Goldschmiede Feingold

Augustinergasse 34, Zürich · depuis 2014

Touchez une étoile pour noter

Feingold liegt an der Augustinergasse 34, mitten im ältesten Teil der Zürcher Altstadt, nur wenige Gassen von der Bahnhofstrasse entfernt und trotzdem in einer ganz anderen Welt. Geschäft und Atelier befinden sich im denkmalgeschützten Haus „zur Hoffnung" und „Turteltäubli", zwei historischen Hausnamen, wie man sie an mehreren Fassaden der Altstadt noch liest. Eröffnet wurde der Betrieb am 23. August 2014 von der Goldschmiedin Isabella Rafetzeder, die zuvor 16 Jahre lang die Goldschmiede Edelklunker in Zürich erfolgreich geführt hatte. Wer Feingold zum ersten Mal betritt, findet also kein junges Start-up, sondern eine erfahrene Handwerkerin, die sich mit ihrem eigenen Namen selbstständig gemacht hat.

Was Sie hier bekommen

Im Zentrum steht die Massanfertigung: exklusive Unikate und hochwertige Kleinserien, wie es auf der eigenen Seite heisst, statt Schmuck von der Stange. Für Verlobungs- und Eheringe führt das Atelier eine eigene Trauring-Kollektion, in der sich fertige Modelle mit Brillanten in Gelbgold oder als Solitaire in Platin finden, ebenso gut lässt sich mit dem Team eine komplett neue Kreation entwickeln. Verarbeitet werden Gelbgold, Weissgold, Roségold, Rotgold, Platin, Palladium und Silber, dazu modernere Werkstoffe wie Carbon, Stahl, Titan und Colorit für alle, die dem klassischen Edelmetall etwas Zeitgenössisches entgegensetzen wollen. Das verwendete Gold stammt zu 100 Prozent aus Recycling, ein Punkt, den das Atelier selbst ausdrücklich hervorhebt und der bei einem Betrieb dieser Grösse keine Selbstverständlichkeit ist.

Neben Ringen gehören massive Ketten und Armbänder, Ohrschmuck und Colliers zum Sortiment, teils in Sterlingsilber, teils mit farbigen Edelsteinen wie Turmalin, Saphiren, Jaspis, Aquamarin oder Bergkristall sowie Perlen in ungewöhnlichen Formen. Matte Oberflächen und geschwärzte Details sind erklärtes Markenzeichen des Hauses und sollen laut eigener Beschreibung auch Männer ansprechen, die sich für gewöhnlich weniger in einer Goldschmiede aufhalten. Der Entwurfsprozess verbindet klassische Handarbeit mit moderner Technik: Handgefertigte Zeichnungen und Modelle stehen neben Digitalpainting und CAD-Konstruktion, ein Bereich, den im Team gezielt Nina Kocher verantwortet. Neben neuen Stücken repariert und verändert das Atelier auch bestehenden Schmuck, schätzt antike Erbstücke und verarbeitet Altgold, Aufgaben, die den eigenen Angaben zufolge nie zu klein oder zu kompliziert sind, um sie anzunehmen.

Wer hier arbeitet

Isabella Rafetzeder bringt für ihre Selbstständigkeit eine ungewöhnliche Kombination mit: ein Studium an der ETH Zürich und 16 Jahre praktische Führungserfahrung bei Edelklunker, bevor sie mit Feingold ein eigenes Haus gründete. Sie beschreibt sich selbst als jemanden, dem die Weitergabe von Wissen an Lehrlinge wichtig ist, kein Nebensatz in einer Branche, in der die Qualität einer Lehrstelle über den Ruf einer Werkstatt mitentscheidet. Neben ihr arbeitet Nina Kocher im Atelier, eine Goldschmiedin und Schmuckdesignerin, die zuvor mehrere Jahre für traditionsreiche Schweizer Häuser tätig war, dazu Michaela Lehnert und, nach den zuletzt veröffentlichten Angaben der Website, eine Lernende namens Zoe Thönen.

Dass hier tatsächlich ausgebildet wird und nicht nur draufsteht, zeigt eine Geschichte aus dem Jahr 2017: Die damalige Lernende Rahel Häberlin gewann an der Schweizer Goldschmiedemeisterschaft 2017 den grossen Preis für ihr Design. Die Siegerstücke wurden anschliessend ab dem 16. Juni 2017 zwei Wochen lang im Laden an der Augustinergasse ausgestellt, mit einer eigenen Vernissage für die Kundschaft. Ein solcher Erfolg taucht nicht in jeder Werkstatt auf, und er ist ein konkreterer Beleg für eine ernsthafte Lehrlingsausbildung als jede Selbstbeschreibung auf einer Website.

Wie ein Besuch abläuft

Das Ladenlokal ist Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 18:30 Uhr geöffnet und Samstag von 10:00 bis 16:00 Uhr, jeweils ohne Voranmeldung. Nur der Montag ist ausschliesslich Kundinnen und Kunden mit Termin vorbehalten, ein vernünftiger Kompromiss für eine Werkstatt dieser Grösse: Wer ohnehin unter der Woche in der Altstadt unterwegs ist, kann spontan hereinschauen, wer ein längeres Beratungsgespräch für einen Ring will, bucht sich einen ruhigeren Moment ausserhalb der Öffnungszeiten. Kontakt ist telefonisch oder per E-Mail möglich, eine Liste mit Preisen für Anfertigungen veröffentlicht die Website nicht, was bei individuell gefertigtem Schmuck aber die Regel und keine Ausnahme ist. Die Adresse zum Vormerken lautet Augustinergasse 34, 8001 Zürich, zu Fuss gut vom Rennweg und von der Bahnhofstrasse erreichbar, aber schon spürbar ruhiger als beide.

Im Vergleich zur übrigen Altstadt-Szene

Verglichen mit den alteingesessenen Namen der Zürcher Altstadt ist Feingold ein junger Betrieb. Häuser, die sich über Generationen einer Familie weitergeben, tragen eine andere Art von Geschichte als ein Atelier, das auf der Lebensleistung einer einzelnen Goldschmiedin aufbaut, die vorher woanders gearbeitet hat. Das ist kein Nachteil, eher eine andere Art von Verlässlichkeit: keine Familiendynastie, aber eine Gründerin, die ihr Handwerk nachweislich lange vor der eigenen Ladeneröffnung beherrschte und die Werkstatt seit der Gründung 2014 am selben Ort führt. Wer den Unterschied zur Bahnhofstrasse sucht, findet ihn schnell: keine internationalen Marken, keine grossen Schaufenster, dafür eine Werkbank, an der tatsächlich gearbeitet wird, und eine Ladentür, an der man mit den Menschen spricht, die den Ring später auch anfertigen.

Für wen sich Feingold eignet

Am besten passt Feingold zu einem Paar, das einen Ring will, den es sonst nirgends gibt, und das bereit ist, dafür ein Gespräch mit der Goldschmiedin zu führen statt eine Vitrine durchzugehen. Auch wer ein Familienstück umarbeiten oder einen eigenen Stein neu fassen lassen möchte, ist hier an der richtigen Adresse, das gehört ausdrücklich zum Angebot. Wer Wert auf recyceltes statt neu geschürftes Gold legt, bekommt das hier ohne Aufpreis genannt, nicht als teures Zusatzprogramm. Weniger geeignet ist der Laden für alle, die noch am selben Tag mit einem fertigen Ring nach Hause gehen wollen oder vorab eine feste Preisliste zum Vergleichen brauchen, denn beides bietet die Website nicht.

Unser Fazit

Feingold gehört zu den persönlicheren Adressen in dieser Kategorie: eine Goldschmiedin mit langer eigener Vorgeschichte, ein kleines, offenbar ernsthaft ausbildendes Team und eine eigene Trauring-Linie, die sich auch individuell weiterentwickeln lässt. Der einzige echte Kritikpunkt betrifft nicht das Handwerk, sondern die Website: Die öffentliche Neuigkeiten-Seite wurde zuletzt 2019 aktualisiert, was auf den ersten Blick misstrauisch machen könnte. Unabhängige Branchenverzeichnisse führen die Firma jedoch weiterhin mit identischer Adresse und Telefonnummer als aktiv, und die eigentliche Geschäftsseite mit Kontaktangaben und Öffnungszeiten wirkt gepflegt und aktuell. Für Kundinnen und Kunden heisst das schlicht: Vor einem Besuch kurz anrufen oder schreiben lohnt sich, aber das ist bei einer Werkstatt dieser Grösse ohnehin die übliche Praxis, nicht ein Warnzeichen.

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