mehr als gold

Hobelwerkweg 43, Winterthur-Oberwinterthur

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"mehr als gold" klingt wie ein Slogan, ist aber der Firmenname: mehr als gold GmbH, eine Goldschmiede- und Feingusswerkstatt am Hobelwerkweg 43 in Winterthur, geführt von Laura und Florian Becker. Wer den Namen liest und einen reinen Trauring-Spezialisten erwartet, bekommt bei genauerem Hinsehen mehr. Neben den individuell angefertigten Trauringen führt das Atelier auch eine kleine Kollektion fertiger Schmuckstücke und bietet eigene Workshops an. Der Schwerpunkt liegt trotzdem klar bei den Ringen, alles andere ist Ergänzung, kein zweites Standbein mit eigenem Ladengeschäft.

Der Weg zum eigenen Trauring

Auf der Website beschreibt das Atelier jeden Trauring als Unikat, angefertigt nach dem Wunsch des Paars statt aus einem Katalog gewählt. Wer sich für mehr als gold entscheidet, wird laut eigener Beschreibung durch den gesamten Entstehungsprozess mitgenommen, von der ersten Skizze bis zum fertigen Ring. Was das im Detail heisst, welche Metalle zur Auswahl stehen, wie viele Anproben es braucht oder wie lange die Anfertigung dauert, sagt die Seite nicht. Es gibt auch keinen Online-Konfigurator, mit dem sich Breite, Profil oder Fassung vorab durchspielen liessen, wie es andere Adressen in dieser Kategorie anbieten. Der Entwurf entsteht hier offenbar im Gespräch, nicht am Bildschirm, was für das eine Paar ein Vorteil ist und für das andere ein zusätzlicher Termin mehr, bevor überhaupt etwas Konkretes auf dem Tisch liegt.

Feinguss, Reparaturen und alte Stücke neu gedacht

Was die Werkstatt von einer reinen Verkaufsstelle unterscheidet, ist der eigene Feinguss. Laut Website passiert bei mehr als gold alles aus einer Hand, von der Skizze über den Feinguss bis zur Gravur, ohne dass ein Halbfabrikat von aussen zugekauft würde. Feinguss, auch als Wachsausschmelzverfahren bekannt, ist die klassische Methode, mit der ein in Wachs geschnitztes Modell in eine Gussform übertragen und daraus das eigentliche Schmuckstück in Edelmetall gegossen wird. Dass ein kleiner Betrieb diesen Arbeitsschritt selbst im Haus macht, statt ihn an einen externen Giesser auszulagern, ist unter Ateliers dieser Grösse keine Selbstverständlichkeit.

Daneben nennt die Website zwei weitere Leistungen, die für Schweizer Kundschaft oft mindestens so wichtig sind wie der Neukauf: sorgfältige Reparaturen und die Umarbeitung "liebgewonnener Schmuckstücke" in neue Stücke. Wer also den Ring der Grossmutter oder altes Familiengold besitzt, kann diesen laut eigener Darstellung einschmelzen und neu fassen lassen, statt ihn in der Schublade liegen zu lassen oder einzeln zu verkaufen. Ob dabei nur das eigene Altgold verrechnet wird oder wie sich das auf den Preis eines neuen Trauringes auswirkt, sagt die Website nicht, das dürfte Verhandlungssache im Gespräch sein.

Dass Skizze, Guss und Gravur an derselben Werkbank passieren, hat für die Praxis noch eine andere Seite: Es gibt keinen externen Giesser oder Gravurbetrieb, auf dessen Zeitplan man wartet, und keine Übergabe, bei der ein Halbfabrikat den Betrieb verlässt und als fertiges Stück wieder hereinkommt. Wie sich das konkret auf die Dauer bis zur Übergabe des fertigen Trauringes auswirkt, verrät die Website nicht, ein allgemeiner Vorteil eines Ein-Werkbank-Betriebs bleibt es trotzdem.

Kollektionen und Workshops

Neben den Massanfertigungen führt das Atelier eine kleine, wechselnde Auswahl fertiger Schmuckstücke, laut Website gedacht zum "spontanen Kauf" oder als Inspiration für eine eigene Anfertigung. Wer nicht monatelang auf einen eigenen Entwurf warten will, findet im Atelier offenbar auch Stücke, die sich direkt mitnehmen lassen, wobei die Website weder zur Grösse dieses Sortiments noch zu Preisen etwas sagt.

Ungewöhnlich für einen Trauring-Spezialisten sind die eigenen Workshops. Unter fachlicher Anleitung kann man laut Website Sägen, Feilen, Löten oder Wachsschnitzen ausprobieren und dabei ein eigenes Schmuckstück anfertigen. Für ein Paar, das vor der eigentlichen Ringbestellung erst einmal spüren will, wie sich die Arbeit an der Werkbank anfühlt, ist das ein naheliegender erster Schritt, auch wenn die Website die Workshops nicht ausdrücklich als Vorbereitung für einen Trauringauftrag bewirbt. Genauso gut kann man einfach nur aus Interesse am Handwerk hingehen, ohne dass ein Trauring je zur Sprache kommt. In dieser Kategorie, in der andere Namen eher auf eine anerkannte Manufakturlinie im Sortiment oder einen Online-Konfigurator setzen, ist ein Betrieb, der Aussenstehende überhaupt an die eigene Werkbank lässt, eher die Ausnahme als die Regel.

Werkstatt statt Schaufenster

Der Hobelwerkweg 43 liegt nicht in der Innenstadt, sondern im Hegmatten-Gebiet von Oberwinterthur, einem Winterthurer Stadtteil abseits der Fussgängerzone. Wer einen spontanen Schaufensterbummel sucht wie an der Zürcher Bahnhofstrasse oder am Zürichsee, wird hier nicht fündig. Der einzige Kontaktweg auf der Website führt über ein Terminformular ("termin vereinbaren") sowie eine E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer nennt die Seite nirgends. Auch in den gängigen Branchenverzeichnissen ist für mehr als gold keine Telefonnummer hinterlegt. Das passt zu einem Betrieb, der offensichtlich zu zweit geführt wird und nach Vereinbarung arbeitet statt Laufkundschaft zu bedienen, bedeutet aber auch, dass ein erster Kontakt mehr Vorlauf braucht als ein Blick ins Schaufenster. Wer sich vorab ein Bild von fertigen Arbeiten machen will, findet neben der Website den Instagram-Kanal @mehralsgold als zweiten Anlaufpunkt, den die Firma selbst auf ihrer Seite verlinkt.

Was die Website nicht verrät

Für Schweizer Käufer, die traditionell auch fragen, wie lange ein Haus schon an seinem Standort ist und wo die Goldschmiedin oder der Goldschmied die Lehre gemacht hat, bleibt die Website eine Antwort schuldig. Ein Gründungsjahr wird nirgends genannt, ebenso wenig, wo Laura oder Florian Becker gelernt haben. Online-Branchenverzeichnisse führen die Adresse Hobelwerkweg 43 sowohl unter dem Namen mehr als gold GmbH als auch unter einem älteren Eintrag "Goldschmiede Laura Becker", ohne dass sich daraus ein genaues Gründungsdatum oder ein sauberer Ablauf ableiten liesse. Die Website selbst äussert sich zu dieser Vorgeschichte nicht. Ebenso wenig veröffentlicht ist, ob und wie das Atelier eine Gewährleistung regelt oder wie ein späterer Service wie eine Ringgrössenänderung abläuft. Wer das wissen will, muss danach fragen, sobald ein Termin steht, es steht nicht auf der Seite.

Für wen sich der Weg nach Oberwinterthur lohnt

Wer einen Trauring will, der wirklich von Grund auf für ihn entworfen wird, und zwar von den Personen, die ihn danach auch tatsächlich anfertigen, findet in mehr als gold eine ernstzunehmende Adresse ausserhalb der grossen Zürcher Namen. Der fehlende Online-Konfigurator und die fehlenden Preisangaben bedeuten mehr Aufwand im Vorfeld, sind bei einem Atelier dieser Grösse aber auch keine Überraschung und kein Grund, einen Bogen darum zu machen. Wer altes Familiengold umarbeiten lassen will oder vor dem grossen Auftrag erst selbst an der Werkbank stehen möchte, bekommt hier gleich zwei zusätzliche, auf der eigenen Website belegte Angebote, die viele reine Trauring-Spezialisten so nicht führen. Der spürbare Aufwand bei der ersten Kontaktaufnahme ist der Preis für ein Atelier, das seine eigentliche Arbeit an der Werkbank zeigt statt in einem Onlineshop mit Warenkorb.

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