Schaffner&Kihm Geschmiede
Touchez une étoile pour noter
In der Rathausgasse 18, mitten in der Badener Altstadt, führen Olivia Schaffner und Jonathan Kihm ihre eigene Goldschmiede. Beide sind gelernt, sie als Goldschmiedin, er als Goldschmied, beide mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis, Kihm zusätzlich mit einer Weiterbildung zum Edelsteinfasser. Wo genau die beiden ihre Lehre gemacht haben, sagt die eigene Website nicht, nur die Qualifikation selbst wird genannt, und das ist ehrlicher als gar keine Angabe. Das Ladenlokal liegt in den denkmalgeschützten Gassen der Altstadt, deren Bausubstanz laut Wikipedia grösstenteils aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stammt, gotisch und stellenweise barock, eine der eindrücklichsten Altstadtkulissen der Schweiz.
Schaffner&Kihm verstehen sich nicht als Laden mit Vitrine, sondern als Werkstatt. Sie schreiben selbst, sie würden nicht auf Masse produzieren, sondern für Menschen, die schätzen, was von Hand entsteht, und jedes Stück werde komplett von Hand entworfen und gefertigt, vom ersten Entwurf bis zur Übergabe. Anfertigung nach Mass ist hier keine Zusatzleistung, sondern das Kerngeschäft.
Eine eigene Rubrik für die Hochzeit
Anders als viele kleinere Goldschmieden, die Trauringe einfach unter "Schmuck" mitlaufen lassen, führt Schaffner&Kihm eine eigene Rubrik namens "Hoch-Zeit" mit drei getrennten Unterseiten: Trauringe, Verlobungsringe und Alliance-Ringe. Bei den Verlobungsringen setzt das Atelier auf klassische Solitäre ebenso wie auf Ringe mit Holzeinlagen, Nussbaum wird namentlich genannt, und auf Beisteckringe mit mehreren Steinen, in Weiss-, Rosé- und Gelbgold sowie Platin, mit Diamanten in Weiss, Farbe oder Champagner, dazu Tansanit und Turmalin. Bei den Trauringen kommen neben klassischem Gold auch Carbon, verschiedene Holzarten und Palladium zum Einsatz, dazu Oberflächen mit Hammerschlag-, Rinden- oder Walzstruktur. Die Alliance-Ringe, ringsum mit Brillanten besetzt und auch als Memoire-Ringe bekannt, sind laut eigener Beschreibung für besondere Lebensmomente gedacht, etwa die Geburt eines Kindes, und lassen sich als Vorsteckring mit dem Verlobungsring kombinieren. Zur Abstimmung zwischen den beiden Ringen schreibt die Seite, die Goldfarbe von Verlobungs- und Trauring lasse sich aufeinander abstimmen, damit beide zusammen ein stimmiges Bild ergeben.
Werkstatt statt Vitrine
Neben Neuanfertigungen bietet die Werkstatt Reparaturen (Löten, Kürzen und Verlängern von Ketten und Armbändern, Reinigen, Neuaufziehen von Perlen- und Steinketten), Umarbeitungen von ererbten oder nicht mehr getragenen Stücken, Fasserarbeiten sowie Lasergravuren auf Edelmetall, Edelstahl, Carbon und Holz. Bei Fasserarbeiten werden die Steine laut eigener Beschreibung ohne Klebstoff direkt in die Fassung eingebracht. Der Ablauf für eine Neuanfertigung läuft in drei Schritten: ein Beratungsgespräch zu Material, Form und Steinen anhand von Vorbildern, ein Designvorschlag samt Offerte, und schliesslich die Fertigung, wahlweise über ein 3D- und Wachsmodell oder direkt in Metall von Hand. Zu Preisen oder Lieferfristen äussert sich keine der Unterseiten, und zu Garantie- oder Gewährleistungsfristen macht die Website ebenfalls keine Angaben. Wer eine Hausnummer wissen will, muss das Beratungsgespräch suchen.
Das Materialangebot geht über das übliche Gold-Platin-Programm hinaus. Silber, Palladium und Platin gehören ebenso dazu wie Carbon, Keramik, Kautschuk, Eisen und Korallen, dazu diverse Holzarten. Auf der Materialseite beschreibt die Werkstatt Keramik als sehr hart und dadurch extrem kratzfest, hypoallergen und beständig gegen Anlaufen, und eine Rhodium-Beschichtung als Oberfläche, die bis zu 80 Prozent des Lichts reflektiert.
Zertifiziertes statt blosses Versprechen
Was das Atelier von vielen Mitbewerbern in dieser Grösse unterscheidet, ist die eigene Nachhaltigkeitsseite. Neues Gold verarbeitet Schaffner&Kihm nach eigener Angabe ausschliesslich als zertifiziertes Oekogold, gewonnen aus eingeschmolzenem Altschmuck oder Zahngold, und Recyclinggold verbrauche laut der Seite bis zu 99 Prozent weniger Ressourcen als Neuabbau. Wo doch neu geschürftes Gold zum Einsatz kommt, stamme es aus Kleinminen mit strengen Sicherheitsstandards, ohne Kinderarbeit und mit fairen Löhnen, so die eigene Darstellung. Diamanten und Edelsteine bezieht die Werkstatt von Lieferanten, die Mitglied im Responsible Jewellery Council sind, geprüft nach den beiden Standards Code of Practices und Chain of Custody. Zusätzlich verweist die Seite auf den Kimberley-Prozess gegen den Handel mit Konfliktdiamanten, räumt aber selbst ein, dass Kritikerinnen und Kritiker strengere Herkunftsnachweise fordern, als der Prozess heute liefert. Für ein Atelier dieser Grösse in einer Kleinstadt ist das ein ungewöhnlich ausführliches Bekenntnis, und es liest sich nicht wie eine Marketingzeile, sondern wie ein Text, den jemand selbst geschrieben hat, inklusive der eigenen Einschränkung beim letzten Punkt.
Zwei Handschriften an einer Werkbank
Die Website beschreibt die beiden Goldschmiede mit unterschiedlichem Schwerpunkt. Olivia Schaffner übernimmt die klare Formsprache, die Beratung und die Umsetzung vom Entwurf bis zum fertigen Stück. Jonathan Kihm gilt laut eigener Beschreibung als der technische Kopf, zuständig für unkonventionelle Materialien und die mechanische Fertigung, mit seiner Zusatzausbildung als Edelsteinfasser vor allem fürs Fassen mehrerer Steine und für die Kombination mit Naturmaterialien wie Holz. In den Kundenstimmen auf der eigenen Seite deckt sich das mit dem Alltag: Eine Kundin berichtet, wie aus einer Skizze für einen Anhänger im Gespräch mit Frau Schaffner ein fertiges Schmuckstück wurde, eine andere lobt eine saubere Ringverkleinerung. Beide Stimmen sind naturgemäss von der Werkstatt selbst veröffentlicht und daher nicht unabhängig, aber sie passen zu dem, was die Seite über die Arbeitsteilung sagt.
Von Zürich aus gut erreichbar, aber nicht an jedem Tag offen
Ab Zürich HB braucht der schnellste Interregio nach Baden gemäss aktuellem Fahrplan rund 15 Minuten, die S-Bahn mit mehr Halten bis zu 28 Minuten. Die Strecke Zürich-Baden war 1847 die erste Eisenbahnlinie der Schweiz überhaupt; heute verkehren auf ihr laut Wikipedia mehrere S-Bahn-Linien, darunter die S6 und die S19, neben den Interregio-Zügen. Von Baden aus liegt die Altstadt mit der Rathausgasse nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt.
Der Haken: Geöffnet ist nur an drei Tagen die Woche, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 und von 13.30 bis 18 Uhr, Samstag durchgehend von 10 bis 16 Uhr. Wer an einem Montag, Dienstag oder Donnerstag spontan vorbeischauen will, hat Pech, und zu Terminen ausserhalb dieser Fenster sagt die Website nichts, ausser dass sie ein Kontaktformular und zwei Telefonnummern anbietet. Lokale Verzeichnisse wie local.ch führten den Betrieb zuletzt weiterhin als geöffnet, inklusive Option zur Online-Terminbuchung, ein Hinweis darauf, dass die Werkstatt weiterläuft und keine verwaiste Seite hinterlassen hat.
Für wen und Fazit
Wer sich einen Verlobungs- oder Trauring wünscht, der nicht aus einer Vitrine stammt, sondern am eigenen Tisch besprochen wird, findet in der Rathausgasse ein Atelier, das genau darauf ausgelegt ist: eine Gestalterin für die Formsprache, ein Steinfasser fürs Technische, dazwischen ein Materialangebot, das von Gold bis Koralle reicht, und eine Nachhaltigkeitsseite mit echter Substanz statt nur einem Label. Für alle, die von Zürich aus keine eigene Fahrt in die Innenstadt machen wollen, ist Baden mit einer knappen Viertelstunde Zugfahrt eine der praktischeren Alternativen im Aargau.
Wer dagegen an einem gewöhnlichen Wochentag spontan hinein will oder vorab eine Preisliste sucht, findet hier beides nicht: Öffnungszeiten und Preise sind bewusst schlank gehalten, beides klärt sich erst im persönlichen Gespräch. Das ist die einzige echte Einschränkung an einem sonst überzeugenden kleinen Betrieb, und sie wiegt leicht gegenüber dem, was man dafür bekommt, nämlich zwei Fachleute, die sich Zeit nehmen, und eine Herkunftsangabe fürs Material, die über das hinausgeht, was man von einem Zweipersonenbetrieb erwarten würde.