Wöhler & Weikard Goldschmiede

Schipfe 43, Zürich (Altstadt)

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Wöhler & Weikard Goldschmiede sitzt an der Schipfe, der schmalen Gasse zwischen Lindenhof und Limmat auf der linken Seite der Zürcher Altstadt, ein paar Schritte vom Fluss entfernt und weit weg vom Gedränge der Bahnhofstrasse. Geführt wird die Werkstatt von den Goldschmieden Ivan Wöhler und Peter Weikard gemeinsam, das E-Mail-Postfach heisst schlicht ww@die-goldschmiede.com, und die Telefonnummer ist dieselbe, die auch im unabhängigen Branchenverzeichnis search.ch beim Betrieb hinterlegt ist. Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr und samstags von 13 bis 17 Uhr, ein Termin nach telefonischer Vereinbarung wird empfohlen. Wer einen Goldschmied sucht, der seinen eigenen Namen auf das Türschild geschrieben hat statt eine Filiale zu leiten, findet hier genau das.

Wöhler hat seinen Weg zum eigenen Namen an der Schipfe nicht abgekürzt. Die Lehre absolvierte er von 1991 bis 1995 in Baden, danach folgten Anstellungen bei drei Häusern: 1995 bis 2000 bei Widmer Goldschmiede in Aarau, 2000 bis 2004 bei Goldschmiede Domeisen in Rapperswil und 2004 bis 2007 bei den Péclard Juwelieren in Zürich. Erst 2007 eröffnete er ein erstes eigenes Atelier, damals noch in Baden. Parallel zur praktischen Arbeit bildete er sich technisch weiter, von 1998 bis 1999 und nochmals von 1999 bis 2000 mit je zwei Semestern Hand- und Reliefgravur an der Berufsschule Zürich, dazu ab 1998 mit einer vertieften Beschäftigung mit Niellieren und mit dem thermischen Färben von Titan. 2006 stiess er auf das Falten und Schichten von Metall, was ihn zur japanischen Technik Mokume Gane führte. Ab 2011 stellte er die Rohbarren dafür selbst her, 2012 wurde er Mitglied der Mokume Gane Artisten, eines Verbands unabhängiger Goldschmiede aus mehreren Ländern, die sich dieser Technik verschrieben haben. Wann genau daraus der heutige gemeinsame Betrieb mit Weikard an der Schipfe wurde, nennt keine der beiden Quellen, die sich sonst überraschend genau zu seiner Ausbildung äussern.

Mokume Gane bedeutet wörtlich Holzaugen-Metall: Schichten aus unterschiedlich farbigem Gold, Silber, Palladium und Kupfer werden verschmolzen und danach so geschnitten und gehämmert, dass eine Maserung wie in Holz entsteht, jedes Stück ein Unikat, weil sich der Schnitt nie exakt wiederholen lässt. Die Technik stammt aus dem Japan der Edo-Zeit, überliefert unter anderem durch den Waffenschmied Denbei Shoami, der von 1651 bis 1728 in Akita gearbeitet haben soll, aufbauend auf noch älteren chinesischen Verfahren zur Herstellung von geschichtetem Stahl. Für einen Ring heisst das: Keine zwei Trauringe aus diesem Material sehen unter der Lupe gleich aus, selbst wenn sie aus demselben Barren stammen.

Was die Galerie zeigt

Auf der eigenen Website sind Ringe in Gelbgold mit Palladium und Silber zu sehen, teils kombiniert mit einer Tahiti-Perle oder farbigen Diamanten, daneben Anhänger, Ohrringe und ein Stück mit einem Boulderopal. Zwei Positionen sind ausdrücklich als Trauringe beschriftet, einer in Gelbgold, einer in Weissgold mit einem Smaragd. Verlobungsringe führt die Galerie nicht als eigene Kategorie, aber die Arbeit dahinter ist dieselbe: Ein Ring wird von Grund auf entworfen und in der eigenen Werkstatt geschmiedet, oft um einen Stein herum, den die Kundschaft mitbringt oder gemeinsam mit dem Goldschmied aussucht. Wer eine handgefertigte Fassung für einen ererbten oder selbst gekauften Stein sucht, bekommt hier keinen Katalog vorgelegt, sondern eine Werkstatt, die genau das seit Jahren dokumentiert zeigt. Wer aktuelle Stücke sehen will, findet zusätzlich den Instagram-Kanal @woehlerweikard, direkt auf der Startseite verlinkt.

Die Galerie endet nicht bei Schmuck. Auf derselben Seite finden sich auch Broschen, Messer, Zigarrenabschneider und Schnapsgläser aus Rot- und Gelbgold, Palladium, Silber und Damaszenerstahl, dazu ein Link zur Waffenschmiede Zürcher als verwandtem Betrieb. Das zeigt, wie breit das gravier- und schmiedetechnische Können hier tatsächlich eingesetzt wird, auch wenn die Trauringe im Zentrum des Geschäfts stehen dürften. Weitere Verweise führen zum Perlenatelier Wohlen und zur Galerie 94 in Baden, offenbar Teil desselben Netzwerks kleiner Handwerksbetriebe im Grossraum Zürich und Aargau.

Wie der Betrieb organisiert ist

Die Website gliedert sich in Home, Galerie, Kontakt, Interessantes, Ausbildung und Filme, wobei die Rubrik Ausbildung direkt zur Seite der Lernenden führt statt zu einem eigenen Text über das Lehrprogramm. Dort listet der Betrieb fünf Namen mit Jahrgängen: Céline Frauenknecht von 2013 bis 2017, Sandro Meier von 2017 bis 2021, Tabea Kohl von 2021 bis 2025, Marielena Räss ab 2025 und Luana Lechner von 2025 bis 2029. Das ist eine durchgehende Kette an Lehrverhältnissen seit 2013 ohne sichtbare Lücke, was für einen so kleinen Betrieb keine Selbstverständlichkeit ist. Zwei der genannten Namen, Tabea Kohl und Marielena Räss, tauchen inzwischen selbst als Nachwuchskräfte bei den Mokume Gane Artisten auf, ein Hinweis darauf, dass die Ausbildung an der Schipfe über das reine Pflichtprogramm hinausgeht und mindestens einzelne Lernende in dieselbe Spezialtechnik einführt, für die der Betrieb steht.

Wie es sich einordnet

Verglichen mit den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse ist das hier kein Ladengeschäft mit Schaufenster und Laufkundschaft, sondern eine Werkstatt mit Anmeldung, in einer Altstadtgasse, in der ohnehin kaum Publikumsverkehr herrscht. Das ist der Punkt und kein Mangel: Wer zur Schipfe kommt, kommt für ein Gespräch über eine bestimmte Fassung oder ein bestimmtes Material, nicht zum Stöbern. Innerhalb der Zürcher Altstadt-Goldschmiede unterscheidet sich der Betrieb zusätzlich durch die Mokume-Gane-Spezialisierung, die die meisten Ateliers in Niederdorf oder Rathausgasse so nicht anbieten, und durch die dokumentierte, mehrjährige Lehrlingskette, die eher für einen etablierten Handwerksbetrieb als für ein kurzlebiges Atelier spricht. Wer sich an der Bahnhofstrasse 31 orientiert, wo Beyer bis Ende 2026 bleibt, bevor Patek Philippe 2027 übernimmt, sucht ohnehin ein anderes Erlebnis: Markenware und Ambiente statt Werkbank und Naturmaterial.

Was auf der Website fehlt, ist eine Preisangabe irgendeiner Art, auch nur als grobe Orientierung. Das ist bei Massanfertigung üblich, weil jeder Stein und jede Fassung einzeln kalkuliert wird, aber wer eine Hausnummer sucht, bevor er anruft, findet sie hier nicht. Ebenso wenig macht die Seite Angaben zu Gewährleistung oder zu Nacharbeiten wie einer späteren Grössenänderung; wer das braucht, muss es im Gespräch klären. Auch zu den beiden Inhabern selbst schweigt die eigene Seite auffallend: Name und Werdegang von Peter Weikard sind auf die-goldschmiede.com nirgends zu finden, erst im Branchenverzeichnis search.ch taucht er neben Wöhler als Mitinhaber auf.

Für wen sich das eignet

Am besten passt der Betrieb zu einem Paar, das eine Fassung will, die es so noch nicht gibt, sei es um einen mitgebrachten Stein, ein Familienerbstück oder um die charakteristische Maserung von Mokume Gane selbst. Wer stattdessen einen Ring von der Stange in einer bestimmten Grösse noch am selben Tag mitnehmen will, ist bei einem der grösseren Häuser an der Bahnhofstrasse besser aufgehoben. Wer eine Lehrstelle sucht, sieht an der lückenlosen Kette seit 2013, dass hier tatsächlich ausgebildet wird und nicht nur auf dem Papier geworben.

Fazit

Ein kleiner, klar erkennbarer Betrieb mit einem Goldschmied, dessen Ausbildungsweg sich bis 1991 zurückverfolgen lässt, mit einer selten angebotenen Spezialtechnik und einer Werkstatt, die seit Jahren durchgehend Lernende ausbildet. Der Preis bleibt Verhandlungssache im Gespräch, und über den zweiten Namen im Türschild erfährt man von der eigenen Website nichts, zwei Einschränkungen, mit denen leben muss, wer vorab alles schriftlich haben will. Für alle, die einen Ring wollen, der aus einer bestimmten Idee entsteht statt aus einer Vitrine, ist die Schipfe eine der wenigen Adressen in der Zürcher Altstadt, an der das nachweislich der Alltag ist.

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