte und deren Sohn Walter den Betrieb ab 1928 weiterführte, gelangte die Liegenschaft schliesslich 2007 in den Besitz von Eva und Franz Lohri-Slanzi. Nach einer aufwendigen Innen- und Aussenrenovation eröffnete das Haus 2016 wieder, in Zusammenarbeit mit dem Zuger Amt für Denkmalpflege. Wo die heutigen Goldschmiede und Goldschmiedinnen ihre Lehre gemacht haben, verrät keine der beiden Websites, das bleibt offen. Klar ist dagegen, dass Lohri die Fassungen der Verlobungsringe nach eigener Aussage im hauseigenen Atelier fertigt und nicht extern vergibt.
Die Kollektion "Verlobungsringe" auf lohri.com zeigt mehrere Modelle mit Brillant-, Kissen- und Smaragdschliff in Weissgold, Roségold und Platin. Ein Solitär mit Brillantschliff in Roségold beginnt bei CHF 3'900, ein Ring mit Kissenschliff-Mittelstein und kleineren Brillanten seitlich liegt bei CHF 9'200, und am oberen Ende steht ein Weissgoldring mit grösserem Hauptstein und zusätzlichen Seitensteinen für CHF 39'500. Die Website beschreibt die Diamanten als "sorgfältig ausgewählte, zertifizierte" Steine, ohne dabei ein Institut wie GIA oder SSEF zu benennen oder die vier Cs jenseits von Karat und Schliff im Detail offenzulegen. Wer das vor dem Kauf genau wissen will, fragt am besten direkt nach, telefonisch oder in einem Termin, den man über Calendly buchen kann. Zu Lieferzeit oder Gewährleistung findet sich auf keiner der beiden Websites etwas Schriftliches, auch das klärt sich offenbar erst im Gespräch vor Ort.
Neben den Verlobungsringen führt lohri.com die Diamantlinie "Les Diamants", mit Colliers, Ohrringen und Armbändern ab CHF 4'300, laut eigener Beschreibung von Hand gefertigt und aus Diamanten, die nach dem Kimberley-Prozess aus konfliktfreien Quellen stammen. Das ist eine andere Kollektion als die Verlobungsringe selbst, auch wenn beide auf derselben Seite liegen und sich leicht verwechseln lassen, wer nur kurz durchklickt. Dazu kommen die von vielflächigen Körpern inspirierte Linie Chiliagon, mit Preisen von CHF 2'500 bis CHF 31'500, und die Haute-Joaillerie-Kollektion Franco Lohri, benannt nach dem Sohn von Franz Lohri und für Einzelstücke mit eigener Dokumentationsmappe gedacht. Für ein Verlobungsring-Budget sind Letztere eher Kontext als Auswahl, sie zeigen aber, auf welchem Niveau der Betrieb insgesamt arbeitet. Für das spätere Ehering-Paar liegt auf derselben Seite gleich die passende Rubrik "Eheringe" bereit, sodass sich Verlobung und Hochzeit ohne Wechsel des Hauses planen lassen.
Mehr als Ringe
An der Neugasse 9 betreibt Lohri seit 1985 als autorisierter Fachhändler eine Patek Philippe Corner, dazu führt die Galerie Marken wie Ole Lynggaard, Serafino Consoli, Pomellato, Wellendorff, Messika, IsabelleFa und Chopard. Wer neben dem Ring auch eine Uhr sucht, findet im selben Haus zudem eine eigene Rubrik für Vintage- und Pre-owned-Uhren, getrennt von den neuen Patek-Philippe-Modellen geführt. Im Lohri-Haus an der Neugasse 27 liegt die zweite Spezialität des Betriebs, Lohri Unique Vintage Jewels: eine Sammlung datierter Einzelstücke aus Art déco, Belle Époque, Jugendstil und Retro, teils von Cartier oder Fabergé, mit Stücken aus der Zeit um 1920, 1925, 1935, 1940 und 1990. Auf der zugehörigen "Versprechen"-Seite verspricht Lohri unretuschierte Produktfotos, eine individuelle Expertise zu jedem Stück und, wo möglich, ein gemmologisches Zertifikat eines anerkannten Instituts wie GIA, SSEF, GGTL oder GRS. Für die neuen Verlobungsringe gilt dieses Versprechen dem Wortlaut nach nicht ausdrücklich, es zeigt aber, welchen Anspruch der Betrieb generell an Herkunftsnachweise stellt. Wer lieber schon vor dem Ladenbesuch jede Zertifikatsnummer online prüfen will, findet bei der Vintage-Linie mehr Schriftliches als bei den neuen Verlobungsringen, das ist der eine wirkliche Unterschied zwischen den beiden Häusern.
Wie er sich einordnet
Für ein Paar aus der Region zählt vor allem, ob der Name auf dem Türschild echt ist, wie lange ein Haus schon an seiner Gasse steht und wie klar das eigene Brautring-Angebot beschrieben ist. Bei Lohri stimmt das alles: eine Familie in der zweiten Generation, ein Gebäude mit belegter Goldschmiedegeschichte seit 1620 und eine eigene, benannte Verlobungsring-Kollektion mit Preisen, die man vorab online sieht statt erst im Laden zu erfahren. Verglichen mit der Zürcher Bahnhofstrasse bietet die Zuger Altstadt eine ruhigere Alternative mit vergleichbarer Handwerkstiefe, nur eine kurze Bahnfahrt entfernt und ohne den Touristenverkehr der Innenstadt. Wer ohnehin im Zuger Finanzplatz arbeitet oder in der Nähe wohnt, spart sich die Fahrt nach Zürich, ohne bei Auswahl, Marken oder Geschichte etwas zu verlieren. Für ein Paar, das explizit ein möglichst neues, unbelastetes Haus ohne Firmengeschichte sucht, ist Lohri der falsche Ort, hier gehört die Vergangenheit sichtbar zum Angebot.
Fazit
Lohri passt für ein Paar, das einen Ring will, der im hauseigenen Atelier auf den gewählten Stein abgestimmt wird, und das sich an der Geschichte eines der ältesten Goldschmiedehäuser der Welt eher erfreut als stört. Mager bleibt einzig die schriftliche Transparenz bei Zertifizierung, Lieferzeit und Gewährleistung: Wer das schwarz auf weiss will, muss telefonieren oder vorbeigehen, statt es online nachzulesen. Wer sich die Zeit für einen Termin nimmt, bekommt dafür einen Betrieb, der seine Handwerksgeschichte nicht nur behauptet, sondern mit Jahreszahlen belegt, von 1620 über 1806 bis zur eigenen Übernahme 2007 und der Wiedereröffnung 2016. Für ein Paar aus Zug, Baar oder Cham, das den Ring nicht als reine Onlinebestellung sehen will, sondern als Anlass für einen Besuch mit Geschichte, ist die Neugasse eine der wenigen Adressen in der Region, die das glaubhaft einlösen kann.