Diamondere

Liefert in die Schweiz · seit 1890

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Diamondère ist kein Zürcher Traditionshaus und hat keine .ch-Domain, sondern ein amerikanischer Online-Juwelier mit Sitz im kalifornischen Concord. Trotzdem landet der Name regelmässig in Schweizer Warenkörben, wenn ein Paar nach einem individuell gestalteten Verlobungsring sucht, ohne dafür einen Showroom aufzusuchen. Auf der eigenen Website datiert das Unternehmen seine Geschichte bis 1890 zurück, unter der Überschrift "Remembering Romance Since 1890", und beschreibt sich als Familienbetrieb in der siebten Generation, dessen Vorfahren einst Schmuck für Königshäuser fertigten. Die Firma selbst spricht von einer Firmengeschichte von über 130 Jahren. Einen Laden, den man betreten könnte, gibt es nicht: Diamondère nennt sich ausdrücklich eine reine Online-Marke ohne eigenes Geschäft, was laut eigener Darstellung die Handelsspanne senkt und die Stücke nach eigenen Angaben rund 30 bis 60 Prozent günstiger macht als bei einem klassischen stationären Händler.

Für ein Schweizer Paar bedeutet das zunächst: kaufen ohne Termin, ohne Beratung vor Ort und ohne Schweizer Vertragspartner, dafür mit einem Gestaltungsprozess, der sich fast vollständig am eigenen Wohnzimmertisch abspielt.

Der Designprozess

Diamondères Kern ist kein festes Sortiment fertiger Ringe, sondern ein Baukasten. Wer will, beginnt bei einem bereits geschliffenen Diamanten oder einem Labordiamanten und sucht sich danach eine Fassung dazu, oder geht den Weg umgekehrt und wählt zuerst die Fassung. Wer sich in keinem der vorgeschlagenen Designs wiederfindet, schreibt dem Designteam direkt: Nach eigener Aussage schickt das Team innerhalb von 48 Stunden erste Skizzen und einen Preisvorschlag zurück, unverbindlich und ohne Anzahlung. Genau das ersetzt bei Diamondère den Beratungstermin, den ein Zürcher Goldschmiedeatelier am Werktisch anbietet: Die Details werden per E-Mail verhandelt statt persönlich vor Ort, was für ein Paar mit vollem Terminkalender ein echter Vorteil ist, für wen den Stein lieber vor der Bestellung in der Hand halten möchte, eher nicht.

Die Auswahl an Steinen ist breiter, als man es von den meisten Adressen an der Bahnhofstrasse kennt. Neben klassischen weissen Diamanten, natürlich oder aus dem Labor, führt Diamondère naturfarbene Diamanten in Schwarz, Blau und Braun sowie eine lange Liste an Farbedelsteinen: Saphir, Rubin, Smaragd, Amethyst, Aquamarin, Turmalin, Morganit, Tansanit, Peridot und weitere, dazu laborgezüchtete Varianten wie Moissanit. Diamanten über einem halben Karat werden laut eigener Aussage von einer anerkannten Stelle wie GIA oder IGI zertifiziert, für alle übrigen Steine stellt ein hauseigenes, GIA-akkreditiertes Team ein digitales Zertifikat aus, kostenlos und laut Website Teil jeder Bestellung. Dazu kommt eine Herkunftsgeschichte, mit der Diamondère aktiv wirbt: Alle Diamanten seien konfliktfrei im Sinne des Kimberley-Prozesses, mit einem Schwerpunkt auf Rohsteinen aus Botswana und Australien, und die Familie will die Schleif- und Polierbetriebe, mit denen sie zusammenarbeitet, persönlich besucht haben, in insgesamt 13 Ländern weltweit.

Garantie, Rückgabe und was das für die Schweiz heisst

Diamondère wirbt mit einer lebenslangen Herstellergarantie auf Material- und Verarbeitungsfehler, gültig ab Kaufdatum für die erste Besitzerin oder den ersten Besitzer. Normale Abnutzung, Unfallschäden und Reparaturen durch Dritte deckt sie ausdrücklich nicht. Wer mehr will, kann im Warenkorb einen kostenpflichtigen Zusatzschutz des Partners Extend dazubuchen, wahlweise für 3 Jahre, 5 Jahre oder lebenslang, mit einer Kündigungsfrist von 30 Tagen ab Kaufdatum. Der genaue Preis dieses Zusatzschutzes hängt vom gewählten Stück ab und wird erst im Warenkorb angezeigt, auf der Website selbst steht keine Zahl dazu.

Dazu kommt eine Rückgabefrist von 100 Tagen ohne Angabe von Gründen, mit voller Rückerstattung, solange das Stück ungetragen ist und das Etikett noch dranhängt. Innerhalb der USA legt Diamondère dafür ein bereits frankiertes UPS- oder FedEx-Retourenlabel bei. Für eine Bestellung aus der Schweiz gilt das nicht in gleicher Form: Das kostenlose Retourenlabel gibt es laut eigener Rückgabebedingung nur innerhalb der USA, und bereits bezahlte Zoll- oder Mehrwertsteuerbeträge werden bei einer Rücksendung nicht erstattet.

Genau hier liegt der Unterschied zu einem Anbieter mit Schweizer Sitz. Diamondère ist in Kalifornien registriert, nicht in der Schweiz niedergelassen, also greift bei einem Kauf nicht die zweijährige gesetzliche Gewährleistung nach Schweizer Obligationenrecht, sondern ausschliesslich die eigene, vertraglich zugesicherte Herstellergarantie, ergänzt durch den kostenpflichtigen Extend-Schutz. Der Versand selbst ist laut Versandrichtlinie weltweit kostenlos, auch in die Schweiz, nur eine beschleunigte Lieferung kostet zusätzlich 25 Dollar. Bei Zoll und Einfuhrmehrwertsteuer macht die Website einen klaren Unterschied: Für Kundinnen und Kunden in Kanada, Australien und Grossbritannien übernimmt Diamondère Zölle und Mehrwertsteuer im Voraus, für alle anderen Länder, die Schweiz eingeschlossen, bleibt die fällige Einfuhrsteuer bei der eigenen Rechnung. Wer in Zürich oder anderswo in der Schweiz bestellt, sollte diesen Betrag also selbst einplanen und ihn nicht mit dem angezeigten Kaufpreis verwechseln.

Auch bei einer späteren Grössenänderung gilt ausserhalb der USA eine andere Regel, als der Werbetext auf den ersten Blick vermuten lässt. Innerhalb der ersten 100 Tage ist eine Änderung der Ringgrösse für Lieferadressen in den USA kostenlos, für Lieferungen ins Ausland zahlt man laut eigener Auskunft entweder Versand und Zoll in beide Richtungen selbst, oder man nimmt eine Gutschrift von 50 Dollar an und lässt die Grössenänderung bei einer Goldschmiedin oder einem Goldschmied vor Ort vornehmen. Ausserhalb dieser 100-Tage-Frist ist eine Anpassung laut Website weiterhin möglich, aber kostenpflichtig, ohne dass ein Betrag genannt wird. Für ein Paar, das den Ring erst nach der Verlobung anprobiert und feststellt, dass er nicht passt, ist das ein Detail, das man vor der Bestellung kennen sollte, nicht erst danach.

Kontakt und Support

Support gibt es per E-Mail und über eine US-amerikanische gebührenfreie Nummer, 1-844-400-0065, deren Gebührenfreiheit sich auf amerikanische Anschlüsse bezieht und die für einen Anruf aus der Schweiz weder kostenlos noch zu für Zürich bequemen Bürozeiten erreichbar ist. Auf jede E-Mail verspricht Diamondère eine Antwort innerhalb von 24 Stunden, was angesichts der Zeitverschiebung nach Kalifornien für die meisten Anliegen der praktischere Weg sein dürfte als der Griff zum Telefon. Auf der Kontaktseite stellt sich ein kleines Team mit lockeren Kurzporträts vor, verteilt über mehrere US-Bundesstaaten und laut eigener Beschreibung auch mit einem Mitglied in Dubai: kein grosses Callcenter also, aber auch kein Ein-Personen-Betrieb. Eine physische Adresse nennt die Website ebenfalls, ausdrücklich als Bürostandort in Concord, Kalifornien, mit dem Hinweis, keine Retouren oder Pakete dorthin zu schicken. Bezahlt wird über Kreditkarte, PayPal, Stripe oder den amerikanischen Ratenzahlungsanbieter Affirm, und die Fusszeile zeigt ein Logo des Better Business Bureau, ohne dass eine konkrete Bewertung dazu verlinkt ist.

Für wen sich Diamondère eignet, und das Fazit

Diamondère passt zu einem Paar, das sich vom festen Sortiment eines einzelnen Ladengeschäfts nicht einschränken lassen will und bereit ist, den gesamten Gestaltungsprozess über Bildschirm und E-Mail abzuwickeln. Wer einen Farbstein sucht, der in den gängigen Zürcher Vitrinen selten zu finden ist, etwa Tansanit, Morganit oder einen naturfarbenen braunen Diamanten, findet hier eine der grösseren Auswahllisten überhaupt, dazu ein Zertifikat auf jedes Stück und ein grosszügiges Rückgabefenster. Wer dagegen Wert auf eine Ansprechperson am selben Ort wie das eigene Wohnzimmer legt, auf eine Werkstatt, die man nach der Fertigung besuchen kann, oder auf die gesetzliche Sicherheit eines Schweizer Vertragspartners, bekommt das bei Diamondère nicht: Weder der Support noch die Garantie sind an einen Schweizer Rechtssitz gebunden, und die Kommunikation läuft über E-Mail und eine amerikanische Telefonnummer.

Für eine international ab Werk gestaltete Alternative zum Zürcher Fachgeschäft ist Diamondère trotzdem eine ernsthafte Option: eine Firmengeschichte, die bis 1890 zurückreicht, eine breite und ungewöhnliche Steinauswahl, eine kostenlose Zertifizierung auf jedes Stück und ein Rückgabefenster von 100 Tagen sprechen dafür, ebenso der laut eigenen Angaben deutlich tiefere Preis gegenüber stationären Häusern. Der Haken liegt nicht beim Produkt, sondern bei den Randbedingungen einer Bestellung von ausserhalb der USA: keine Schweizer Gewährleistung, keine vorausbezahlte Einfuhrsteuer, kein kostenloses Retourenlabel und eine Grössenänderung, die man ausserhalb der USA entweder selbst verschickt oder gegen eine Gutschrift vor Ort erledigen lässt. Wer diese drei Punkte vor der Bestellung einkalkuliert, bekommt einen soliden und in seinen eigenen Bedingungen ungewöhnlich offen beschriebenen Online-Juwelier.

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