Oliver Pasetto Goldschmiede

Stadthausstrasse 59, Winterthur

Touchez une étoile pour noter

Wer in Winterthur nach einem Verlobungsring sucht, der sonst nirgendwo in genau dieser Form existiert, landet früher oder später an der Stadthausstrasse 59, im Zentrum der Stadt. Dort führt Oliver Pasetto seine Goldschmiede, ein Ein-Mann-Betrieb mit Laden und Werkstatt unter einem Dach. Auf der eigenen Seite heisst es unmissverständlich: Jedes Schmuckstück entsteht mit der Idee der Kundschaft und der handwerklichen Begleitung des Goldschmieds zu einem Unikat, nicht als Auswahl aus einer festen Kollektion. Wer eine Vitrine mit fertigen Ringen in verschiedenen Grössen durchstöbern will, ist an dieser Adresse falsch. Wer dagegen mit einer eigenen Vorstellung, einem Foto oder auch nur einer vagen Idee kommt, findet einen Betrieb, der genau darauf eingerichtet ist.

Vom Foto zum fertigen Ring

Der Einstieg läuft ohne grosse Hürden. Über einen kostenlosen und unverbindlichen Online-Berater auf der Website lässt sich ein Bild des gewünschten Schmuckstücks hochladen, sei es ein Ring, den eine Freundin trägt, ein Foto aus einer Zeitschrift oder eine eigene Skizze. Gefertigt wird das Stück laut eigener Aussage erst nach gemeinsamer Absprache und ausdrücklicher Einwilligung der Kundschaft. Wer es unkomplizierter mag, schickt Fotos direkt per WhatsApp an die auf der Seite angegebene Nummer 079 785 12 51, oder kommt persönlich vorbei: Dienstag bis Freitag ist von 09:30 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, samstags von 09:30 bis 15:00 Uhr. Sonntag und Montag bleibt der Laden zu, was für ein kleines Atelier ohne Verkaufspersonal wenig überraschend ist. Zu Preisen oder zur Dauer einer Anfertigung nennt die Website keine Zahlen. Sie verspricht stattdessen flexible Preisgestaltung und eine gemeinsam gefundene Lösung für jedes Budget, was zwar keine konkrete Zahl ist, aber immerhin eine klare Haltung zu diesem Punkt.

Eine Werkbank statt eines Zulieferers

Was die Seite über die Arbeitsweise schreibt, liest sich weniger nach Werbetext als nach Werkstattalltag. Die meisten Steine fasst Pasetto nach eigener Aussage selbst in seinem Atelier, nur aufwendige Brillantfassungen und Handgravuren gibt er an einen externen Spezialisten weiter. So entsteht ein Schmuckstück, wie es die Seite selbst formuliert, beinahe vollständig aus einer Hand. Ringe montiert er nach eigenen Worten so, wie es früher üblich war, also klassisch von Hand, arbeitet daneben aber auch mit Konstrukteuren zusammen, die CAD-Designs erstellen. Aus solchen Entwürfen bezieht er genaue Güsse und Halbfabrikate wie Fassungen für Steine, praktisch bei komplizierten Fassungen oder mehrfarbigen Ringaufbauten. Für den grösseren Teil der Arbeit bleibt nach seiner eigenen Beschreibung jedoch die solide Handarbeit der Massstab. Für ein Paar, das seinen Ring nicht als anonymes Fabrikprodukt, sondern als Ergebnis eines nachvollziehbaren Handwerksprozesses verstehen will, ist das ein Unterschied, der sich schon in der Beschreibung der Arbeit selbst zeigt und nicht erst in einem Werbesatz.

Ein Umweg über New York

Zur Werkbank gehört bei Pasetto auch eine Vorgeschichte, die er auf der Seite "Über mich" selbst erzählt. Seine Ausbildung nennt er dort solide und traditionell, über die Jahre sei er zum Allrounder geworden. Den Ausschlag zur Selbstständigkeit gab 1998 der Gewinn der De Beers Diamonds International Awards, nach dem er, wie er schreibt, eigene Wege gehen wollte. Aus seiner vorherigen Tätigkeit als Atelierchef brachte er Kontakte zu Fachgeschäften mit, für die er fortan mit eigenen Entwürfen arbeitete. Seine Kollektion zeigte er danach an Fachmessen wie der Schmuck- und Uhrenmesse in Basel und der Inhorgenta in München, damals noch aus einem Atelier heraus, das er sich mit einem Partner in einer stillgelegten Teigwarenfabrik in Winterthur teilte. 2001 folgte der Schritt in die USA: Ein amerikanisches Ausstellerkomitee, mit dem er über den De Beers Award in Kontakt gekommen war, lud ihn zu einer Schmuckmesse in New York ein. Für seine damalige Kollektion erhielt er dort den New Designer Award 2001 für Design Excellence, eine Auszeichnung, die er selbst als Ansporn für weitere kreative Schritte beschreibt. Wo genau zwischen dieser New Yorker Reise und der heutigen Adresse an der Stadthausstrasse die Linie verläuft, sagt die Seite nicht, und das lässt sich von aussen auch nicht rekonstruieren. Was bleibt, ist ein Goldschmied mit einer international geprüften Designhandschrift, der heute allein an einer Werkbank in Winterthur arbeitet, statt eine Kollektion über fremde Fachgeschäfte zu vertreiben.

Auch für alten Schmuck

Pasetto beschränkt sich nicht auf neue Stücke. Die Website bietet ausdrücklich die professionelle Umgestaltung von vorhandenem Schmuck an, von kleineren Anpassungen über Modernisierungen bis zur kompletten Neugestaltung. Genannt werden ausdrücklich Erbstücke und emotionale Lieblingsstücke, die dabei ihren Charme behalten, aber wieder zum aktuellen Stil der Trägerin oder des Trägers passen sollen. Für Winterthurer Paare, die den Ring einer Grossmutter zu einem eigenen Verlobungsring umbauen lassen wollen, statt einen neuen zu kaufen, ist das eine der konkreteren Leistungen auf der Seite, klarer formuliert als die allgemeinen Kategorien Eheringe, Verlobungsringe, Ohr-, Arm- und Halsschmuck sowie Edelsteine, die auf der Startseite vorerst nur als Überschriften ohne Beispielstücke oder Bilder von Referenzarbeiten erscheinen.

Winterthur statt Bahnhofstrasse

Wer sich für die Stadthausstrasse statt für die Zürcher Bahnhofstrasse entscheidet, kauft sich damit auch eine andere Art Termin ein. Es gibt keine Filiale, kein Verkaufsteam und keine durchgehenden Öffnungszeiten für Laufkundschaft aus dem Bahnhof, sondern einen einzelnen Goldschmied mit festen Öffnungszeiten und einem Berater-Formular für alle, die vorab ein Bild schicken wollen. Dafür bleibt die Preisgestaltung nach eigener Aussage verhandelbar statt an eine Vitrinenauszeichnung gebunden, und dieselbe Person, die berät, baut später auch den Ring. Für ein Zürcher Paar, das ohnehin schon eine klare Vorstellung von seinem Ring hat und keine grosse Auswahl an der Bahnhofstrasse braucht, kann der Weg nach Winterthur genau deshalb lohnend sein.

Für wen sich das eignet

Am besten passt das Angebot zu Paaren, die bereits ein Bild, eine Skizze oder zumindest eine klare Idee im Kopf haben und diese lieber in einem persönlichen Gespräch als an einer Verkaufstheke besprechen wollen. Ebenso gut passt es zu jemandem, der ein geerbtes Stück zu einem neuen Verlobungs- oder Ehering umarbeiten lassen will. Wer dagegen sofort ein fertiges Modell in der eigenen Grösse anprobieren und mitnehmen möchte, findet das eher bei einem grösseren Haus mit eigenem Lagerbestand als in einem Ein-Personen-Atelier, das grundsätzlich erst nach Absprache produziert.

Unser Fazit

Oliver Pasetto Goldschmiede überzeugt genau dort, wo es für ein Schweizer Paar zählt: eine international ausgezeichnete Handwerksbiografie, ein Goldschmied, der die meisten Steine selbst fasst, und ein klares Bekenntnis zur Einzelanfertigung statt zum Sortiment ab Stange. Der eine Wermutstropfen ist, dass die Website weder Preise noch Lieferzeiten noch eine Gewährleistung nach dem Kauf nennt, sodass sich das erst im persönlichen Gespräch klärt. Das ist kein Grund, einen Bogen um die Stadthausstrasse zu machen, sondern schlicht der Preis für ein Angebot, das auf Mass statt auf Vitrine setzt.

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