Berganza
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Berganza hat seinen Sitz in Hatton Garden, Londons historischem Schmuckviertel, in einem Haus an der Adresse 88-90 Hatton Garden, das die Firma laut eigener Website seit dem Umzug aus einem ersten Ladenlokal in Suffolk nie wieder verlassen hat. Wer für ein Eheversprechen keinen neu gegossenen Stein sucht, sondern einen Verlobungsring mit einer eigenen Vorgeschichte, landet früher oder später bei diesem Namen, ob die Suche nun in Zürich beginnt oder gleich in London.
Gegründet wurde das Haus 1987 von Paul Daughters. Seine eigene Laufbahn in Hatton Garden begann er laut Firmenwebsite mit 16 Jahren als Steinschleifer, und in den 1970er-Jahren baute er nach eigener Aussage Englands grösste Schleifwerkstatt auf, die unter anderem für Häuser wie Asprey, Garrard und Graff arbeitete. Die eigentliche Handelsmarke Berganza folgte erst mit einem ersten Laden im Dorf Long Melford in Suffolk in den 1980er-Jahren, bevor das Geschäft näher an die eigene Werkstatt und den Einkauf zurück nach Hatton Garden zog, wo es bis heute geblieben ist. Seit 2017 führt Sohn Justin Daughters das Familienunternehmen als Managing Director, nach eigenen Angaben mit über 25 Jahren im Handel, und hat die Sammlung in dieser Zeit nach eigener Aussage auf mehr als 3000 Originalstücke wachsen lassen.
Was man in den Vitrinen findet
Der Katalog lässt sich nach Epoche, Schliff, Metall und Karatgewicht filtern, von Georgian und Viktorianisch über Art Nouveau und Edwardian bis Art déco und die 1940er- und 1950er-Jahre. Bei den Schliffen tauchen neben Old Cut und Old Mine Cut auch Rosenschliff, Cabochon, Smaragdschliff, Stufenschliff und der Asscher-Schliff auf, eine Bandbreite, die man in einer einzelnen Zürcher Bijouterie selten komplett nebeneinander im Filtermenü findet. Unter den Verlobungsringen selbst gibt es eigene Rubriken für Art déco, viktorianische Stücke, Perlenringe und Ewigkeitsringe, dazu eine Filterstufe mit der schlichten Bezeichnung "Engagement Rings up to 5,000". Welche Währung dahintersteht, verrät die Navigation nicht, die Preisspanne deutet aber auf einen zugänglicheren Bereich unterhalb der grossen Solitäre hin. Wer über den Ring hinausschaut, findet im selben Katalog auch Broschen, Ohrringe, Armbänder und Diademe aus denselben Epochen, dazu eine eigene Rubrik für signierte Stücke von Häusern wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Boucheron oder Tiffany.
Herkunft als Kernversprechen
In der Kategorie Vintage- und Secondhand-Ringe zählt vor allem, wie viel Dokumentation ein Händler tatsächlich mitliefert, und genau darauf legt Berganza sichtbar Gewicht. Im Haus arbeiten eigene Gemmologen, die laut Firmenwebsite Fellows der Gemmological Association of Great Britain sind, dazu Diplome der amerikanischen GIA sowie akademische Abschlüsse in Kunstgeschichte halten. Ergänzt wird das durch ein eigenes Historikerteam, das jedes Stück recherchiert und katalogisiert, und durch eine hauseigene Werkstatt mit Fassern, Goldschmieden und Spezialisten für Handgravur und Emaillearbeit, die Reparaturen und Restaurierungen von Hand ausführen. Bei einem Stück, dessen Wert sich massgeblich aus Echtheit und Herkunft ergibt, ist das genau die Art Beleg, die eine unabhängige Zweitmeinung erleichtert statt sie zu ersetzen, denn bei einem Kauf dieser Grössenordnung lohnt sich eine eigene Schätzung ohnehin.
Lieferung, Zoll und Rückgabe aus Schweizer Sicht
Berganza wirbt auf der eigenen Startseite mit kostenloser, vollversicherter Lieferung innerhalb Europas, und die Versandtabelle bestätigt das im Kleingedruckten auch für internationale Sendungen. Pakete ausserhalb Grossbritanniens reisen über spezialisierte Kurierdienste wie Malca Amit oder Ferrari, kostenlos und in 7 bis 10 Werktagen. Wichtig für eine Bestellung aus der Schweiz ist der Zusatz direkt daneben, dass diese Sendungen "exclusive of duties & taxes" sind: Der Versand selbst ist gratis, Einfuhrsteuer und Zoll gehen laut den eigenen FAQ zulasten der Kundschaft und werden vom Kurier vor der Zustellung eingefordert, nicht von Berganza übernommen. Innerhalb Grossbritanniens liefert Berganza per Royal Mail Special Delivery kostenlos am nächsten Werktag, wer es eiliger hat, kann sich ein Stück innerhalb Londons noch am selben Tag zustellen lassen, gegen einen Aufpreis von 100 Pfund. Rückgaben sind innerhalb von 14 Tagen ab Erhalt mit vollständiger Geld-zurück-Garantie möglich, sofern das Stück unverändert bleibt und das Sicherheitsetikett intakt ist, eine bereits angepasste Ringgrösse schliesst die Rückgabe ausdrücklich aus. Bezahlt wird online über Stripe, das laut Fusszeile der Seite sämtliche eigenen Währungen unterstützt, wie weit das im Einzelfall bis zum Franken reicht, verrät die Seite selbst nicht.
Verkaufen, Umtausch und Aufwertung
Berganza kauft alte Stücke auch selbst an, nach eigenen Angaben mit gleichentags erfolgender Bezahlung, ohne versteckte Kommission und ohne dass der erzielte Preis wie bei einem Auktionshaus öffentlich wird. Wer ein früheres Berganza-Stück aufwerten möchte, bekommt den vollen ursprünglichen Kaufpreis an ein neues Stück angerechnet, das mindestens den doppelten Wert haben muss. Neu verschenkte, aber nicht passende Stücke lassen sich zudem gegen ein gleichwertiges Stück umtauschen, solange sie nicht bereits verändert wurden. Für ein Haus, das im selben Atemzug von Sammlerstücken und von Wiederverkauf spricht, ist das eine ungewöhnlich offene Geste, auch wenn sich die genauen Bedingungen jedes Einzelfalls erst im Gespräch mit dem eigenen Team klären lassen.
Im Vergleich zur Zürcher Vitrine
Wer in Zürich nach einer Goldschmiedin sucht, die ihre Lehre am selben Ort absolviert hat, an dem sie heute den Ring anfertigt, bekommt bei einem Londoner Antikhändler naturgemäss keine Antwort auf diese Frage. Bei Berganza handelt es sich um Sammlerstücke, keine Anfertigung nach Mass, und der Vorteil liegt entsprechend woanders: bei Ringen, deren Schliff, Fassung oder Provenienz es in dieser Form neu gar nicht mehr zu kaufen gibt, dokumentiert von einem Team, das genau darauf spezialisiert ist. Eine Reklamation läuft dafür über eine Rückgabefrist von 14 Tagen und die eigenen Kulanzregeln des Hauses, nicht über die persönliche Gewährleistung einer Werkstatt um die Ecke, was bei einem Kauf dieser Grössenordnung durchaus einen Unterschied macht, den man vor der Bestellung einkalkulieren sollte statt hinterher zu entdecken.
Für wen sich das eignet, und das Fazit
Für Paare, die einen Ring mit belegter Geschichte einem neu gefassten Stein vorziehen und bereit sind, die Sache aus der Distanz zu klären samt dem Zoll- und Steuerrisiko einer Sendung aus Grossbritannien, gehört Berganza zu den besser dokumentierten Adressen in diesem Segment. Ein Wermutstropfen bleibt die eigene Werbezeile: Die Startseite spricht von "über 70 Jahren Erfahrung", während die Firmengeschichte selbst die erste Schleifwerkstatt in die 1970er-Jahre und die Gründung der Marke Berganza auf 1987 legt, was rein rechnerisch eher auf 39 bis rund 56 Jahre hinausläuft, je nachdem, ab welchem Punkt man zu zählen beginnt. Das ändert nichts an der Substanz des Katalogs oder an der Sorgfalt der Dokumentation, es lohnt sich nur, die eigenen Superlative des Hauses mit derselben Genauigkeit zu lesen wie die Provenienz eines Rings.