Adiamor
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Wer sich in dieser Kategorie durch amerikanische und europäische Onlineanbieter klickt, stösst bei Adiamor auf einen der grösseren Namen im US-Diamantenhandel. Das Unternehmen sitzt in Los Angeles, hat keine Niederlassung in der Schweiz und verkauft trotzdem ausdrücklich an internationale Kundschaft. Das ist der Punkt, an dem sich diese Kategorie von einem gewöhnlichen Warenvergleich unterscheidet: Ein Zürcher Goldschmied haftet zwei Jahre nach Obligationenrecht, ein Anbieter mit Sitz in Kalifornien tut das nicht automatisch. Wer bei Adiamor bestellt, kauft nach amerikanischem Recht und amerikanischen Geschäftsbedingungen, auch wenn das Paket am Ende in Zürich, Winterthur oder Baden ankommt. Das muss kein Nachteil sein, wenn man weiss, worauf man sich einlässt, aber es lohnt sich, die Unterschiede offen zu benennen, bevor man eine Anzahlung leistet.
Was Adiamor anbietet
Kern des Angebots ist die eigene Diamantsuche: Adiamor wirbt damit, über 200'000 GIA-zertifizierte Diamanten zur Auswahl zu haben, lose oder gefasst in einem der eigenen Ringe, Ohrringe oder Anhänger. Die Suche lässt sich nach Form filtern, auf der Website sind zehn Schliffformen aufgeführt, rund, Princess, Smaragd, Marquise, Herz, Tropfen, Kissen, Oval, Radiant und Asscher. Wer lieber selbst gestaltet, kann über die Rubrik "Design Your Own" einen Diamanten auswählen und ihn in eine eigene Fassung für Ring, Collier oder Ohrringe setzen lassen. Die Steine werden nach eigenen Angaben von den beiden grössten Laboren der Branche zertifiziert, GIA und IGI, und Adiamor betont eine strikte, kompromisslose Politik gegen Konfliktdiamanten, alle Steine seien ethisch beschafft. Eine eigene Rubrik widmet sich kanadischen Diamanten als Alternative zu klassischen Herkunftsländern. Dazu kommt ein umfangreicher Bildungsbereich zu den vier C, Schliff, Farbe, Reinheit und Karatgewicht, der sich an Käuferinnen und Käufer richtet, die zum ersten Mal einen losen Diamanten aussuchen.
Eine Familiengeschichte aus Downtown Los Angeles
Die Geschichte hinter dem Namen ist ungewöhnlich detailliert für einen reinen Onlinehändler. Gründer Avo Sarkisian begann seine Ausbildung im Diamantfassen laut eigenen Angaben als Achtjähriger in Istanbul, in den 1950er Jahren, um seine Familie mitzuversorgen. Nach der Auswanderung in die USA eröffnete er in den 1980er Jahren sein erstes eigenes Geschäft am Rodeo Drive in Beverly Hills und spezialisierte sich auf Pavé-Fassungen. 1998 verlegte das Unternehmen den Schwerpunkt ins Onlinegeschäft, damit ist Adiamor nach eigener Zählung seit mehr als 25 Jahren im Onlinehandel mit Diamanten aktiv. Heute führt Sohn Sam Sarkisian das Tagesgeschäft, während die Produktion laut Unternehmensangaben weiterhin inhouse erfolgt, am heutigen Firmensitz im historischen Jewelry District von Downtown Los Angeles, 510 West 6th Street, Suite 1200. Für ein amerikanisches Familienunternehmen ist das eine ungewöhnlich lückenlose Erzählung, vom Lehrbub in Istanbul bis zum Diamantenhändler mit sechsstelliger Produktauswahl, und sie liest sich glaubwürdiger als die üblichen Marketingfloskeln vieler Konkurrenten.
Versand und Kosten für Schweizer Kundschaft
Adiamor beschreibt sich selbst als international ausgerichtet und verschickt laut eigener FAQ-Seite ausdrücklich an Kundschaft ausserhalb der USA und Kanadas, per FedEx International Priority. Die Transitzeit soll dort in der Regel zwei Werktage betragen, wobei der Zoll die Sendung zur Kontrolle anhalten und die Lieferung um einen weiteren Tag verzögern kann. Als weltweite Versandschwelle nennt die Website ausdrücklich Gratisversand ab 250 US-Dollar Bestellwert, sowohl auf der Startseite der Versandbedingungen als auch auf der separaten Seite zu den Verkaufsargumenten des Hauses. Eine gesonderte Mindestbestellung speziell für internationale FedEx-International-Priority-Sendungen, wie sie in manchen Sekundärquellen kursiert, liess sich auf den zugänglichen Seiten des Shops nicht bestätigen, die vertiefte Unterseite zu internationalen Sendungen liess sich technisch nicht auslesen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die genauen Versandbedingungen vor der Bestellung direkt beim Kundendienst abklären, statt sich auf eine ungeprüfte Zahl zu verlassen. Unabhängig von der genauen Schwelle gilt für Schweizer Käuferinnen und Käufer ohnehin: Die Sendung kommt aus den USA und überquert damit eine Zollgrenze, was in aller Regel Einfuhrmehrwertsteuer und eine Verzollung nach sich zieht, unabhängig davon, was der amerikanische Verkäufer selbst an Versandkosten ausweist. Und weil Adiamor keinen Schweizer Rechtssitz hat, greift auch nicht die zweijährige Gewährleistung nach hiesigem Obligationenrecht, sondern das eigene Rückgabe- und Garantieversprechen des Hauses, eine 30-tägige Rückgabefrist sowie eine sogenannte Lifetime Warranty, deren genaue Bedingungen auf der zugehörigen Unterseite nicht im Detail einsehbar waren.
Kundendienst und Erreichbarkeit
Der Kontakt läuft über Telefon, Live-Chat, WhatsApp und E-Mail, dazu kommt eine eigene Telefonnummer für internationale Kundschaft ausserhalb der USA, Kanadas, Grossbritanniens und Australiens. Der telefonische Kundendienst ist laut Website unter der Woche von morgens bis in den späten Abend erreichbar und samstags von morgens bis in den Nachmittag, allerdings nach kalifornischer Zeit, für eine Zürcher Kundschaft bedeutet das in der Praxis Anrufe am späteren Nachmittag oder Abend. Ein Showroom oder eine persönliche Beratung vor Ort gibt es nur am Firmensitz in Los Angeles und ausschliesslich nach vorheriger Terminvereinbarung, eine Filiale an der Goldküste oder in der Zürcher Altstadt existiert nicht und ist auch nicht angedacht. Bezahlt wird laut eigenen Angaben per Kreditkarte, über den Ratenanbieter Affirm, per PayPal oder per Banküberweisung, wobei Affirm ein amerikanischer Anbieter für Ratenzahlungen ist und seine Verfügbarkeit für Schweizer Kundschaft auf der Website nicht gesondert ausgewiesen wird.
Im Vergleich zu Schweizer und europäischen Anbietern
Gegenüber einem klassischen Zürcher Goldschmied oder einer Bijouterie an der Bahnhofstrasse fehlt Adiamor das Ladengeschäft, die persönliche Beratung am Tisch und die Schweizer Gewährleistung. Was dafür bleibt, ist eine Auswahl an losen Diamanten, die kein einzelnes Schweizer Fachgeschäft in dieser Grössenordnung führen kann, plus die Möglichkeit, Fassung und Stein getrennt zu wählen, bevor beides in Los Angeles zusammengesetzt wird. Im amerikanischen Verlobungsmarkt scheint der Name kein Unbekannter zu sein, das Unternehmen listet auf seiner eigenen Seite Erwähnungen bei Sendern und Portalen wie NBC, WeddingWire, The Knot und Telemundo, was zumindest auf eine gewisse Präsenz in der US-Brautbranche hindeutet, auch wenn sich der konkrete Inhalt dieser Erwähnungen von hier aus nicht nachprüfen liess.
Für wen sich Adiamor eignet
Adiamor passt zu einem Paar, das bereit ist, einen Verlobungsring aus den USA zu bestellen, dem eine möglichst grosse Auswahl an einzeln zertifizierten Diamanten wichtiger ist als eine Anprobe vor Ort, und das die zusätzliche Zollabwicklung sowie den Verzicht auf die Schweizer Gewährleistung bewusst in Kauf nimmt. Wer stattdessen unbedingt an einem Tisch in Zürich sitzen und den Ring danach bei derselben Adresse warten lassen möchte, ist bei einem hiesigen Goldschmied oder Juwelier besser aufgehoben.
Fazit
Adiamor bringt eine ungewöhnlich stimmige Familiengeschichte, eine der grösseren Diamantauswahlen im Onlinesegment und einen mehrkanaligen Kundendienst mit, dazu kommt ein klar kommunizierter weltweiter Gratisversand ab 250 Dollar. Der Wermutstropfen für Schweizer Kundschaft ist rechtlicher Natur, keine hiesige Gewährleistung, unklare Details zu den genauen internationalen Versandschwellen und eine reine Fernbeziehung ohne Beratung vor Ort. Für ein Paar, das damit leben kann, bleibt der Auftritt trotzdem eine der besser dokumentierten amerikanischen Optionen in dieser Liste.