Goldlädeli Pfäffikon SZ
Touchez une étoile pour noter
Wer über den Seedamm nach Rapperswil fährt, kommt zwangsläufig durch Pfäffikon SZ, und wer dort ohnehin die Zeit totschlägt, findet im Seedamm Center ein Uhren- und Schmuckgeschäft, das sich eher zum Reinschauen als zu einem eigenen Ausflug eignet. Das Goldlädeli sitzt mitten im Einkaufszentrum, mit Parkplätzen und Bahnanschluss praktisch vor der Tür, und genau das unterscheidet es von den Familienateliers drüben in der Rapperswiler Altstadt: Hier kauft man nicht bei einer Goldschmiedin am eigenen Werktisch, sondern in einem gut sortierten Fachgeschäft mit breitem Markensortiment.
Gegründet wurde die Bijouterie Goldlädeli 1975 vom St. Galler Juwelier Werner Ernst Frischknecht zusammen mit seiner Frau Annemarie Frischknecht-Niederer. Frischknecht war laut der eigenen Firmengeschichte bereits in dritter Generation als Goldschmied und Gemmologe tätig, als er das Geschäft aufzog, und er brach mit zwei Gewohnheiten der damaligen Branche: Direkteinkauf bei den Herstellern statt über den Zwischenhandel, und offene Vitrinen statt verschlossener Schränke, aus denen der Schmuck den Kundinnen und Kunden früher einzeln gezeigt wurde. 1996 übergab er die Leitung an die vierte Generation, seine jüngste Tochter Anita Imfeld-Frischknecht, die laut eigener Darstellung schon als Kind im Geschäft mitgeholfen hatte und heute als Juristin die Geschäftsleitung sowie das Verwaltungsratspräsidium innehat. Neben ihr sitzt, mit demselben Familiennamen, Max Imfeld-Frischknecht in der Geschäftsleitung, ebenfalls Jurist sowie Rechtsanwalt und Notar; die genaue verwandtschaftliche Beziehung der beiden nennt die Seite selbst nicht, darum spekulieren wir nicht darüber.
Wer nach einem Goldschmied am Werktisch sucht, wird auf der aktuellen Teamseite nicht fündig. Dort stehen ein Uhrmacher und Rhabilleur, mehrere Verkäuferinnen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis in Uhren, Schmuck und Edelsteinen, sowie die beiden erwähnten Geschäftsleitungsmitglieder. Ein Goldschmied ist namentlich nicht mehr aufgeführt, auch wenn der Firmengründer selbst einer war. Das Goldlädeli tritt heute in erster Linie als Verkaufsgeschäft auf und nicht als Werkstatt, und wir sagen das lieber offen, als eine Werkbank zu unterstellen, die die eigene Seite nirgends zeigt. Im Handelsregister des Kantons Schwyz ist die Firma mit Sitz in Freienbach nach wie vor als bestehend eingetragen, mit dem Zweck Handel mit Uhren und Schmuck und dem Betrieb eines Uhren- und Juweliergeschäfts, ohne Hinweis auf eine Liquidation oder Löschung.
Was im Sortiment steckt
Das Online-Sortiment ist gross für ein Geschäft dieser Grösse. Die Sammlung Schmuck zählt 1695 Produkte, die Sammlung Uhren 440, mit Marken wie Rado, Certina, Hamilton, Maurice Lacroix, Frederique Constant, Mondaine und Seiko. Unter der Rubrik Liebe, die sämtliche Ringe bündelt, liegen 325 Stück, davon sind 115 eigens mit Verlobungsringe getaggt. Anders als bei manchen anderen Adressen in dieser Region ist das Brautring-Angebot damit unmissverständlich benannt, es gibt keinen Zweifel daran, was zur Auswahl steht. Auf der ersten von 4 Ergebnisseiten dieser Kollektion reicht die Preisspanne von 55 Franken für einen vergoldeten Silberring bis zu 3199 Franken für einen Ring in 18-karätigem Weissgold mit Diamanten und Brillanten, dazwischen liegen zahlreiche Solitärringe in Gelb- und Weissgold, teils mit Labordiamanten statt gewachsener Brillanten als günstigere Option. Als eigene Marken innerhalb der Verlobungsringe führt die Filterleiste Kurshuni und Viventy, daneben freie Modelle in Silber, 9- und 18-karätigem Gold sowie Platin.
Neben der eigentlichen Verlobungsringe-Kollektion führt das Goldlädeli auch eine eigene Rubrik namens Goldpreis-Aktion mit 33 Produkten, ausschliesslich in 18-karätigem Gold, dort aber vor allem Anhänger, Creolen, Ohrhänger, Ohrstecker und Ringe statt eigentlicher Verlobungsringe. Der Name legt nahe, dass hier Stücke zu Preisen laufen, die sich am aktuellen Goldkurs orientieren, die Seite selbst erklärt das Prinzip an dieser Stelle aber nicht näher, weshalb wir es bei der Beobachtung belassen, statt eine Mechanik zu unterstellen, die nirgends beschrieben ist. Wer zufällig zur richtigen Zeit vorbeikommt, kann hier trotzdem auf ein Schnäppchen stossen, das in der regulären Kollektion nicht zu finden ist.
Der Rauschmayer-Konfigurator
Eine Besonderheit ist der Rauschmayer-Konfigurator, der direkt auf der Seite als eingebettetes Fenster zum Onlinedesigner von Rauschmayer läuft. Wer will, stellt darin von zuhause aus Material, Fassung und Stein für einen Ring selbst zusammen, bevor er überhaupt ins Geschäft fährt. Die zweite Ringlinie, der Fischer-Konfigurator, funktioniert anders: Die Seite verweist hier ausdrücklich auf eine persönliche Beratung vor Ort im Goldlädeli, ein Onlinetool gibt es dafür nicht. Zusammen ergibt das zwei unterschiedliche Wege zum individuell zusammengestellten Ring, den einen am eigenen Bildschirm, den anderen am Ladentresen, aber keinen davon an einer eigenen Goldschmiedebank.
Service und Reparaturen
Neben dem Ringverkauf bietet das Geschäft einen Uhrenservice mit Reparaturen, Batteriewechseln und Armbandanpassungen. Laut eigener Seite ist dieser Service für dort gekaufte Uhren in vielen Fällen kostenlos, wobei nicht aufgeschlüsselt wird, welche Reparaturen darunter fallen. Dazu kommen Schätzungen für Versicherung oder Wiederverkauf, der Ankauf von Altgold, Schmuckreparaturen, Ohrlochstechen, das laut Seite nur ein paar Minuten dauert, Perlenknüpfen sowie Gravuren auf Schmuckstücken mit Gravurplatte. Beim Versand gilt: Lagerartikel liefert das Goldlädeli laut eigenen Angaben in der Regel innert 2 bis 3 Tagen, nicht lagernde Ware kann 2 bis 8 Wochen dauern, und Bestellungen von ausserhalb der Schweiz bearbeitet das Geschäft nur auf Anfrage. Wer lieber selbst holt, kann seine Bestellung im Laden im Seedamm Center abholen. Zu einer allgemeinen Garantie über den erwähnten Uhrenservice hinaus äussert sich die Seite nicht, wer das braucht, fragt am besten direkt im Laden nach.
Auch beim eigenen Marketing bleibt das Geschäft auffallend hausgemacht: Im Impressum werden sämtliche dekorativen Fotografien dem Fotografen Stephan Mäder zugeschrieben, samt Namen der beiden abgebildeten Models, während die Mitarbeitenden die Porträts auf der Teamseite laut eigener Angabe selbst aufgenommen haben. Von einer Stockfoto-Ästhetik ist hier wenig zu sehen, was zum Bild eines Familienbetriebs passt, der seit Jahrzehnten in derselben Region verwurzelt ist.
Für wen sich der Stopp lohnt
Für ein Paar, das ohnehin einen Tag am oberen Zürichsee plant, etwa einen Bummel durch die Rapperswiler Altstadt auf der anderen Seite des Seedamms, ist das Goldlädeli ein unkomplizierter Zusatzstopp: gut erreichbar, mit breiter Markenauswahl unter einem Dach, und dank des Rauschmayer-Konfigurators auch für alle interessant, die vor dem Ladenbesuch schon zuhause am Bildschirm herumspielen wollen. Wer dagegen unbedingt zusehen möchte, wie der eigene Ring am Werktisch entsteht, findet das eher bei einem der Ateliers in der Altstadt selbst als hier im Einkaufszentrum.
Unser Fazit
Eine Firmengeschichte seit 1975, eine Familie in der vierten Generation seit 1996 an der Spitze und ein laut Handelsregister nach wie vor bestehendes Unternehmen sprechen für Kontinuität, auch wenn das Goldlädeli heute klar als Fachgeschäft und nicht als Goldschmiede-Atelier auftritt. Wer eine grosse, klar benannte Auswahl an Verlobungsringen in verschiedenen Preisklassen sucht und die Fahrt nach Rapperswil ohnehin macht, bekommt hier einen ehrlichen Zusatzstopp ohne grosse Umwege, nur eben ohne den Blick in eine eigene Werkstatt.