Skydiamond
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Wer sich durch die Kategorie Lab-Grown- und nachhaltiger Schmuck liest, stösst bei fast jedem zweiten Anbieter auf denselben Satz: im Labor gezüchtet, ohne weitere Erklärung, was das eigentlich heisst. Skydiamond aus England macht aus dieser Erklärung die eigentliche Verkaufsgeschichte. Die Steine entstehen dort nicht aus gewöhnlichem, im Labor synthetisiertem Kohlenstoff, sondern aus CO2, das die Firma nach eigener Beschreibung direkt aus der Atmosphäre einfängt. Registriert ist das Unternehmen dahinter als The Sky Mining Company Limited mit Sitz in Stroud, Gloucestershire, Firmennummer 10153702. Im britischen Handelsregister steht die Firma seit dem 28 April 2016 als aktiv eingetragen, was zusammen mit dem laufenden Onlineshop ein klares Zeichen ist, dass hier kein verlassenes Projekt weiterläuft.
Hinter der Marke steht der britische Unternehmer Dale Vince. Er gründete 1995 die Renewable Energy Company, aus der später Ecotricity wurde, und wurde dafür 2004 mit dem Titel OBE ausgezeichnet. Skydiamond ist sein Einstieg in synthetische Diamanten: Die ersten 15 Steine entstanden im Dezember 2021, die vollständige Schmucklinie folgte im Oktober 2022. Für den Strom hinter der eigentlichen Produktion sorgt, passend zur Vorgeschichte des Gründers, die eigene Schwesterfirma Ecotricity mit erneuerbarer Energie, ein Detail, das die Herkunftsgeschichte der Steine erst rund macht.
Wie ein Skydiamond entsteht
Der eigentliche Unterschied zu den meisten anderen Anbietern der Kategorie zeigt sich im ersten Schritt. Skydiamond fängt CO2 aus der Luft ein, verflüssigt und reinigt es. Parallel dazu wird Regenwasser vom Dach der eigenen Werkshallen aufgefangen und per Elektrolyse in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Das eingefangene CO2 und der gewonnene Wasserstoff werden anschliessend, laut eigener Beschreibung mithilfe biologischer Einzeller in einem patentierten Verfahren, das die Firma selbst mit einem Sauerteig-Ansatz vergleicht, zu Methan umgewandelt. Aus diesem Methan wachsen die Diamanten auf winzigen, selbst hergestellten Impfkristallen in einer Plasmakugel bei rund 1000 Grad Celsius, über mehrere Wochen hinweg. Geschliffen und poliert werden die Rohsteine anschliessend nicht in England, sondern in Indien, bei einem Partnerbetrieb, den Skydiamond als reines Frauenkollektiv beschreibt. Angetrieben wird die gesamte Produktion nach eigener Angabe zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie von Ecotricity, gefasst werden die fertigen Steine in recycelten Edelmetallen.
Das ist etwas anderes als der übliche Weg der meisten Lab-Grown-Anbieter, bei denen Methan meist aus Erdgas stammt statt aus eingefangenem Luft-Kohlenstoff. Genau diese Herkunft des Ausgangsstoffs ist es, die Skydiamond von der Sammelbezeichnung im Labor gezüchtet abhebt, und die Firma erklärt sie auf ihrer eigenen Website ausführlicher als die meisten Mitbewerber der Kategorie ihre eigene Herstellung.
Zertifizierung und Qualität
Jeder Stein über 0.5 Karat wird laut FAQ-Seite einzeln vom AnchorCert Gemmological Laboratory in Grossbritannien zertifiziert, nach den klassischen 4C für Farbe, Reinheit, Schliff und Karat. Der Stein selbst wird dabei mit dem Schriftzug SKYDIAMOND und einem individuellen Code graviert, dazu kommt ein eigener Prüfbericht. Zur Qualitätsverteilung schreibt Skydiamond, dass 80 Prozent der produzierten Steine zwischen den Farbgraden D Flawless und H VS2 liegen, ein Bereich, den auch klassische Diamanthändler als sehr sauber bis makellos einstufen würden. Die eigene Klimabilanz lässt die Firma vom Imperial College London prüfen, das laut Skydiamond bestätigt, jeder Stein sei nicht nur klimaneutral, sondern habe eine bessere Umweltbilanz als jede geförderte Alternative. Eigene Zahlen zu Wasser-, Energie- oder Abfallverbrauch im Vergleich zu geförderten Diamanten veröffentlicht die Website an dieser Stelle allerdings nicht, nur die qualitative Aussage der externen Prüfung.
Sortiment und Anfertigung nach Mass
Neben klassischen Verlobungsringen mit Solitär-, Trilogy- oder Halo-Fassung führt Skydiamond auch Trauringe, Ohrringe, Armbänder, Halsketten und lose Steine für alle, die selbst mit einer Goldschmiedin oder einem Juwelier vor Ort eine eigene Fassung planen wollen. Die eigenen Kollektionen tragen Namen wie Solaris, Onda, Elemental, Sky Rock Rings, Scattered Star, Double Love, Rae, Luna und Nacelle, dazu Zusammenarbeiten mit dem Schmuckdesigner Stephen Webster, dem Musiker Nile Rodgers und der Markenbotschafterin Lilly Cole.
Wer sich für eine Anfertigung nach Mass entscheidet, plant laut eigener Bespoke-Seite mit 6 bis 8 Wochen von der ersten Beratung bis zur fertigen Fassung. Diese erste Beratung muss nicht vor Ort stattfinden: Skydiamond bietet ausdrücklich eine persönliche Videoberatung an, was für Kundschaft aus der Schweiz den entscheidenden Unterschied macht, da die Firma nur zwei Ausstellungsräume kennt, beide in England. Der eine liegt in den 180 Studios am 180 Strand in London, der andere im eigenen Sky Lab bei Woodchester nahe Stroud in den Cotswolds, wo Interessierte laut Website live zusehen können, wie die eigenen Steine entstehen. Beide Standorte funktionieren nur nach Terminvereinbarung, telefonisch unter +44 (0)1453 572059 oder per E-Mail.
Für Schweizer Käuferschaft konkret
In der Länderauswahl beim Checkout taucht die Schweiz zwar auf, allerdings zusammen mit praktisch jedem Land der Welt von Andorra bis Vietnam. Das zeigt eher, dass Skydiamond niemanden aktiv ausschliesst, als dass die Schweiz besonders im Blick wäre. Konkret zum Versand nennt die Website drei Stufen: innerhalb Grossbritanniens liefert Skydiamond kostenlos, für Lieferungen innerhalb Europas werden 12 Pfund berechnet, für den Rest der Welt gilt eine versicherte Pauschale von 49 Pfund. Auf welcher Seite die Schweiz als Nicht-EU-Land steht, sagt die Website nirgends ausdrücklich, das bleibt offen. Wichtig für die eigene Kalkulation: Bei Lieferungen ausserhalb Grossbritanniens ist der angezeigte Preis ohne die am Bestimmungsort fälligen Einfuhrabgaben und Steuern, die Kundschaft zahlt diese laut eigener Versandrichtlinie direkt beim Zoll. Für ein Paar in Zürich heisst das praktisch, dass zur britischen Rechnung an der Grenze noch Schweizer Mehrwertsteuer und allenfalls Zollgebühren dazukommen, egal welche der beiden Versandstufen im Einzelfall greift.
Zurückschicken lässt sich eine Bestellung innerhalb von 28 Tagen, sofern sie ungetragen, unbeschädigt und in der Originalverpackung zurückkommt. Anfertigungen nach Mass und gravierte Stücke nimmt Skydiamond von der Rückgabe ausdrücklich aus, Ohrringe aus Hygienegründen ebenfalls, ausser sie sind fehlerhaft. Die Rücksendekosten trägt die Kundschaft selbst, und da eine Rücksendung aus der Schweiz nach England erneut eine Grenze überquert, lohnt sich vorab ein Blick auf die eigenen Zollkosten, wozu sich die Versandseite nicht äussert. Fürs Nachher, wenn der Ring Jahre später enger oder weiter werden muss: Die erste Änderung ist kostenlos, ausser bei vollständig mit Diamanten besetzten Eternity-Ringen, jede weitere kostet laut FAQ zusätzlich, ohne dass die Website einen Betrag nennt. Eine mehrjährige Gewährleistung über den gesetzlichen Rahmen hinaus nennt die Website nicht, nur die Rückgabegarantie für die ersten 28 Tage.
Wie es sich vergleicht
Verglichen mit einem Zürcher Showroom für laborgezüchtete Steine erzählt Skydiamond seine Herkunftsgeschichte deutlich konkreter. Wo die Kategorie insgesamt oft mit dem Sammelbegriff im Labor gezüchtet auskommt, beschreibt Skydiamond auf mehreren eigenen Seiten Schritt für Schritt, woher der Kohlenstoff stammt und wie er zum Stein wird, dazu die externe Prüfung durch das Imperial College London. Was fehlt, ist der lokale Bezug: keine Adresse in der Schweiz oder auch nur auf dem europäischen Festland, keine Möglichkeit, an einem Samstagnachmittag spontan vorbeizugehen und mehrere Fassungen unter Zürcher Licht zu vergleichen. Wer diesen Weg trotzdem geht, tauscht den Besuch vor Ort gegen eine Herkunftsgeschichte, die kein anderer Anbieter dieser Kategorie in ähnlicher Ausführlichkeit erzählt.
Für wen sich der Weg lohnt
Am ehesten passt Skydiamond zu einem Paar, dem der Ursprung des Steins wichtiger ist als ein Ladenbesuch an der Bahnhofstrasse oder in einer Zürcher Bijouterie, und das bereit ist, die Anfertigung per Videoberatung statt am Ladentisch zu besprechen. Wer lose Steine für eine eigene Fassung bei einer Schweizer Goldschmiedin oder einem Schweizer Juwelier sucht, findet bei Skydiamond ebenfalls eine Option ausserhalb der üblichen Zürcher Auswahl. Wer dagegen Wert auf eine Werkstatt in Reichweite und eine von Anfang an in Franken ausgewiesene Rechnung legt, findet das eher bei einem Anbieter mit eigener Adresse in der Schweiz.
Fazit
Skydiamond bringt der Kategorie einen Ursprung, den sonst niemand so konkret erklärt: Diamanten aus eingefangenem Luft-Kohlenstoff statt aus gewöhnlichem Laborkohlenstoff, unabhängig geprüft vom Imperial College London, mit einer über Jahre gewachsenen Produktlinie und einer Videoberatung, die den Weg für Schweizer Kundschaft praktikabel macht. Der Wermutstropfen bleibt die Logistik: keine Adresse zwischen Basel und Chiasso, eine Versandeinteilung, die für die Schweiz nicht ausdrücklich geklärt ist, und Einfuhrabgaben, die zur britischen Rechnung noch dazukommen. Für ein Paar, das diese Extraschritte in Kauf nimmt, bleibt Skydiamond in dieser Kategorie einer der wenigen Anbieter, bei denen die Herkunft des Steins selbst zum eigentlichen Verkaufsargument wird.