Artcurial Beurret Bailly Widmer
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Wer an der Kirchgasse 33 in Zürich vorbeikommt, findet dort keinen Laden mit Vitrinen voller Ringe, sondern eine Galerie des Auktionshauses Artcurial Beurret Bailly Widmer, zwei Gehminuten vom Kunsthaus entfernt (Tram 3, 5, 8 und 9 bis Kunsthaus, Bus 31). Das Haus ist in erster Linie ein Kunstauktionator, der Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen versteigert. Schmuck und Uhren gehören erst seit der Verbindung mit dem französischen Auktionshaus Artcurial im Jahr 2023 zu den festen Fachgebieten. Wer auf der Suche nach einem Verlobungsring ist, findet hier also keinen spezialisierten Schmuckauktionator wie andere Häuser in dieser Liste, sondern einen Nebenweg über ein grösseres Kunsthaus, der sich trotzdem lohnen kann, gerade wegen der kostenlosen Schätzungen und weil hin und wieder ein Ring oder ein Set aus einem Nachlass in eine Auktion gerät.
Wie das Haus zu seinem Namen kam
Die Geschichte beginnt 2011, als Nicolas Beurret und Emmanuel Bailly in Basel die Firma Beurret & Bailly Auktionen gründen. Noch im selben Jahr, im November 2011, eröffnen sie eine Niederlassung in Zürich. 2018 schliesst sich das junge Basler Haus mit Markus Schöb zusammen, dem Inhaber der Galerie Widmer Auktionen in St. Gallen, die schon 1977 gegründet wurde und in der Ostschweiz als traditionsreiches Kunsthandelsunternehmen gilt. Aus dieser Fusion wird Beurret Bailly Widmer. 2023 kommt die nächste Zäsur: Das französische Auktionshaus Artcurial, das laut Wikipedia zu den grössten Auktionshäusern in Paris zählt, hinter Christie's und Sotheby's, und zum Firmengeflecht der Industriellenfamilie Dassault gehört, beteiligt sich am Schweizer Haus. Seither firmiert es als Artcurial Beurret Bailly Widmer. 2025 folgt ein vierter Standort in Genf, geleitet von Nadja Scribante Amstutz. Geschäftsführer und Teilhaber sind nach wie vor die drei Gründer Nicolas Beurret, Emmanuel Bailly und Markus Schöb, während Nicolas Orlowski als CEO an der Spitze der Artcurial-Gruppe steht.
Das ist für einen Zürcher Käufer relevant, weil es zeigt, wo die eigentliche Substanz des Hauses liegt: in einer über anderthalb Jahrzehnte gewachsenen Basler und Ostschweizer Kunsthandelstradition, nicht in einer auf Schmuck spezialisierten Werkstatt. Ein Ring, der hier unter den Hammer kommt, kommt aus einem Nachlass oder einer Sammlung, die zufällig auch Schmuck enthält, nicht aus einer eigenen Goldschmiede.
Was die Zürcher Adresse tatsächlich ist
Die Galerie an der Kirchgasse 33, 8001 Zürich, ist telefonisch unter +41 43 343 90 33 erreichbar. Regulär ist sie mittwochs und donnerstags von 12.30 bis 17.00 Uhr geöffnet, wobei das Haus selbst empfiehlt, vor einem Besuch vorher anzurufen. Vom 20. Juli bis 19. August bleibt sie wegen der Sommerpause geschlossen. Wer parkt, wird auf das Parkhaus beim Obergericht Zürich oder das Parkhaus Hohe Promenade an der Rämistrasse verwiesen, Anlieferungen sind werktags am Vormittag vor Mittag möglich.
Diese Adresse ist vor allem für zwei Dinge da: kostenlose und unverbindliche Schätzungen von Schmuck, Uhren, Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen, jederzeit nach Terminvereinbarung, auch als Hausbesuch, und eine kleinere Vorschau auf kommende Auktionen, bevor die Hauptausstellung am eigentlichen Auktionsort stattfindet. Die eigentliche Versteigerung läuft nämlich fast immer in Basel oder St. Gallen, in Zürich wird nur gezeigt und geschätzt. Für den Herbst 2026 sind zum Beispiel eine Auktion am 14. Oktober in Basel und eine am 27. Oktober in St. Gallen angesetzt, dazu eine reine Online-Auktion vom 7. bis 22. Oktober. Wer in Zürich ein Stück sieht, das ihm gefällt, bietet also am Ende meist nicht dort, sondern reist nach Basel, nach St. Gallen oder bietet online mit.
Wie eine Auktion abläuft
Vor jeder Auktion findet am Auktionsort selbst während drei bis fünf Tagen die Vorbesichtigung statt, bei der man jedes Los in die Hand nehmen kann. Bieten lässt sich auf vier Arten: schriftlich über ein Auktionsformular, das bis spätestens 12 Uhr am Vortag der Auktion eingereicht sein muss, telefonisch nach Anmeldung über dasselbe Formular, wobei man kurz vor dem Aufruf des eigenen Loses kontaktiert wird, live online über die Plattform von Invaluable oder die zugehörigen Apps für iOS und Android, oder persönlich im Saal. Wer bietet, erhält eine Bieternummer, die Anonymität gegenüber anderen Bietern garantiert, nur das Auktionshaus selbst kennt die Identität dahinter.
Was es kostet, ohne Umschweife
Auf den Zuschlagspreis kommt ein Aufgeld von 25 Prozent, dazu die Mehrwertsteuer auf dieses Aufgeld. Wer online über externe Plattformen wie Drouot oder Interencheres mitbietet, zahlt zusätzlich einen Aufschlag, und bei Kreditkartenzahlung in reinen Online-Auktionen kommt eine Bearbeitungsgebühr hinzu. Bezahlt und abgeholt werden muss innerhalb von sieben Tagen, auf Risiko des Käufers, sonst fallen Verzugszinsen an. Wer ein ersteigertes Stück nicht rechtzeitig abholt, zahlt eine Lagergebühr von mindestens 10 Franken pro Los und Tag. Das ist eine ehrliche, aber spürbare Kostenstruktur: Ein Los für 202 688 Franken, wie eine F. P. Journe Uhr, die am 24. Juni 2026 in der Basel Watch Auction inklusive Aufgeld für genau diesen Betrag verkauft wurde, kostet am Ende deutlich mehr als der reine Zuschlagspreis. Für einen Verlobungsring bedeutet das: Der Preis im Katalog ist nie der Endpreis, das Aufgeld und die Steuer gehören von Anfang an in die Rechnung.
Schmuck neben Kunst, nicht statt Kunst
Anders als die reinen Schmuck- und Uhrenauktionshäuser in dieser Liste führt Artcurial Beurret Bailly Widmer keinen eigenen, das ganze Jahr laufenden Schmuckkalender. Die Uhrenversteigerung, die Basel Watch Auction, findet einmal im Jahr in Basel statt, mit Marken wie Patek Philippe, Rolex und F. P. Journe. Schmuck läuft daneben eher in den allgemeinen Kunstauktionen oder über die Expertentage mit, an denen ausdrücklich auch Schmuck neben Gemälden, Skulpturen, Asiatica und Uhren angenommen wird. In der Online-Ergebnisliste, die zu jeder Auktion veröffentlicht wird, stehen pro Los nur Losnummer, eine knappe Bezeichnung, Schätzpreis und Zuschlagspreis, ausführliche Zustandsberichte oder Herkunftsangaben zu einzelnen Schmuckstücken habe ich dort nicht gefunden. Wer detaillierte Provenienzangaben zu einem bestimmten Ring sucht, wird eher direkt bei den Experten nachfragen müssen als sie im Katalog zu finden.
Für wen sich das lohnt
Dieses Haus eignet sich für Zürcherinnen und Zürcher, die einen Ring nicht gezielt suchen, sondern offen sind für das, was gerade zur Versteigerung kommt, und die einen breiteren Auktionskalender interessanter finden als eine Adresse, die sich ausschliesslich Schmuck widmet. Es passt zu jemandem, der ohnehin schon in der Kunstwelt unterwegs ist, etwa weil eine Erbschaft aufgelöst werden soll und dabei auch Schmuck dabei ist, oder der eine kostenlose Zweitmeinung zu einem geerbten Stück will, bevor er sich für den freien Markt oder eine eigene Anfertigung entscheidet. Wer dagegen sofort einen Verlobungsring kaufen will und lieber zu einem Fixpreis bei einem Goldschmied oder Juwelier geht, ist bei einem reinen Kunstauktionator mit gelegentlichem Schmuckanteil an der falschen Adresse.
Fazit
Die Zürcher Galerie an der Kirchgasse ist ehrlich das, was sie ist: ein Schaufenster und eine Schätzstelle für ein Haus, dessen eigentliches Geschäft in Basel und St. Gallen stattfindet und dessen Schmuckangebot seit 2023 durch die Verbindung zu Artcurial gewachsen, aber nicht zum Kerngeschäft geworden ist. Wer das weiss und trotzdem den Weg dorthin macht, findet ein seriöses, seit 2011 gewachsenes Haus mit klaren Bieterregeln, transparent veröffentlichten Gebühren und einer kostenlosen Schätzung, die man sich woanders oft teuer erkaufen muss. Für den gezielten Ringkauf ist es die Ergänzung, nicht die erste Adresse, für die Zweitmeinung oder den Zufallsfund aus einer Sammlung lohnt sich der Umweg.