Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102, Zürich · seit 1958

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Koller Auktionen sitzt nicht an der Bahnhofstrasse, sondern an der Hardturmstrasse 102 in Zürich-West, gleich bei der Hardbrücke, in einem Viertel, das noch vor wenigen Jahrzehnten Industriequartier war und heute Galerien, Agenturen und eben auch das grösste Auktionshaus der Schweiz beherbergt. Gegründet wurde die Firma 1958 vom Zürcher Anwalt Pierre Koller, der das Geschäft im Alter von 34 Jahren aufzog und 2019 im Alter von 94 Jahren starb. Die eigentlich erste Auktion fand erst zwei Jahre später statt, 1960 im Kongresshaus Zürich, und 2008 wurde aus der Galerie Koller die Koller Auktionen AG. Seit 1990 ist die Hardturmstrasse der Hauptsitz. Geführt wird das Haus heute in zweiter Generation, mit der dritten bereits aktiv im Betrieb, eine Kontinuität, die man bei einem Auktionshaus dieser Grösse selten findet. 2018 feierte Koller sein 60-jähriges Bestehen.

An Grösse mangelt es nicht: rund 80 Auktionen pro Jahr, verteilt auf 20 Sammelgebiete, mit rund 70 Mitarbeitenden an Standorten in Zürich, Genf, München, Düsseldorf, Florenz und Peking. Früher unterhielt das Haus zusätzlich Büros in Moskau und Shanghai, die inzwischen wieder geschlossen sind. Käuferinnen und Käufer kommen nach eigenen Angaben aus mehr als 50 Ländern, und 1998 trat Koller der International Auctioneers bei, einem Verbund unabhängiger Auktionshäuser. Das ist die Referenzgrösse, an der sich der Rest dieser Kategorie messen lassen muss.

Was man bei einer Schmuckauktion bekommt

Für Schmuck führt Koller vier grosse Saalauktionen im Jahr durch, im April, Juni, Oktober und Dezember. Jede davon hat vorab Besichtigungstage an der Hardturmstrasse, an denen man ohne Anmeldung hingehen und die Lose in die Hand nehmen kann, bevor am eigentlichen Auktionstag geboten wird. Genau das unterscheidet den Ablauf von einem Ladenbesuch beim Juwelier: Man kauft nicht sofort, sondern sieht sich das Stück in Ruhe an und bietet dann an einem festen Termin gegen andere Interessierte. Daneben laufen über die hauseigene Plattform ibid reine Online-Auktionen, etwa eine im September, bei denen ausschliesslich über den Bieten-Button geboten wird. Ein Gebot dort gilt als bindend und kann nicht zurückgezogen werden, ein Detail, das man vor dem ersten Klick kennen sollte.

Wer selbst einliefern möchte, schickt Fotos über das Online-Formular oder vereinbart eine Schätzung vor Ort, wahlweise in Zürich, Genf, Florenz, München oder Düsseldorf. Für die Aprilauktion liegt die Einlieferungsfrist Mitte Januar, für die Juniauktion Ende März, für die Oktoberauktion Ende Juni und für die Dezemberauktion Ende September, wer also im Frühling verkaufen will, muss den Ring schon im Winter vorbeibringen. Betreut wird die Sparte in Zürich von Jakob Zeijl, Isabelle Koller und Melinda Cusumano, mit weiteren Ansprechpersonen in Genf, München, Düsseldorf, Italien und Peking.

Womit das Haus heraussticht

Durch Kollers Schmuckauktionen gehen regelmässig Stücke von Boucheron, Bulgari, Cartier, Harry Winston, JAR, Mauboussin, Tiffany & Co., Van Cleef & Arpels und Webb, praktisch immer aus Privatbesitz und nicht als Neuware ab Fabrik. Zu den jüngeren Zuschlägen zählen ein ungefasster Diamant für 882'500 Franken, ein Ring mit burmesischem Rubin und Diamanten von JAR aus Paris für 618'000 Franken, ein Ring mit burmesischem Rubin von Péclard für 810'300 Franken, ein Ring mit burmesischem Saphir und Diamanten für 268'700 Franken sowie eine Perlen-Diamant-Tiara von Catchpole & Williams aus der Zeit um 1890 für 234'500 Franken. Das sind keine Ausreisser, sondern der übliche Rahmen, in dem sich die Sparte bewegt, und es zeigt, dass hier tatsächlich museumsreife Stücke durchgehen und nicht nur Alltagsschmuck aus Nachlässen.

Die Infrastruktur dahinter reicht weit über Schmuck hinaus, was für eine Einlieferung nicht unwichtig ist. Im April 2023 versteigerte Koller mit dem Tyrannosaurus-rex-Skelett "Trinity" für 5'500'000 Franken das erste Dinosaurierskelett, das je bei einem europäischen Auktionshaus den Besitzer wechselte, im November 2024 brachte ein Gemälde von Ferdinand Hodler 7'400'000 Franken. Solche Zuschläge gehören nicht zur Schmucksparte, zeigen aber, dass ein Haus, das solche Summen logistisch, versicherungstechnisch und käuferseitig abwickeln kann, auch für ein einzelnes Ring-Los aus einem Zürcher Nachlass die passende Reichweite mitbringt.

Ablauf, Gebühren und was nirgends steht

Bieten kann man auf vier Arten. Im Saal meldet man sich mindestens 15 Minuten vor Beginn mit einem Ausweis an und erhält eine Bieternummer. Telefonisch bieten kann, wer ein Los mit einer unteren Schätzung ab 1'000 Franken ersteigern will, die Anmeldung dafür muss 24 Stunden vorher eingehen. Schriftliche Höchstgebote funktionieren ähnlich, ebenfalls mit einer Frist von 24 Stunden, Koller bietet dann bis zum angegebenen Höchstbetrag, aber nicht darüber hinaus. Wer während der Saalauktion per Livestream online mitbietet, ist ohne vorherige Freigabe auf eine Gesamtlimite von 10'000 Franken begrenzt und zahlt einen Aufschlag von 3 Prozent auf den Zuschlagspreis.

Was das Haus nicht auf einer einzigen Seite verrät, ist ein pauschaler Aufgeldsatz. Der genaue Prozentsatz steht in den Versteigerungsbedingungen der jeweiligen Auktion, nicht als eine feste Zahl auf der Website selbst, deshalb nennen wir hier auch keine, die man dort so nicht findet. Auf das Aufgeld kommt die Mehrwertsteuer, bei mit einem Stern markierten Losen sogar volle Mehrwertsteuer auf Zuschlag und Aufgeld zusammen. Rechnungen sind innert 7 Tagen fällig, abgeholt werden muss innert 4 Wochen, bezahlt wird per Banküberweisung, Karte vor Ort oder, mit Einschränkungen, bar. Eine Gewährleistung, wie man sie vom Kauf beim Juwelier oder Goldschmied kennt, gibt es bei einer Versteigerung so nicht, weshalb die Besichtigungstage vor dem Verkauf die eigentliche Absicherung sind, nicht ein Rückgaberecht danach.

Im Vergleich zu anderen Häusern dieser Kategorie

Was Koller innerhalb dieser Kategorie heraushebt, ist zuerst das Alter, dann die Regelmässigkeit: 1958 gegründet, mit einer eigenen Schmuckabteilung, die viermal im Jahr eine eigene Saalauktion durchführt und nicht bloss gelegentlich ein paar Ringe in eine grössere Verkaufsrunde mischt. Andere Namen dieser Liste, von den kleineren Zürcher Häusern bis zu den hiesigen Büros internationaler Auktionshäuser, decken Schmuck ebenfalls ab, aber die Kombination aus eigener Fachabteilung, festen Jahresterminen und einem Einlieferungsnetz über mehrere Länder ist bei Koller besonders ausgebaut. Wer den Katalog vor einer Auktion durchblättert, merkt zudem, dass Herkunft und Zustand der Lose ausführlicher beschrieben sind, als man es von einer reinen Online-Plattform gewohnt ist, was bei dieser Preisklasse auch nötig ist.

Für wen sich das eignet

Wer für einen Verlobungsring nach etwas Ausgefallenem sucht, einem Stück mit eigener Geschichte, das es beim Juwelier um die Ecke so nicht zu kaufen gibt, wer bereit ist, an einem festen Termin gegen andere Interessierte zu bieten statt einen Preis auszuhandeln, und wer vorher tatsächlich an die Hardturmstrasse fährt, um den Ring in der Hand zu halten, ist bei Koller richtig aufgehoben. Wer stattdessen eine Anfertigung nach Mass beim Goldschmied möchte oder Neuware mit Garantiekarte sucht, ist bei einem der Bijoutiers und Juweliere dieser Liste besser bedient, nicht bei einem Auktionshaus, so gut dessen Ruf auch ist.

Der einzige echte Wermutstropfen ist, dass der Ablauf mehr Vorbereitung braucht als ein Ladenkauf: Anmeldung, Fristen, Versteigerungsbedingungen nachlesen, und man sollte das Los vorher wirklich gesehen haben, weil es danach kein Zurück gibt. Für ein Haus, das seit 1958 in Familienhand ist, viermal im Jahr eine eigene Schmuckauktion mit offener Besichtigung durchführt und regelmässig sechsstellige Zuschläge für Einzelstücke erzielt, ist das ein Preis, den die meisten Käuferinnen und Käufer gerne zahlen. Für alle, die eine Versteigerung generell ausschliessen, bleibt Koller schlicht die falsche Adresse, was aber am Haus selbst nichts ändert.

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