Galli Uhren Bijouterie
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Galli Uhren Bijouterie sitzt nicht an der Bahnhofstrasse, sondern eine Gasse weiter östlich, dort wo die Theaterstrasse auf den Bellevue-Platz trifft. Wer vom Opernhaus oder vom Seebecken herkommt, läuft praktisch daran vorbei, ohne dem Gedränge der Haupteinkaufsstrasse überhaupt zu begegnen. Das Geschäft an der Theaterstrasse 16 gehört zu den ältesten Familienbetrieben der Stadt: Es steht seit 1882 im Uhren- und Schmuckhandel und wird heute in der fünften Generation geführt.
Fünf Generationen an einer Adresse
Die Firmengeschichte beginnt mit Paul Galli, geboren am 2. Dezember 1859 im damaligen Königsberg in der Neumark, dem heutigen Chojna in Polen (polnisch seit 1945), nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Königsberg in Ostpreussen. Laut der eigenen, ausdrücklich als mündliche Familienüberlieferung bezeichneten Firmengeschichte soll ein Vorfahre, Fernando Galli, 1812 für Napoleons Russlandfeldzug rekrutiert worden sein und sich danach in der Gegend niedergelassen haben. Galli selbst kennzeichnet das als Überlieferung, nicht als gesicherte Tatsache, und genau so wird es hier auch wiedergegeben.
Gesichert ist die Lehre, die Paul Galli zwischen 1874 und 1877 als Uhrmacher absolvierte. Danach zog er als Wanderuhrmacher zu Fuss durch Deutschland bis nach Nordamerika und kehrte über den Rhein in die Schweiz zurück. 1882 kaufte er mit 500 Franken Startkapital ein kleines Uhrengeschäft an der Oberdorfstrasse, zügelte bald an den Tonhallenplatz und 1899 an die heutige Adresse Theaterstrasse 16, die dem Betrieb bis heute gehört.
Die folgenden Jahrzehnte lieferten dem Haus eigene Prüfungen. 1897 wurde bei einem nächtlichen Einbruch das gesamte Warenlager gestohlen, ohne dass eine Versicherung bestand, und Paul Galli musste sein Geschäft praktisch neu aufbauen. Der Aufschwung nach der Pariser Weltausstellung von 1900 und die guten Geschäftsjahre bis 1914 brachten prominente Kundschaft, darunter, so die Firmengeschichte, der frühere Schah von Persien, der eine goldene, diamantenbesetzte Taschenuhr für 20'000 Franken gekauft haben soll. 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, kaufte Paul Galli mit Unterstützung des Schweizerischen Bankvereins die Liegenschaft an der Theaterstrasse 16.
Nach Paul Gallis Tod 1926 übernahm sein Sohn Max Galli den Betrieb. Die Krisenjahre 1930 bis 1936 trafen das Geschäft hart, ein Zweigladen an der Bahnhofstrasse 78 musste 1939 wieder aufgegeben werden. 1948 leistete sich die Familie mit einem Studebaker Regal Deluxe Sedan das erste eigene Auto. Max Gallis Sohn Bruno trat 1953 ins Geschäft ein, wurde 1960 Teilhaber und baute nach 1967, als der Nachbarbetrieb Forster auszog, das heute noch genutzte, rund 150 Quadratmeter grosse Verkaufsgeschoss aus. Innerhalb weniger Monate starben 1972 zunächst Max und dann sein Sohn Bruno Galli im Alter von nur 42 Jahren, mitten in der grössten Krise der Schweizer Uhrenindustrie, die schweizweit die Zahl der Beschäftigten von rund 90'000 auf 36'000 einbrechen liess. Bruno Gallis Witwe Nelly Galli übernahm mit 6 Kindern die Führung, der Umsatz brach laut Firmengeschichte in dieser Zeit um 50 Prozent ein, und sie hielt den Betrieb durch die Ölkrise von 1974 hindurch am Leben.
1983 stieg Mario Galli, der älteste Sohn von Nelly und Bruno, im Alter von 24 Jahren ins Geschäft ein und modernisierte es, unter anderem mit einer 1987 eingeführten EDV-Kasse. Nachdem das Gebäude 1915 in Familienbesitz gekommen war, übernahm Mario Galli am 1. Juli 2012 zusätzlich den der Familie Galli gehörenden Gebäudeteil, um den Fortbestand langfristig zu sichern. Seit dem 1. Juli 2016 arbeitet mit Marco Galli, Sohn von Mario und Ruth Galli, die fünfte Generation im Verkauf mit. Er hatte zuvor bei Les Ambassadeurs in Zürich, Genf und St. Moritz gearbeitet, 2015 die Watch Sales Academy in Le Locle abgeschlossen und danach in der Omega Boutique an der Londoner Old Bond Street gearbeitet. Heute ist er Inhaber, unterstützt von einem kleinen Team: Bryan Gablinger als stellvertretender Geschäftsführer, Uhrmacher Erik Schurink sowie den Verkaufsberaterinnen Boyana Angstmann und Chen So Vie Tang und Verkaufsberater Patricio Jenni.
Uhren, Service und die Frage nach der eigenen Werkstatt
Am Bellevue führt Galli ein Mehrmarkensortiment mit unter anderem Louis Erard, Tudor, IWC und Breitling und betreibt eine eigene Uhrmacherwerkstatt im Haus, mit Erik Schurink als hauseigenem Uhrmacher. Ein Batteriewechsel kostet 35 Franken inklusive Reinigung und Wasserdichtigkeitstest, das Anpassen eines Stahlarmbands ist bei den von Galli geführten Marken gratis, bei fremden Marken kostet es 30 Franken. Wer eine alte Uhr loswerden möchte, kann sie laut eigener Auskunft nicht direkt verkaufen, aber in Kommission geben, damit Galli sie für die Kundschaft weiterverkauft.
Bei Schmuck jenseits der Ringe führt Galli neben Fremdmarken wie Cammilli aus Florenz, Canada Mark, Chimento, Gellner, Herzog Loibner und dem Pforzheimer Haus Odenwald, das zufällig ebenfalls seit 1882 besteht, auch eine eigene Linie mit Anhängern und Armbändern aus der eigenen Werkstatt. Für individuelle Sonderanfertigungen jenseits dieser Linie arbeitet Galli laut eigener FAQ mit einem externen, erfahrenen Goldschmied zusammen. Es handelt sich also um eine Werkstatt-Kooperation für Mass-Schmuck, nicht um eine hauseigene Goldschmiede.
Verlobungs- und Trauringe: Meister statt eigener Kollektion
Für Verlobungs- und Trauringe, den Grund, weshalb dieser Eintrag hier steht, setzt Galli konsequent auf die Manufaktur Meister statt auf eine eigene Werkstattlinie. Auf der Ringseite trägt ein Modell den Namen explizit im Titel, der "Meister Trauring Classics Weissgold", und die übrigen Preise decken sich exakt mit jenen, die auf der allgemeinen Schmuckseite ausdrücklich unter der Marke Meister aufgeführt sind: Der "Classic Wedding Ring Platinum" kostet an beiden Stellen 8'640 Franken, der "Phantastics Wedding Ring Redgold" 4'185 Franken, ein Verlobungsring in Weissgold beginnt beidenorts bei 1'695 Franken. Meister beschreibt sich selbst als Manufaktur, bei der jeder Ring einzeln nach Kundenwunsch von einem Team aus Schmuckdesignern, Gold- und Platinschmieden, Technikern, Gemmologen, Diamantexperten, Juwelieren und Poliererinnen gefertigt wird.
Wer bei Galli einen Ring bestellt, kauft also keine im eigenen Haus entworfene Werkstattkollektion, sondern ein individuell gefertigtes Stück aus einer etablierten externen Ringmanufaktur, mit Kollektionen wie Symbolics, Individuals, Classics und Phantastics. Weitere Modelle wie die Memoire-Ringe ab 2'500 Franken laufen auf derselben Seite mit, ohne dass eine Marke im Produktnamen genannt ist. Die Preisspanne auf der Verlobungsring-Seite reicht von 1'695 bis 8'640 Franken, ein Weissgoldring wird auch für 1'830 respektive 2'280 Franken angeboten. Die Ringgrösse wird laut eigener Auskunft im Laden individuell ermittelt und angepasst, weil, so die FAQ wörtlich, jeder Finger anders ist.
Praktisches für Zürcher Käufer
Galli liefert innerhalb der Schweiz kostenlos, unbenutzte Ware kann innert 14 Tagen umgetauscht werden, und ab einem Bestellwert von 1'000 Franken bietet das Geschäft eine zinslose Ratenzahlung über 12 oder 24 Monate an, bis zu einem Höchstbetrag von 10'000 Franken. Geschenkgutscheine sind unbefristet gültig und für einen beliebigen Betrag erhältlich. Zur Garantie macht Galli keine eigene, darüberhinausgehende Zusage: Sie richtet sich nach der jeweiligen Marke, mindestens aber, so die eigene FAQ, 2 Jahre gemäss internationaler Herstellergarantie, was nicht dasselbe ist wie die gesetzliche Gewährleistung und im Text auch nicht so genannt wird.
Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9 bis 18.30 Uhr und Samstag von 9 bis 16 Uhr. Parkplätze gibt es beim Opéra- und beim Hohe-Promenade-Parking, die nächste Tramhaltestelle ist Bellevue, die nächste Bahnstation Stadelhofen. Nach der Eröffnung dieser S-Bahn-Station sei das Verkaufsvolumen des Geschäfts laut eigener Firmengeschichte um 30 Prozent gestiegen, was dem ganzen Quartier zwischen Bellevue und Stadelhofen zugutekam, als später auch Globus und Orell Füssli in die Gegend zogen.
Für wen sich der Weg lohnt
Wer den Trubel der Bahnhofstrasse meiden will oder ohnehin am See, im Seefeld oder rund um das Opernhaus wohnt, hat mit Galli eine Adresse, die seit fünf Generationen in derselben Familie liegt, in einem Haus, das der Familie inzwischen auch gehört. Wer eine im eigenen Zürcher Atelier von Grund auf entworfene Ringkollektion sucht, findet die bei Galli nicht: Die Verlobungs- und Trauringe kommen aus der Meister-Manufaktur, nicht von einer hauseigenen Werkbank. Wer dagegen eine seriöse, gut sortierte Auswahl an fertigen und individuell angepassten Ringen sucht, dazu einen langjährigen Ansprechpartner für Grösse, Gravur und spätere Servicearbeiten, ist an der Theaterstrasse gut aufgehoben. Gerade weil das Geschäft mit eigener Uhrmacherwerkstatt und externer Ringmanufaktur zwei getrennte, aber beide tatsächlich belegte Handwerksstränge anbietet, statt sich mit einem davon zu schmücken, den es gar nicht selbst betreibt.