Gächter Goldschmied

Obfelden

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Ein individuelles Schmuckstück, sagt Paul Gächter auf seiner eigenen Seite, ist mehr als ein Accessoire. Bei ihm heisst das ganz konkret: Ringe, die nicht aus einer Vitrine kommen, sondern an seiner eigenen Werkbank in Obfelden entstehen, einem Dorf im Säuliamt südlich von Zürich, ein Stück weiter weg vom eigentlichen Limmattal als Dietikon oder Schlieren, aber mit dem Auto oder der Bahn gut erreichbar für alle, die sich nicht extra in die Innenstadt bemühen wollen. Sein Markenzeichen, auch im Domainnamen carbon-jewellery.ch sichtbar, sind Ringe aus Carbon in Kombination mit Gold, Silber und Edelsteinen: ein Material, das man in Zürcher Goldschmiedeschaufenstern selten sieht, gefertigt nach der eigenen Ringgrösse direkt in seinem Atelier.

Auf der Startseite beschreibt Gächter die Carbon-Linie so: "Ein trendiges Material, welches kombiniert mit Gold-Silber und Edelsteinen keine Wünsche offen lässt." Seine Kollektion bestehe ausschliesslich aus handgemachten Einzelstücken, die speziell nach den Wünschen und der Ringgrösse der Kundschaft in seinem Atelier neu angefertigt werden. Die samtig-matt verfeinerte Carbon-Oberfläche gebe den Ringen, so die eigene Beschreibung, ihren eleganten Look, weit weg vom klassischen Gold- oder Platinband.

Der Weg zur Werkbank

Was einen Goldschmied für ein Paar interessant macht, ist selten nur das fertige Produkt, sondern wer die Arbeit tatsächlich macht und wo diese Person das Handwerk gelernt hat. Bei Gächter lässt sich das auf seiner eigenen Seite nachlesen: eine 4-jährige Lehre zum Goldschmied bei der Firma Zurbuchen AG in Zürich, danach 13 Jahre als selbstständiger Goldschmied in Zürich-Altstetten. Es folgten 23 Jahre als Goldschmied und Designer bei den Firmen Jewelmer und Hans Brumann auf den Philippinen, bevor er 2017 in die Schweiz zurückkehrte. Die Seite bewirbt ihn insgesamt mit 45 Jahren Erfahrung im Beruf, eine Zahl, die als grobe Gesamtsumme einer langen, international verzweigten Karriere zu lesen ist und nicht als exakte Addition der einzelnen genannten Etappen.

Wer die Stationen kennt, erkennt auch eine Verbindung zum heutigen Sortiment. Jewelmer ist auf Südseeperlen aus der Muschel Pinctada Maxima spezialisiert, und im eigenen Online-Shop führt Gächter bis heute eine Warengruppe namens "Kreatives aus Pinctada Maxima". Das liest sich weniger wie eine zufällige Produktkategorie und mehr wie mitgebrachtes Fachwissen aus zwei Jahrzehnten in der südostasiatischen Perlenbranche.

Carbon ist die Handschrift, aber nicht das ganze Sortiment

Hier lohnt sich ein genauerer Blick, denn die Aussenwirkung und das tatsächliche Angebot decken sich nicht ganz. Die Produktkategorie "Carbon-Ringe" im Online-Shop führt aktuell 43 Stücke. Schaut man sie einzeln durch, ist aber nur eines davon wirklich aus Carbon gefertigt: der Ring C-27, eine Kombination aus Carbon und 925er-Silber, für Fr. 400.00. Der Rest der Kategorie sind Anhänger und Ringe in Gold und Silber mit Opal, Sardinien-Koralle, Brillanten, Amethyst, Lapislazuli, Jade und Perlmutt, dazu Herrenringe mit Granat oder Swarovski-Stein und eine eigene Gruppe von Templerringen. Die Preise reichen dabei von Fr. 180.00 für einen kleinen 750er-Gold-Anhänger im Emoji-Design (C-20) bis Fr. 9'800.00 für ein Korallenset in 750er-Gold (C-09A).

Das ist kein Kritikpunkt an der handwerklichen Qualität, aber eine ehrliche Einordnung der Erwartung: Wer über die Seite carbon-jewellery.ch auf Gächter stösst und sich vor allem für Carbon-Ringe interessiert, sollte wissen, dass das aktuelle Online-Sortiment darunter grösstenteils klassische Goldschmiedearbeit ohne Carbon zeigt. Das eigentliche Carbon-Ring-Paar entsteht bei ihm eher im persönlichen Gespräch am Werkbanktisch als per Klick im Shop, und genau dafür ist ein Besuch im Atelier gedacht.

Daneben führt der Shop eine Reihe kleinerer, klarer abgegrenzter Kategorien: 2 Positionen unter Gold-Ringe, 7 unter Silber-Ringe, 9 unter Ohrstecker, 4 unter Templerring und 8 unter Kreatives aus Pinctada Maxima, dazu eine grössere Sammelkategorie mit dem Namen Unbelievable jewellery und 33 Stücken. Für ein Schweizer Paar, das gezielt nach Carbon sucht, heisst das in der Praxis: sich nicht am Filter "Carbon-Ringe" orientieren, sondern direkt das C-27-Modell suchen oder gleich mit Gächter Kontakt aufnehmen und die eigene Ringgrösse und Materialkombination besprechen. Genau dafür, für das Gespräch statt für den Warenkorb, ist die Werkstatt gedacht.

Reparaturen und was die Seite zum Service sagt

Neben Neuanfertigungen bietet Gächter Reparaturen an, mit einem klaren Versprechen: Kleinarbeiten können noch am selben Tag repariert werden. Zu Garantiefristen, Kulanzregelungen oder Kosten für eine spätere Änderung der Ringgrösse äussert sich die Website nicht, weder auf der Startseite noch im Kontaktbereich. Wer das für sein Budget wissen muss, sollte es direkt bei der Anfrage klären, statt sich auf eine Standardgarantie zu verlassen, die hier schlicht nicht ausgewiesen ist.

Besuch nach Voranmeldung in Obfelden

Das Atelier liegt an der Alten Landstrasse 23 in 8912 Obfelden, erreichbar über eine Mobilnummer (076 761 55 45) und eine Festnetznummer (043 530 06 50). Besuche im Atelier sind nach Voranmeldung möglich, feste Öffnungszeiten für Laufkundschaft nennt die Seite keine, was bei einem Ein-Mann-Betrieb dieser Grösse normal ist. Ein Hinweis auf der Kontaktseite, ein Besuch könne "corona-konform" stattfinden, ist das einzige sichtbare Zeichen, dass die Seite seit einer Weile nicht grundlegend aktualisiert wurde. Ein kleiner Makel, kein inhaltliches Problem, aber ein Grund, vor einem Besuch lieber kurz anzurufen als sich auf jedes Detail der Website zu verlassen.

Für wen sich der Weg nach Obfelden lohnt

Wer sich einen Ring auf der Bahnhofstrasse oder in einer der grossen Innenstadt-Bijouterien vorstellt, ist hier am falschen Ort: Es gibt kein Schaufenster mit Publikumsverkehr, sondern eine Werkstatt, in der eine einzelne Person seit 2017 wieder in der Schweiz arbeitet. Genau das macht Gächter für ein bestimmtes Paar interessant: für alle, die sich bewusst von einem klassischen Metallring absetzen wollen, das ungewöhnliche Material Carbon in einem persönlichen Gespräch statt per Katalogklick besprechen möchten und keine Mühe scheuen, für einen Termin ins Säuliamt zu fahren statt in die Innenstadt. Für alle, die stattdessen eine grosse Auswahl an Fertigringen zum sofortigen Anprobieren suchen, dürfte eine der etablierten Adressen näher an der Bahnhofstrasse die praktischere Wahl sein.

Preislich bewegt sich das, was auf der Seite überhaupt ausgewiesen ist, in einer Spanne, die für ein Verlobungsring-Budget realistisch bleibt: von Fr. 180.00 für ein kleines Anhängerstück bis in den vierstelligen Bereich für Stücke mit Brillanten oder Korallen. Ein eigener Carbon-Ring nach Mass hat auf der Website selbst keinen ausgewiesenen Preis, weil er individuell entsteht, was in diesem Fall keine fehlende Information ist, sondern der logischen Konsequenz eines Einzelanfertigungs-Betriebs entspricht, und beim Erstgespräch direkt zu klären ist.

Unterm Strich bleibt ein Goldschmied mit einer ungewöhnlich internationalen Laufbahn und einer echten Nische: Carbon-Ringe nach eigener Grösse, kombiniert mit Gold, Silber und Edelsteinen. Das Online-Sortiment zeigt derzeit mehr klassisches Handwerk als Carbon, aber wer wegen genau dieser Kombination anfragt, bekommt sie direkt von der Person, die sie seit Jahrzehnten selbst herstellt, an einer Werkbank im Säuliamt statt hinter einer Vitrine in der Stadt.

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