Pierre Niederer Goldschmied

Weiningen ZH · established 1983

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Pierre Niederer Goldschmied sitzt nicht an der Bahnhofstrasse, sondern in einer alten Mülischür an der Friedhofstrasse 9 in Weiningen, mitten im Limmattal zwischen Rebhügeln und der Bahnlinie nach Zürich. Wer die Rubriken im Menü der Website öffnet, findet keine Umwidmung eines allgemeinen Schmuckangebots: Eheringe, Verlobungsringe und Jubiläumsringe stehen dort als eigenständige Kategorien nebeneinander, ergänzt um eine vierte namens "Mann ohne Ring" für Männer, die statt eines Rings lieber ein Armband tragen.

Inhaber Pierre Niederer beschreibt seinen Werdegang auf der Team-Seite selbst so: 1983 habe er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, seit 1985 fertige er die Schmuckstücke in der Mülischür in Weiningen. Das ist eine ungewöhnlich lange Kontinuität am selben Ort, und sie zeigt sich auch in der Belegschaft. Goldschmiedin Barbara Phan-Häberli hat 1998 bei Niederer ihre Lehrstelle angetreten und sich dort zur Goldschmiedin ausbilden lassen. 2017 machte sie sich selbstständig, arbeitet aber laut eigener Aussage weiterhin als Freelancerin für ihren ehemaligen Lehrmeister. Wer sich fragt, ob an der Werkbank tatsächlich noch gearbeitet wird oder nur verkauft: Niederer selbst wird auf der Werkstatt-Seite als "Goldschmied und Ziseleur" geführt, Phan-Häberli als Goldschmiedin, beide namentlich der Werkstatt zugeordnet und nicht bloss dem Ladentisch.

Dazu kommt eine Auszubildende, Alvyda Bukota, die laut ihrer eigenen Kurzbiografie 2017 ihre Lehre bei Pierre Niederer begann, nachdem sie zuvor in Litauen aufgewachsen war, studiert und bis 2012 gearbeitet hatte. Ob sie die Werkstatt heute als Lehrling oder längst als ausgebildete Goldschmiedin verstärkt, sagt die Seite nicht mehr, der Abschnitt liest sich, als sei er seit einer Weile nicht überarbeitet worden, ein kleiner Schönheitsfehler auf einer sonst persönlich gehaltenen Team-Seite. Als weiteres Detail nennt die Website zwei Katzen, Simba und Fritzli, die dort die eigentlichen Stars der Mülischür seien, kein Verkaufsargument, aber ein Zug, der zu einer Werkstatt auf dem Land passt und sich schwer erfinden lässt.

Wie eine Anfertigung entsteht

Der Ablauf, den die Website unter "Fertigkeiten" beschreibt, folgt dem klassischen Muster einer Anfertigung nach Mass: Im gemeinsamen Gespräch wird das Modell skizziert, danach entsteht das Stück in Handarbeit Schritt für Schritt. Neben klassischen Modellen bietet die Werkstatt eine Auswahl eigener Kreationen, dazu eine grosse Auswahl an Perlen und Edelsteinen direkt vor Ort. Im Online-Katalog stehen einzelne Modelle mit ihren Materialangaben, ein Beispiel ist ein Solitär in Rotgold 750 mit einem Labor-Brillanten von 0.58 Karat und 16 kleineren Labor-Brillanten mit zusammen 0.208 Karat, ein anderes ein Verlobungsring in Gelbgold 750 mit einem Brillanten von 0,88 Karat. Wer sich für ein bestimmtes Modell interessiert, klärt Details am besten direkt mit der Werkstatt, der Katalog dient eher der Orientierung als der Bestellung auf einen Klick.

Nach dem Kauf bleibt die Werkstatt zuständig: Ringgrössen ändert sie laut eigener Aussage jederzeit, dank moderner Lasertechnik auch bei anspruchsvollen Fällen, und Reparaturwünsche werden ebenso jederzeit angenommen. Gravuren gibt es von Hand, per Laser oder maschinell. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen räumt der Goldschmied eine Garantie von 24 Monaten ab Lieferdatum ein, dazu ein 10-tägiges Umtauschrecht ab der ersten Zustellung, allerdings nur für ungebrauchte Ware in Originalverpackung mit sämtlichem Zubehör. Für einen Ring, der bereits am Finger getragen wurde, dürfte das Umtauschrecht damit in der Praxis kaum mehr greifen, die Garantie auf 24 Monate ist die Zusage, die im Alltag zählt.

Herkunft von Gold und Steinen

Die Werkstatt verarbeitet nach eigener Aussage wiederverwertetes Edelmetall unter der geschützten Marke Oekogold und begründet das damit, es sei sinnvoller, bestehendes Gold in Europa zu recyceln, als anderswo weiter Edelmetalle abzubauen. Für Diamanten verweist die Seite auf eine RJC-Zertifizierung (Responsible Jewellery Council), die nach eigener Beschreibung hohe soziale, ethische und ökologische Standards prüft, sowie auf das Kimberley-Verfahren, unter dem exportierte Rohdiamanten von einem fälschungssicheren Zertifikat begleitet sein müssen. Als Einordnung nennt die Seite die Branchenzahl, wonach nur noch 0,02 Prozent der gehandelten Diamanten aus Konfliktregionen stammen, eine allgemeine Branchenangabe und keine Aussage speziell über die eigenen Steine, aber sie zeigt, worauf sich die Zertifizierung bezieht.

Über die drei Hochzeits-Rubriken hinaus führt der Online-Katalog auch Farbsteine und sogar Ammoniten als eigene Kategorie unter "Edelsteine", dazu Gutscheine für alle, die sich vor der eigentlichen Ringwahl noch nicht festlegen wollen. Ein eigener Blog-Bereich ergänzt das Angebot, auch wenn er im Menü unauffällig zwischen den Produktkategorien liegt und im ersten Durchgang leicht übersehen wird.

Warum Weiningen statt Bahnhofstrasse

Wer im Limmattal wohnt, in Dietikon, Schlieren, Baden oder Wettingen, muss für einen Termin nicht in die Zürcher Innenstadt. Weiningen liegt an der Bahnlinie Richtung Baden, und die Werkstatt selbst beschreibt ihre Lage inmitten sanfter Rebhügel und der "ländlichen Idylle des Limmattals", ein bewusster Gegensatz zum Schaufensterbetrieb der grossen Innenstadthäuser. Das drückt sich auch im Betrieb aus: Statt eines durchgestylten Ladenlokals ist die Mülischür eine Werkstatt mit angeschlossenem Verkauf, in der die Öffnungszeiten Rücksicht auf die Werkbank nehmen. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9 bis 12 und von 13.30 bis 18.30 Uhr sowie Samstag von 9 bis 16 Uhr, donnerstags bleibt zu, ein Detail, das man sich vor der Anfahrt merken sollte. Wer vorher anrufen will, erreicht die Werkstatt unter 044 750 05 50 oder per Mail an info@traumschmuck.ch, beides steht auf der eigenen Kontaktseite und stimmt mit den Angaben im Gemeinde-Firmenverzeichnis von Weiningen überein.

Für wen sich das lohnt

Wer eine klare Rubrik für Eheringe, Verlobungsringe und Jubiläumsringe sucht, dazu einen Online-Katalog mit Filter nach Material und Stein, findet hier genau das, ergänzt um Kinderschmuck, Herrenschmuck und Halsschmuck als weitere Linien für alles, was neben dem Ring dazugehört. Wer dagegen eine ausführliche Firmengeschichte auf der Website erwartet, findet stattdessen wenig Fliesstext und viele Produktbilder: Die Geschichte des Hauses erschliesst sich eher aus den kurzen Team-Biografien als aus einer eigenen "Über uns"-Seite mit langer Erzählung. Das ist der eine echte Abstrich, inhaltlich ist die Seite ein Webshop mit Werkstattcharakter und kein Erzählstück.

Unter dem Strich ist die Mülischür ein Ort mit einer tatsächlichen Werkbank, langjähriger Kontinuität (eine Inhaberschaft seit 1983, eine Goldschmiedin, die ihre eigene Lehre dort 1998 begann und heute als Freelancerin dorthin zurückkehrt) und einer nachvollziehbaren Position zu Herkunft und Recycling der Materialien, dazu einer schriftlich zugesicherten Garantie von 24 Monaten. Für Paare aus dem Limmattal, die eine Anfertigung nach Mass wollen, ohne dafür extra nach Zürich zu fahren, ist das eine der wenigen Adressen ausserhalb der Stadt, die Trauringe klar als eigenes Angebot führt statt sie irgendwo im allgemeinen Schmucksortiment mitlaufen zu lassen.

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