Molokai
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Molokai ist in erster Linie ein Schmucklabel und erst in zweiter Linie ein Ort für einen Ring-Workshop. Hinter der Marke steht die Zürcher Designerin Tamara Aharon; laut dem Branchenverzeichnis Tribeka hat sie das Label 2016 gegründet, ein Datum, das auf der eigenen Seite von Molokai selbst nirgends genannt wird. Der Shop liegt an der Grüngasse 7, 8004 Zürich, im Kreis 4. Auf der eigenen Seite beschreibt sich Molokai als Adresse für "zeitlosen, minimalistischen Schmuck aus Zürich" nach dem Credo "Make it simple but significant", gefertigt ausschliesslich aus recyceltem 925er Sterlingsilber. Laut Startseite entstehen die Stücke im Zürcher Atelier selbst oder in Zusammenarbeit mit ausgewählten kleinen Handwerksbetrieben in der Schweiz, in Deutschland und in Indien; die separate Über-uns-Seite nennt für einen Teil der Kollektionen konkret ein traditionsreiches Familienunternehmen in Indien als Produktionspartner, offen benannt statt verschwiegen. Für ein Metall, das laut eigener Aussage aus alten Schmuckstücken oder industriellen Restbeständen eingeschmolzen und neu geformt wird, wirbt Molokai zusätzlich mit "verifizierten Rohstoffpartnern".
Der Workshop selbst heisst auf der Seite "WAX CARVING Workshop", zu Deutsch etwa Wachsschnitz-Workshop, und ist damit technisch ein anderes Handwerk als das klassische Ringschmieden am Amboss. Teilnehmende formen ihren Ringrohling aus speziellem Schmuckwachs, mit Feilen, Schnitzwerkzeugen und Hitze, ganz ohne Vorkenntnisse, wie die Produktseite ausdrücklich betont. Das dauert rund 3 Stunden vor Ort im Shop an der Grüngasse 7. Erst danach übernimmt jemand anderes: Das fertige Wachsmodell wird professionell in 925er Sterling Silber gegossen, wer möchte, lässt zusätzlich vergolden oder in massivem Gold anfertigen, dessen Preis individuell berechnet wird. Wer konkret am Werktisch giesst, sagt die Seite nicht, der eigentliche Metallguss findet also nicht im Beisein der Teilnehmenden statt, anders als in einer Werkstatt mit eigener Esse. Der fertige Ring ist nach etwa 4 bis 6 Wochen abholbereit oder wird per Post zugestellt.
Ein Platz kostet aktuell CHF 300 inklusive Material, das ist der Betrag, der bei den derzeit buchbaren Terminen tatsächlich verlangt wird. Die Produktbeschreibung selbst nennt an anderer Stelle abweichend CHF 320 für "Workshop inklusive Material", ein Zeichen dafür, dass der Fliesstext seit der letzten Preisanpassung nicht überall aktualisiert wurde; für den Kauf zählt der tatsächlich hinterlegte Preis von CHF 300. Vergolden lassen kostet zusätzlich CHF 100. Zum Zeitpunkt der Recherche waren genau zwei Termine gelistet, ein Freitagabend am 28. August und ein Dienstagabend Anfang September, beide von 18 bis 21 Uhr, beide offen für Einzelpersonen wie Gruppen und ausdrücklich auch für Paare, die gemeinsam Partnerringe oder Eheringe entwerfen wollen. Wer den Workshop verschenken statt selbst buchen will, findet dafür einen eigenen Gutschein, der der beschenkten Person laut Produkttext "einen Platz" in einem künftigen Termin sichert, ohne dass schon ein festes Datum feststehen muss.
Wie es organisiert ist
Molokai ist in erster Linie ein Onlineshop mit angeschlossenem Ladenlokal, kein Betrieb, der allein vom Workshop lebt. Im übrigen Sortiment stehen Ringe zwischen CHF 160 für ein schlichtes Modell wie Terry und CHF 280 für ein aufwendigeres Stück wie Miro, dazu Ohrringe, Halsketten, Armketten und, als Kuriosität am Rand, eine eigene Linie an Press-on-Nägeln namens Nailzz. Wer sich nicht drei Stunden Zeit für den Workshop nehmen will, aber trotzdem ein individuelles Stück sucht, kann sich laut Startseite auch für eine persönliche Sonderanfertigung oder eine Gravur auf einem bestehenden Molokai-Schmuckstück entscheiden. Für bereits gekaufte, vergoldete Stücke bietet die Marke ausserdem einen bezahlten Nachvergoldungsservice an, praktisch für alles, was im Alltag getragen wird und irgendwann seinen Glanz verliert. Für alle, die ihre Ringgrösse vorab nicht kennen, führt der Shop zusätzlich ein kostenloses Ring-Sizing-Tool im Sortiment, ein kleiner, aber praktischer Baustein für ein Label, das die meisten seiner Stücke online verkauft und den Workshop nur als eine Option von mehreren anbietet. Kontakt läuft über ein Formular auf der Seite oder direkt per E-Mail an hello@molokai.me, unterschrieben ist die Antwort auf der Kontaktseite persönlich mit "Tamara". Zum Zeitpunkt der Recherche, mitten im Sommer, war der Laden nach eigener Angabe nur nach Terminvereinbarung geöffnet; ausserhalb dieser Sommerpause nennt die Kontaktseite Donnerstag bis Samstag, 12 bis 17 Uhr, als reguläre Öffnungszeiten. Ein Branchenverzeichnis führt daneben leicht abweichende Zeiten mit einem zusätzlichen Öffnungstag, was auf der eigenen Seite so nicht steht, weshalb sich vor einem spontanen Besuch ein kurzer Blick per E-Mail lohnt statt sich auf eine einzelne Quelle zu verlassen.
Wie es sich einordnet
Verglichen mit einer Bijouterie an der Bahnhofstrasse oder einer Goldschmiede mit eigener Werkstatt ist Molokai etwas grundsätzlich anderes: kein Ort für eine Fassung mit grösserem Stein oder eine klassische Massanfertigung, sondern ein Designlabel, das für einen Abend zum Handwerksbetrieb wird. Auf der Workshop-Seite ist ausdrücklich von "Partnerringen" und "Eheringen" die Rede, das Wort Verlobungsring taucht dort nicht auf. Nichts spricht dagegen, den selbst geschnitzten Ring trotzdem als Antrag oder als persönliche Ergänzung zu einem klassisch gekauften Verlobungsring zu nutzen, nur bewirbt Molokai ihn nicht ausdrücklich so. Ob Tamara Aharon selbst eine Goldschmiede-Lehre absolviert hat und wo, verrät die Seite nicht, ebenso wenig, wer den eigentlichen Guss ausführt, ein Punkt, der wichtig sein kann für ein Paar, dem es speziell um das Handwerk am eigenen Werktisch geht und nicht nur um das Entwerfen. Wer das nicht stört und stattdessen den kreativen Teil selbst erleben will, das Formen der eigenen Idee in Wachs, bekommt dafür ein im Preis transparent aufgeschlüsseltes Angebot mitten im Kreis 4, fernab von Bahnhofstrasse und Goldküste, eingebettet in ein Label, das seine Nachhaltigkeitsversprechen konkret macht statt sie nur zu behaupten.
Fazit
Für ein Paar, das sich nicht mit einem gekauften Ring zufriedengeben will, sondern wenigstens den Entwurf selbst in der Hand halten möchte, ist der Wax-Carving-Workshop bei Molokai eine ehrliche, klar kommunizierte Option: ein fester Preis von CHF 300 inklusive Material, eine kurze Session ohne Vorwissen, dazu eine konsequente Haltung zu recyceltem Silber, die sich durchs ganze Sortiment zieht. Der Wermutstropfen ist die lange Wartezeit von 4 bis 6 Wochen bis zum fertigen Stück und die knappe Terminlage, die zum Zeitpunkt der Recherche nur zwei Abende umfasste; wer kurzfristig oder tagsüber will, sollte vorher beim Studio nachfragen statt sich auf einen freien Slot zu verlassen. Für alle, die das einplanen, bleibt Molokai eine der wenigen Adressen in Zürich, bei denen der eigene Ring wirklich mit der eigenen Hand beginnt, auch wenn das letzte Stück des Weges, der Guss selbst, jemand anderes für einen erledigt.