Harry Hofmann
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Harry Hofmann AG handelt seit 1978 mit Antik- und Vintageschmuck an der Rämistrasse in Zürich, ein paar Gehminuten von Bellevue und von der Universität entfernt, nicht an der Bahnhofstrasse. Wer online nach einem Juwelier in Zürich sucht, landet meistens bei den grossen Namen am See oder an der Einkaufsmeile. Harry Hofmann sitzt bewusst daneben, an einer Strasse, die eher für die Universität und das Kunsthaus bekannt ist als für Schaufenster mit neuen Kollektionen. Das passt zum eigentlichen Geschäft: Die Firma handelt nicht in erster Linie mit neuer Ware, sondern mit dem, was schon einmal getragen wurde.
Auf der eigenen Website steht es so: Die Harry Hofmann AG sei seit 1978 die Nr. 1 in Zürich für den Ankauf von Antik- und Vintageschmuck, Edelsteinen und Diamanten. Diesen Satz sollte man richtig einordnen. Es ist eine Eigenaussage zur Marktstellung im Ankauf, keine unabhängig geprüfte Rangliste, aber die Jahreszahl selbst ist die Aussage, die zählt. Mit über 30 Jahren Branchenerfahrung, wie es auf derselben Seite ebenfalls heisst, ist das kein Zweitjob-Projekt, sondern eine Adresse mit Geschichte an derselben Strasse.
Drei Geschäfte unter einem Dach
Die Seite gliedert sich in drei Angebote, die sich klar unterscheiden lassen: Schätzungen, Ankauf und Verkauf.
Bei den Schätzungen geht es um Klarheit über den Wert eines Stücks, ausdrücklich für Versicherung, Erbschaft und Liquidation. Genau hier wird der Betrieb für Leserinnen und Leser dieser Seite konkret interessant: Wer einen geerbten Ring im Schrank liegen hat und nicht weiss, ob er ihn verkaufen, neu fassen lassen oder einfach behalten soll, bekommt hier eine Einschätzung zu Echtheit, Ursprung und Verkehrs- beziehungsweise Wiederbeschaffungswert, bevor er sich festlegt. Das ist eine andere Dienstleistung als ein Sofortangebot beim Verkauf, und die Website trennt die beiden bewusst voneinander.
Beim Ankauf beschreibt die Seite den Ablauf Schritt für Schritt: Kontakt per E-Mail, Telefon oder Online-Formular, danach die Beilagen (Bildmaterial, Zertifikate, Rechnungen, sofern vorhanden), ein Rückruf für Feedback oder eine Terminvereinbarung, der Besuch im Geschäft an der Rämistrasse zur fachmännischen Begutachtung, eine Sofortofferte und schliesslich die Auszahlung, bar oder per Banküberweisung. Durchgeführt wird der Ankauf laut Website von kompetenten Gemmologen, was bei antikem Schmuck den Unterschied macht. Ein Ankäufer, der Diamanten und Edelsteine tatsächlich fachlich beurteilen kann statt nur den Goldpreis zu wiegen, ist bei Nachlassstücken und signierten Teilen kein Detail, sondern die Voraussetzung für ein seriöses Angebot.
Beim Verkauf beschreibt sich das Haus als Adresse mit einem grossen Sortiment an antikem und neuem Schmuck sowie signierten Stücken, dazu Beratung zu Neuanfertigungen und Reparaturen sowie zu speziellen Wünschen nach bestimmten Stücken. Die Website zeigt kein durchsuchbares Online-Sortiment mit Fotos und Preisen zu jedem Stück. Wer konkret kaufen will, geht ins Geschäft oder vereinbart vorher einen Termin.
Fachwissen, das über den Verkaufstext hinausgeht
Was diesen Auftritt von einer reinen Ankaufsseite unterscheidet, ist der Bereich Wissen. Dort erklärt Harry Hofmann die Epochen, mit denen das Geschäft täglich zu tun hat: Jugendstil, auch Art nouveau genannt, von 1890 bis 1910, benannt nach der 1896 in München gegründeten Kulturzeitschrift Jugend, mit geschwungenen floralen Formen und Werkstoffen wie Glasfluss, Koralle, Horn und Elfenbein neben dem Diamanten. Danach Art déco von 1920 bis 1940, das sich nach 1918 vom Jugendstil absetzte, mit Kugel, Kreis, Dreieck und Quadrat als Formensprache und Platin als bevorzugtem Metall für Rubine, Smaragde, Saphire und Amethyste.
Vintage wird auf der Seite als Sammelbegriff für getragenen Schmuck ab 1940 erklärt, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass der Preisvorteil gegenüber neuem Schmuck daher kommt, dass keine neue Goldschmiedearbeit bezahlt wird, sondern nur der Materialwert des bereits gefertigten Stücks. Ergänzt wird das durch Abschnitte zu Edelsteinen und Perlen, wobei die Seite gezüchtete von natürlichen Perlen unterscheidet, sowie zu signiertem Schmuck, worunter sie antike Stücke bekannter Häuser wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Tiffany, Bulgari, Mauboussin und Boucheron versteht. Das sind allgemeine Einordnungen und keine Bestandsliste dessen, was gerade im Laden liegt, aber sie zeigen, wonach ein Käufer fragen sollte und wonach ein Verkäufer sein eigenes Stück einordnen kann, bevor er es zur Schätzung bringt.
Wie erreichbar, wie zuverlässig
Das Geschäft liegt an der Rämistrasse 33 in Zürich. Als Öffnungszeiten nennt die Website Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 16 Uhr, ausdrücklich als Sonderöffnungszeiten bezeichnet, was heisst, dass sich das im Lauf des Jahres ändern kann. Ein Anruf vor der Fahrt aus Winterthur, Baden oder von der Goldküste lohnt sich deshalb mehr als bei einem Haus mit fixen Ladenöffnungszeiten. Telefonisch ist die Firma unter +41 44 221 33 93 erreichbar, per Fax unter +41 44 211 27 70, per E-Mail über die eigene Adresse info@harryhofmann.ch, dazu über ein Kontaktformular auf der Website selbst.
Zur Frage, ob das Geschäft noch besteht: Adresse und Telefonnummer stimmen zwischen der eigenen Website und einem unabhängigen Branchenverzeichnis überein, ohne Hinweis auf Schliessung oder Inhaberwechsel. Angaben zu Preisen, Schätzungsgebühren oder einer Gewährleistung auf gekaufte Stücke veröffentlicht die Website nicht. Wer das wissen will, muss direkt nachfragen.
Für wen sich der Weg lohnt
Wer aus der übrigen Deutschschweiz nach einem neuen Solitär im aktuellen Design sucht, ist bei einer der grossen Bahnhofstrasse-Adressen besser aufgehoben, die neue Kollektionen führen. Harry Hofmann spielt eine andere Rolle: für alle, die etwas mit Geschichte suchen, die ein geerbtes Stück fachlich einschätzen lassen wollen, bevor sie es verkaufen oder umarbeiten lassen, oder die selbst altes Gold, Diamanten oder signierten Schmuck zu Geld machen möchten, ohne das über eine anonyme Ankaufsplattform im Internet zu tun. Der klar getrennte Ablauf beim Ankauf, von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Auszahlung, und die Trennung zwischen Schätzung und Ankauf als zwei unterschiedlichen Dienstleistungen sprechen für ein Haus, das sein Fach seit Jahrzehnten kennt.
Der Wermutstropfen bleibt die Website selbst: informativ beim Fachwissen, aber ohne einsehbares Sortiment und ohne veröffentlichte Preise oder Konditionen, sodass ein erster Besuch oder zumindest ein Telefonat nötig ist, um überhaupt eine Hausnummer zu bekommen. Für ein Fach, in dem Herkunft und Zustand über den Wert entscheiden, ist das nachvollziehbar, ersetzt aber keinen Online-Überblick, wie man ihn von neueren Anbietern gewohnt ist. Wer diesen Umweg über Telefon oder Besuch nicht scheut, findet an der Rämistrasse eine Adresse, die seit 1978 im gleichen Fach unterwegs ist und die Herkunft eines Stücks ernst nimmt, bevor sie einen Preis nennt.