EDIGEM
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EDIGEM sitzt am Limmatquai 62, ein paar Gehminuten vom Bahnhof entfernt, aber bewusst nicht an der Bahnhofstrasse. Das ist kein Zufall bei der Adresswahl, sondern passt zum Geschäft dahinter: ein Handelshaus, dessen operativer Sitz nach wie vor in Luzern liegt, an der Maihofstrasse 102, und dessen Kerngeschäft der An- und Verkauf sowie die Schätzung von Schmuck und Edelsteinen ist, nicht der Betrieb einer eigenen Manufaktur an der teuersten Einkaufsstrasse der Stadt. Das Unternehmen datiert seinen Einstieg in den Antik- und Edelsteinhandel auf 1982 und zählt heute über 40 Jahre. Auf der Startseite kursiert noch die ältere Formulierung "über 35 Jahre", ein Nachklang aus der Zeit der Zürcher Eröffnung im Januar 2019, als das Haus tatsächlich "nach 35 Jahren Erfahrung" antrat. Die Unternehmensseite selbst rechnet konsequent ab 1982, und danach richten wir uns hier.
Bekannter wird EDIGEM heute vor allem über seine Zugehörigkeit zur Gübelin-Gruppe: eine unabhängige Tochtergesellschaft, kein fremdes Ladenschild über einer Gübelin-Filiale, aber mit dem Rückhalt eines Luzerner Familienunternehmens, das seit 1854 besteht, mittlerweile in der sechsten Generation geführt wird und seit 1923 eigenen Schmuck in einem hauseigenen Atelier fertigt. Für die Zürcher Boutique bedeutet das vor allem eines: Die gemmologische Handschrift im Haus ist keine Behauptung, sondern lässt sich bis zu einem der bekannteren Namen der Schweizer Uhren- und Schmuckbranche zurückverfolgen, auch wenn EDIGEM als Firma rechtlich getrennt bleibt und die Zürcher Niederlassung als eigene Gesellschaft, Edigem Fine Jewels AG, geführt wird.
Was man hier findet
Der Bestand ist nach Epoche geordnet, wie es sich für einen Vintagehändler gehört: Viktorianisch (etwa 1835 bis 1900), Belle Époque (1884 bis 1914), Jugendstil (1895 bis 1915), Art déco (1915 bis 1935), Retro (1935 bis 1960) und zeitgenössische Stücke ab rund 1970. Für ein Verlobungsring-Vorhaben heisst das: Solitäre und gefasste Ringe aus jeder dieser Perioden, dazu farbige Steine, Colliers und Broschen, falls man eher ein Set als einen einzelnen Ring sucht. In der Zürcher Boutique tauchen laut eigener Beschreibung auch Stücke bekannter Häuser wie Van Cleef & Arpels, Harry Winston, Fabergé oder Cartier auf, allerdings als Secondhand-Fund und nicht als offizieller Handelspartner dieser Marken, das sollte man nicht verwechseln.
EDIGEM beziffert sein gesamtes Sortiment auf über 1000 Stück, wovon nur eine kleine Auswahl in der Vitrine am Limmatquai physisch ausliegt. Der grössere Teil lässt sich vorab auf 1stDibs, Ricardo und eBay durchsehen, dazu kommt ein eigener Online-Shop unter edigem.biz. Für eine Firma mit Gübelin-Anbindung ist das ein ungewöhnlicher Vertriebsweg, aber ein ehrlicher: Wer zuerst online stöbern will, kann das tun, ohne für jedes Stück extra anzureisen, und der Ricardo-Auftritt zeigt bei Durchsicht ein aktives Geschäft mit durchweg positiven Kundenrückmeldungen, kein verwaistes Nebenprojekt.
Dokumentation und Schätzung
Für die Kategorie hier zählt vor allem, wie viel Papier ein Händler zu einem Stück mitliefert, und das ist das Feld, in dem EDIGEM am konkretesten wird. Jede Schätzung nehmen zwei diplomierte Gemmologinnen oder Gemmologen unabhängig voneinander vor, mit Titeln der britischen F.G.A., der amerikanischen G.G. oder der belgischen FEEG. Lose Diamanten werden mit Sarin-Technologie vermessen, gefasste Steine nach Gewicht, Reinheit, Farbe und Mass so genau wie möglich bestimmt. Bewertet wird ausschliesslich, was den Gemmologen physisch vorliegt, ein Foto oder eine Beschreibung reichen nicht.
Das Ergebnis landet in einem Schätzungsdossier, wahlweise auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch, das die zum Zeitpunkt geltenden Edelmetall- und Fremdwährungskurse enthält. Damit lässt sich ein Stück versichern oder bei einer Erbteilung als Zweitmeinung heranziehen, und genau diese Art von Rückgrat braucht ein Ring, den man nicht neu bei einem Goldschmied in Auftrag gibt, sondern von einer Vorbesitzerin übernimmt. Ob ein Zertifikat auch standardmässig jedem verkauften Stück beiliegt oder nur auf Wunsch erstellt wird, sagt die Website nicht ausdrücklich, das sollte man beim Kauf konkret nachfragen.
Boutique, Öffnungszeiten und die Luzerner Alternative
Die Zürcher Boutique liegt am Limmatquai 62 in der Altstadt, dienstags bis freitags von 10.30 bis 18.00 Uhr geöffnet, samstags bis 16.00 Uhr, montags und sonntags geschlossen. Wer stattdessen in der Zentralschweiz wohnt, hat mit dem Hauptsitz an der Maihofstrasse 102 und einer zweiten Boutique an der Hofstrasse in Luzern eine echte Alternative, keinen reinen Aussenposten der Zürcher Adresse. Das ist der Unterschied zu einem Haus, das nur an der Bahnhofstrasse existiert und sonst nirgends: EDIGEM ist eigentlich ein Luzerner Betrieb mit einer Zürcher Filiale, nicht umgekehrt, und wer im Ausschlussverfahren zwischen den beiden Städten pendelt, kann in beiden vorbeigehen.
Preis, Grenzen und Vergleich
Was die Website nicht öffentlich macht, sind Preise, Lieferzeiten oder die Kosten einer Schätzung selbst. Keine dieser Angaben taucht auf den Seiten auf, deshalb steht hier auch keine Zahl dazu, und wer einen Richtwert will, muss anfragen oder in einer der drei Boutiquen vorbeigehen. Ebenso wenig erwähnt die Website eine hauseigene Werkstatt für Grössenänderungen oder spätere Reparaturen am gekauften Ring, das sollte man vor dem Kauf klären statt vorauszusetzen.
Im Vergleich zu einem reinen Auktionshaus oder einem Online-only-Vintagehändler ist EDIGEM eine Zwischenform: die persönliche Beratung und die Schätzlogik eines stationären Juweliers, kombiniert mit einem Online-Bestand, der grösser ist als das, was in der Vitrine liegt. Die regelmässige Präsenz an internationalen Fachmessen für Schmuck und Edelsteine, zuletzt etwa an der GemGenève im Mai 2026, spricht für ein Haus, das im Fachhandel und nicht nur im Ladengeschäft unterwegs ist. Der Gübelin-Bezug ist dabei ein echtes Gütesiegel für die Gemmologie im Haus, sollte aber nicht mit einer Gübelin-Filiale verwechselt werden: EDIGEM handelt unabhängig, mit eigenem Sortiment und eigener Preisgestaltung.
Für wen sich das eignet
Am besten passt EDIGEM zu Paaren, die einen Ring mit einer bereits gelebten Geschichte suchen und bereit sind, dafür online vorab zu stöbern, bevor sie am Limmatquai oder in Luzern zur Anprobe erscheinen. Wer eine Anfertigung nach Mass, eine schriftliche Gewährleistung über mehrere Jahre oder feste Preise auf der Website erwartet, findet das hier nicht und sollte sich an anderer Stelle in dieser Liste umsehen. Wer dagegen Wert auf eine unabhängig geprüfte Herkunft und ein mehrsprachiges Schätzungsdossier legt, bekommt das bei EDIGEM ohne Umwege, und der Rückhalt der Gübelin-Gruppe im Hintergrund macht die Sache glaubwürdiger als bei den meisten reinen Online-Vintagehändlern.
Der kleine Wermutstropfen bleibt die fehlende Preistransparenz online, dazu die unklare Frage nach Service nach dem Kauf. Wer beides vorher klärt, bekommt mit EDIGEM eine der solider dokumentierten Adressen für Antik- und Vintageschmuck in der Region Zürich, mit einem zweiten Standbein in Luzern für den Fall, dass die Anprobe dort praktischer liegt.