Charles & Colvard
Touchez une étoile pour noter
Wer Moissanit mit einem beliebigen laborgezüchteten Ersatzstein verwechselt, sollte diesen Namen kennen. Charles & Colvard ist nicht irgendein Nachahmer, sondern das Unternehmen, das den Stein 1995 als Erstes kommerziell verkaufte, unter dem ursprünglichen US-Patent für synthetischen Moissanit, das schon unter dem alten Firmennamen C3 Inc. angemeldet worden war. Der Name wechselte 1999 zu Charles & Colvard, das Material blieb dasselbe: Siliziumkarbid, benannt nach dem französischen Chemiker Henri Moissan, der 1893 winzige Kristalle in Gestein aus dem Meteor Crater in Arizona fand und sie zunächst für Diamant hielt. Für ein Zürcher Paar heisst das zunächst: Wer gezielt Moissanit will, kauft hier von der Quelle, nicht bei einem der vielen Online-Händler, die den Stein nur weiterverkaufen. Ein eigenes Ladengeschäft oder einen Beratungstermin in der Schweiz gibt es nicht, das Geschäft läuft vollständig online, mit Versand direkt aus den USA.
Im Sortiment stehen zwei Materialien nebeneinander: die hauseigene Moissanit-Linie Forever One und die laborgezüchteten Diamanten der Marke Caydia. Bei Caydia wirbt die Seite mit engen Auswahlkriterien, mindestens Reinheit VS1 sowie Farbe D, E oder F für die farblosen Steine und G für die naheliegend farblosen. Die Ringe selbst gibt es in den gängigen Fassungsarten, Solitär, Seitensteine, Halo, versteckter Halo, Drei-Stein, Toi et Moi und im Vintage-Stil, dazu in den üblichen Formen von rund über Kissenschliff bis Herz. Wer nicht bei Verlobungsringen bleiben will, findet auch Trauringe, Ohrringe, Halsketten und Armbänder, eine eigene Herrenlinie sowie personalisierbare Stücke aus der Signature Collection. Die Fassungen gibt es in Weiss-, Gelb- und Roségold, zweifarbig, in Platin sowie in Tantal und Titan, eine für eine reine Online-Schmuckmarke ungewöhnlich breite Metallauswahl.
Was den Stein ausmacht
Moissanit liegt auf der Mohs-Skala zwischen 9.25 und 9.5 und ist damit nach Diamant das härteste Material, das üblicherweise in einem Ring verarbeitet wird, ein Punkt, der im Alltag mehr zählt als jede Werbezeile. Der Brechungsindex liegt laut der unternehmenseigenen Erklärung zwischen 2.65 und 2.69, was dem Stein sein Feuer gibt, nach eigenen Angaben mehr als bei Diamant, Rubin oder Smaragd. Ob man dieser hauseigenen Einschätzung in jedem Detail folgen will, sei dahingestellt, die reine Härte ist unabhängig belegt und macht den Stein alltagstauglich für einen Ring, der jeden Tag getragen wird. Charles & Colvard positioniert sich zusätzlich über Nachhaltigkeit, laborgezüchtete Steine statt Minenabbau, dazu recycelte Edelmetalle für die Fassungen. Für Forever One nennt die Startseite eine lebenslange Garantie auf den Stein selbst, ohne dass die genauen Bedingungen (was abgedeckt ist, was nicht) dort ausformuliert sind.
Bestellung und Lieferung in die Schweiz
Charles & Colvard nennt die Schweiz ausdrücklich auf der Liste der Länder, in die geliefert wird, neben Australien, Kanada, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Kuwait, Polen, Spanien, Taiwan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Vereinigten Königreich. Internationale Bestellungen verschickt die Firma über FedEx oder UPS. Wichtig für Schweizer Kundschaft: Zölle, Einfuhrsteuern und weitere Gebühren des Ziellands trägt laut eigener Angabe die Kundschaft selbst, das Geschäft nennt keine CHF-Preise und übernimmt die Einfuhrmehrwertsteuer nicht. Bei Bestellungen mit mehreren Artikeln wird die Lieferung gebündelt und erst verschickt, sobald das letzte Stück bereit ist, was bei einer individuell gefertigten Fassung die Wartezeit spürbar verlängern kann. Für solche Sonderanfertigungen nennt die Seite eine Produktionszeit von 15 Werktagen, bevor überhaupt versendet wird. Bestellungen über 1500 US-Dollar, vor Versand, Zöllen und Steuern gerechnet, verlangen bei Zustellung eine Unterschrift, eine Regel, die aus dem amerikanischen Versandalltag stammt und bei einem Verlobungsring-Budget eher die Regel als die Ausnahme sein dürfte. Zurückschicken lässt sich ein Stück innerhalb von 30 Tagen ab Versanddatum, internationale Kundschaft braucht dafür vorab eine Rücksendenummer per E-Mail. Eine Supportseite spricht von einer kostenlosen 30-Tage-Rückgabe, eine andere Seite derselben Domain hält ausdrücklich fest, dass die Rückversandkosten bei internationalen Retouren bei der Kundschaft liegen, ebenso wie Zoll und Einfuhrabgaben auf dem Rückweg. Die beiden Aussagen widersprechen sich in diesem einen Punkt, deshalb hier die vorsichtigere Lesart: Mit Rückversandkosten sollte man ausserhalb der USA rechnen.
Der Eigentümerwechsel 2026
Die Muttergesellschaft Charles & Colvard, Ltd. durchlief 2026 ein Chapter-11-Verfahren in North Carolina, laut Gerichtsunterlagen eröffnet am 2. März 2026, nach eigenen Verlustzahlen seit 2023, vor allem wegen der Konkurrenz anderer Schmuckhändler. Ursprünglich war eine Übernahme durch Van Lang Jewelry beziehungsweise die mit ihr verbundene Jewelry Design Partners für 1.5 Millionen US-Dollar vorgesehen. Bei einer gerichtlich angesetzten Auktion am 22. Juni 2026 setzte sich ein höheres Gebot von AJS Creations Inc. über 2.7 Millionen US-Dollar durch, das Gericht genehmigte den Verkauf am 1. Juli 2026, die entsprechende Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC datiert vom 8. Juli 2026. AJS Creations ist laut Fachpresse die Muttergesellschaft von Grown Brilliance, einem Anbieter laborgezüchteter Diamanten mit nach eigenen Angaben 15 Filialen in den USA. Was das für bestehende Garantien und für die Marke Charles & Colvard langfristig bedeutet, war unmittelbar nach dem Gerichtsentscheid noch offen, die Fachpresse sprach ausdrücklich von einer ungeklärten Frage, wer künftig für Namen, Lagerbestand und laufende Verpflichtungen geradesteht. Beim Verfassen dieses Eintrags, Anfang August 2026, war der Online-Shop unter der gewohnten Marke Charles & Colvard weiterhin vollständig in Betrieb, mit demselben Sortiment und derselben Navigation wie vor dem Verkauf. Für ein Schweizer Paar heisst das konkret: Das Geschäft läuft weiter, aber eine Garantiekarte, die man heute erhält, könnte in ein paar Jahren von einer anderen Firma verwaltet werden als der, die sie ausgestellt hat.
Für wen sich das eignet
Im Vergleich zu Schweizer Online-Juwelieren fehlt hier das Wichtigste, das ein Schweizer Rechtssitz mitbringt: die zweijährige Gewährleistung nach Schweizer Obligationenrecht. Charles & Colvard ist eine amerikanische Gesellschaft, ein Streitfall würde nach US-Recht und über eine US-Kundenbetreuung laufen, nicht über ein Schweizer Gericht. Einen Showroom-Termin, wie ihn manche Anbieter aus Zürich oder der Ostschweiz anbieten, gibt es nicht, alles läuft über den Bildschirm und Fotos der verfügbaren Steine. Wer den Termin und die persönliche Beratung vor Ort sucht, ist bei einem lokalen Goldschmiedebetrieb besser aufgehoben. Wer dagegen gezielt Moissanit will, und zwar von der Firma, die den Stein zuerst verkauft hat, statt von einem der zahlreichen Wiederverkäufer, oder wer ein streng nach Reinheit und Farbe ausgewähltes Caydia-Stück ohne Umweg über einen Zwischenhändler sucht, bekommt hier ein Original zu einem im Online-Vergleich fairen Preis, muss dafür aber Zoll, Einfuhrsteuer und den frischen Eigentümerwechsel in Kauf nehmen. Die Kombination aus Erfinderstatus, breiter Auswahl an Fassungen und Formen sowie einem sauber dokumentierten, wenn auch nicht restlos geklärten Übernahmeprozess macht den Shop zu einer soliden, wenn auch nicht ganz sorgenfreien Option für ein Paar, das online kaufen will und weiss, worauf es sich einlässt.
Unter dem Strich bleibt Charles & Colvard das Original und nicht die Kopie, mit einem breiten Sortiment und einem Härtegrad, der einen Alltagsring wirklich mitmacht. Der Eigentümerwechsel Mitte 2026 ist kein Grund, den Shop von dieser Liste zu streichen, wohl aber ein Grund, die eigene Bestellung samt Zoll- und Garantiefragen etwas genauer zu prüfen als beim Nachbarn an der Bahnhofstrasse.