Lilly Clou
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Lilly Clou sitzt an der Kuttelgasse 15, ein paar Gassen von der Bahnhofstrasse entfernt, dort wo die Zürcher Altstadt noch nach Werkstatt riecht statt nach Schaufensterparfum. Wer den Namen zum ersten Mal liest, denkt an ein junges Modelabel. Dahinter steckt aber eine Goldschmiedefamilie mit einer Geschichte, die bis zum früheren Atelier Steinlin zurückreicht, und ein Ladenlokal, das sich die Adresse mit einer eigenständigen Goldschmiede teilt. Das lohnt sich zu entwirren, bevor man einen Termin für einen Verlobungsring bucht.
Woher der Name kommt
Lilly Clou wurde 2019 gegründet, auf Basis des Handwerks der Goldschmiedin Beatrice Sponagel-Steinlin, die laut eigener Aussage seit über 50 Jahren im Schmuckdesign arbeitet. Der Vorname Lilly ist, so die eigene Darstellung, ein Traditionsname, der seit Generationen in der Familie Sponagel weitergegeben wird. Clou ist Französisch für Nagel und spielt auf den Familiennamen an, dessen zweite Hälfte im Deutschen genau das bedeutet. Zusammen mit Fabienne Sponagel, die sich um Kundenmanagement, Website, Marketing und einen Teil des Designs kümmert, entstehen die Kollektionen. Die Website nennt die beiden als Gründerinnen, ohne das genaue Verwandtschaftsverhältnis zu benennen, wir übernehmen deshalb nur das, was dort tatsächlich steht.
Die Marke selbst verarbeitet 925er Sterling Silber, gefertigt in kleinen Serien und laut eigener Aussage teils als Einzelstücke. Bekannt ist vor allem das CLOU CLICK System, ein Ohrschmuck-Baukasten, bei dem sich Hänger und Stecker austauschen lassen, dazu die Linie CLOU GOLD, die beide Gründerinnen als Namensgeberinnen führt. Auf der Seite finden sich daneben Kinder- und Taufgeschenke, Manschettenknöpfe für Herren und eine Geschenke-Navigation, die nach Preis sortiert bis CHF 150, bis CHF 250 und bis CHF 500 unterteilt. Eine Halskette wie das Modell Gina Medaillon startet bei CHF 340, ein Armband namens Zeno bei CHF 590, eine Babyrassel in Entenform kostet CHF 220. Das zeigt die Preislage der Alltagsstücke, sagt aber nichts über eine Anfertigung nach Mass, dazu gleich mehr.
Die Sache mit Steinlin und LOMA
Hier wird es interessant, und die Geschichte ist etwas anders, als der Name allein vermuten lässt. Wer heute steinlin-zuerich.ch aufruft, landet automatisch auf lillyclou.ch, die alte Domain leitet mit einer dauerhaften Weiterleitung auf die neue. Das bestätigt, dass die beiden Namen zusammenhängen. Nur ist Lilly Clou nicht einfach das umbenannte Atelier Steinlin. Die Werkbank selbst, mit Werkzeug, Werkstatt und den beiden Goldschmieden vor Ort, führt die Tradition des ehemaligen Goldschmiedeateliers Steinlin heute unter dem Namen LOMA Goldschmied weiter, wie deren eigene Seite ausdrücklich schreibt. LOMA wird von Marco Mauchle und Florian Bissig geführt, beide langjährige Steinlin-Mitarbeiter, die sich während ihrer gemeinsamen Lehre zum Goldschmied kennengelernt haben. Marco war laut eigener Aussage über 7 Jahre als Goldschmied bei Steinlin tätig, Florian hat seine Ausbildung 2010 begonnen.
Lilly Clou wiederum ist, wie es auf der LOMA-Seite selbst heisst, eine Partnerschaft: LOMA bietet der Marke von Fabienne Sponagel Raum im eigenen Ladenlokal, damit die Kundschaft ein breiteres Sortiment vorfindet. Praktisch heisst das: eine Adresse, zwei Firmen, ein Familienname, der über beide Marken hinweg auftaucht, weil Beatrice Sponagel-Steinlin selbst aus der Steinlin-Zeit stammt. Für eine Stammkundin, die sich nur an Steinlin erinnert, ist das eine faire Auflösung: Das ursprüngliche Geschäft ist nicht verschwunden, es firmiert nur unter zwei neuen Namen für zwei unterschiedliche Dinge, Silberschmuck auf der einen, die Goldschmiedewerkstatt auf der anderen Seite.
Was das für einen Verlobungsring bedeutet
Das Sortiment, das auf lillyclou.ch selbst zu sehen ist, ist Mode- und Geschenkschmuck: Ohrschmuck, Armbänder, Halsketten, Kinderstücke. Eine eigene Verlobungsring-Linie bewirbt die Seite nicht. Wer wegen eines Rings kommt, landet über den gemeinsamen Standort bei LOMA, deren Seite eine Beratung für Verlobungsringe ausdrücklich anbietet, ebenso Reparaturen, Umarbeitungen und Spezialanfertigungen. Den Ablauf einer Spezialanfertigung beschreibt LOMA in fünf benannten Schritten: Vorbesprechung, Visualisierung, ein Prototyp zur Kontrolle von Proportion und Tragegefühl, die Anfertigung im Endmaterial, und als letzter Punkt schlicht "Freude". Das ist eine nachvollziehbare, nachprüfbare Beschreibung von Massanfertigung, kein Marketingversprechen ohne Substanz, auch wenn weder Preise noch Lieferzeiten für einzelne Schritte genannt werden. Wer das wissen will, muss einen Termin buchen und direkt fragen.
Zur Materialherkunft schreibt LOMA, man arbeite in der Schweiz mit sogenanntem Ökogold, einem geschlossenen Kreislauf aus wiederverwertetem Gold und Edelmetallen, ergänzt durch moderne Werkzeuge wie 3D-CAD-Design und CNC-Fräsen neben der klassischen Werkbankarbeit. Zu Preisen, Gewährleistung oder Lieferzeiten für ein individuell gefertigtes Schmuckstück veröffentlicht LOMA nichts, das lässt sich nur im Gespräch klären.
Wie ein Besuch abläuft
Das Ladenlokal an der Kuttelgasse 15 ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Samstag von 10 bis 16 Uhr, Sonntag und Montag bleibt geschlossen. Auf der Kontaktseite von LOMA stehen zusätzlich Sonderöffnungszeiten für einzelne Tage im Sommer, etwas, das nur eine Seite pflegt, die tatsächlich aktiv betrieben wird. Für ein persönliches Gespräch bietet Lilly Clou ein Buchungsformular an, auf dem Termin für Fragen, eigene Schmuckideen oder um Stücke vor Ort anzusehen vereinbart werden können. Laut eigener Aussage stehen dabei drei erfahrene Goldschmiede für die Beratung bereit. Wer sich zuerst online umsehen will, findet auf der Website eine Suche und die üblichen Rechtsseiten, inklusive eines Impressums mit Handelsregistereintrag, was bei kleinen Schweizer Ateliers nicht selbstverständlich ist.
Im Vergleich zur Bahnhofstrasse
Wer an der Bahnhofstrasse einkauft, bekommt internationale Maisons mit fixen Kollektionen und Schaufenstern, die auf Laufkundschaft ausgelegt sind. Lilly Clou und LOMA sind das Gegenteil: eine Seitengasse, ein Klingelknopf, ein Gespräch mit den Leuten, die den Ring tatsächlich anfertigen. Das bedeutet auch weniger Auswahl von der Stange und mehr Abhängigkeit vom Termin, aber für ein Paar, das ohnehin etwas Eigenes will, ist genau das der Punkt.
Für wen sich das eignet
Für Paare, die lieber mit den beiden Goldschmieden sprechen, die an der Werkbank stehen, als mit einer Verkäuferin hinter der Vitrine, und die eine Werkstatt mit echter, dokumentierter Handwerksgeschichte einer neu eröffneten Filiale vorziehen. Auch für alle, die zuerst ein kleineres Geschenk aus der Lilly-Clou-Linie kaufen möchten, um die Werkstatt kennenzulernen, bevor sie sich für den grösseren Schritt entscheiden. Weniger geeignet für alle, die spontan hereinspazieren und noch am selben Tag mit einem fertigen Ring herausgehen wollen, denn dafür ist die Werkstatt zu klein und zu sehr auf Termine ausgelegt.
Unser Fazit
Der ehrliche Kern der Geschichte ist: Man kommt wegen des Namens Lilly Clou, landet aber, sobald es um einen Ring geht, im Nachbarbetrieb LOMA, der die eigentliche Steinlin-Tradition fortführt. Das ist kein Widerspruch, wenn man es weiss, aber die Website selbst macht diese Trennung nicht ganz deutlich. Der einzige echte Kritikpunkt ist diese fehlende Klarheit zwischen Marke und Werkstatt. Wer sie einmal verstanden hat, findet hier eine der wenigen Adressen in der Altstadt, bei der sich Familiengeschichte, eine nachvollziehbare Lehre der beiden Goldschmiede und ein offen beschriebener Anfertigungsprozess tatsächlich decken.