Michele Froidevaux Schmuck Werkstatt
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Michele Froidevauxs Schmuckwerkstatt liegt an der Heinrichstrasse 109 im Kreis 5, ein paar Schritte von der Tramhaltestelle Quellenstrasse entfernt, die von den Linien 17, 50 und 51 bedient wird. Es ist kein Ladengeschäft mit Schaufenster und festen Öffnungszeiten, sondern ein Ein-Personen-Atelier: Die gelernte Goldschmiedin arbeitet dort selbst, nach eigenen Angaben derzeit im Sommer unregelmässig anwesend, und bittet Interessierte höflich um eine Terminvereinbarung, bevor sie persönlich vorbeikommen. Wer eine Vitrine mit Verkaufspersonal erwartet, ist an der falschen Adresse, wer eine Goldschmiedin sucht, die selbst an der Werkbank sitzt, ist hier richtig.
Froidevaux hat eine Berufslehre als Goldschmiedin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen und danach ein Diplom als Schmuckdesignerin an der EAA, der Ecole d'Arts Appliqués in La Chaux-de-Fonds, erworben, der traditionellen Uhren- und Schmuckstadt im Jura. Dazu kommt eine Ausbildung als Edelsteinfasserin, auf der eigenen Seite als "Edelsteine Fasserin" bezeichnet. Ihr Angebot beschreibt sie nüchtern: Sonderanfertigungen, Umarbeitungen älterer Schmuckstücke, Reparaturen, das Neuaufziehen und Knüpfen von Perlen- und Steinketten sowie das Fassen von Steinen, die Kundinnen und Kunden selbst mitbringen. Das ist eine bewusst breite Auftragspalette und keine, die von vornherein auf Brautschmuck zugeschnitten ist, dazu weiter unten mehr.
Was in der Galerie zu sehen ist
Die Website gliedert ihre Arbeiten in 9 Galerien: Sertis, Fleurs, Bagues, Solitaires, Boucles, Alliances, Colliers, Orbitales und Pendentifs, überwiegend französisch beschriftet, was zur welschen Herkunft des Namens passt. In der Sertis-Galerie mit 9 Bildern trägt eines den Dateinamen bague_19_sertis, ein Ring, dessen Bezeichnung 19 gefasste Steine ankündigt, daneben Ringe mit Namen wie bague_aqua, bague_ciel, bague_azure und bague_opale, die auf Aquamarin-, Himmelblau- und Opalsteine schliessen lassen, auch wenn die Seite die Steine selbst nirgends im Fliesstext beschreibt.
In der Galerie Solitaires finden sich 8 Bilder, darunter ein Ring namens bague_solitaire und ein zweiter, bague_amethyste, dazu zwei als bague_freundschaftsringe bezeichnete Stücke, ein Hinweis darauf, dass Froidevaux auch Freundschafts- oder Partnerringe fertigt, ohne den Begriff im Text zu erklären. Die Galerie Alliances, wörtlich Trauringe, zeigt 5 Bilder: einen dreifachen Ring (bague_triple), eine Kombination aus poliert und matt (bague_poli_mat), ein Paar mit der Bezeichnung bague_couple, ein Modell namens bague_quatre_quarts und einen organisch geformten Ring. Genau diese Kombination, ein Paarring in einer Galerie, die im Namen bereits "Alliances" trägt, ist die stärkste Verbindung zu Verlobungs- und Trauringen, die die Seite überhaupt zeigt, allerdings nur über Bildbeschriftungen, nicht über einen erklärenden Satz.
Was fehlt und was das für einen Verlobungsring bedeutet
Genau hier liegt die Einschränkung, die für diese Liste zählt: Anders als spezialisierte Häuser mit einer eigenen Brautschmuck-Seite samt Ablauf, Steinauswahl und Beratungstermin nennt Froidevauxs Website weder das Wort Verlobungsring noch einen dafür vorgesehenen Prozess. Was existiert, sind die Galerien Bagues, Solitaires und Alliances sowie die allgemeine Zusage, Sonderanfertigungen zu übernehmen und mitgebrachte Steine zu fassen. Für ein Paar heisst das konkret: Das Atelier zeigt genug einschlägige Ringarbeit, um eine Anfrage zu rechtfertigen, aber es lohnt sich, vor dem ersten Besuch per Telefon oder E-Mail zu klären, ob ein klassischer Verlobungsring mit Solitär oder ein Ehering-Paar aktuell in den Auftragsplan passt, statt das einfach vorauszusetzen.
Wie das Atelier organisiert ist
Froidevaux engagiert sich seit 2019 für den Nachwuchs im Goldschmiedehandwerk, unterstützt nach eigenen Angaben die Schweizer Goldschmiedemeisterschaft und hat inzwischen die Leitung der Designmeisterschaft innerhalb dieses Wettbewerbs übernommen, wie sie auf der Unterseite "Weiteres" schreibt, ohne dafür ein Jahr zu nennen. Dieselbe Seite listet ihre Kurstätigkeit: Sie unterrichtet diverse Kurse an der Migros Klubschule Zürich und bietet auf Anfrage private Kurse im eigenen Atelier an, ausdrücklich als "ausgebildete Goldschmiedin, Schmuckdesignerin und Edelsteine Fasserin". Weder Kurspreise noch Kursdauer oder Gruppengrösse werden genannt.
Kontaktiert wird sie über eine auf der Kontaktseite angegebene E-Mail-Adresse und eine Mobilnummer. Für die Korrespondenz nennt dieselbe Seite zusätzlich eine Postadresse, Röntgenstrasse 45, 8005 Zürich, eine andere Adresse als das Atelier an der Heinrichstrasse 109, ebenfalls in der Postleitzahl 8005, ohne dass die Seite den Unterschied zwischen beiden Adressen erklärt. Feste Öffnungszeiten publiziert die Website nicht, im Gegenteil weist sie im Sommer ausdrücklich auf unregelmässige Präsenz hin und bittet um Terminvereinbarung. Preise für Sonderanfertigungen, Lieferzeiten oder eine Gewährleistung nennt die Seite an keiner Stelle. Wer das braucht, muss danach fragen.
Im Vergleich zur übrigen Nachbarschaft
Im Vergleich zu anderen Adressen in den Kreisen 2 bis 6 ist Froidevauxs Auftritt der reduzierteste: keine Ladenfront, kein Onlineshop, keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen, nur eine Bildergalerie mit Portrait- und Kontaktseite. Was sie von einem reinen Hobby-Auftritt unterscheidet, ist die formale Ausbildung mit EFZ und Designdiplom, die Fasserausbildung und das dokumentierte Engagement für den Berufsnachwuchs seit 2019 samt der Übernahme einer Meisterschaftsleitung, drei Punkte, die zusammen für eine ernsthafte handwerkliche Praxis sprechen, auch ohne Schauraum. Wer in derselben Nachbarschaft ein Haus mit einer expliziten Brautschmuck-Seite sucht, wird auf dieser Liste an anderer Stelle fündig. Wer stattdessen eine Goldschmiedin sucht, die einen individuellen Wunsch aus einem mitgebrachten Stein oder einem alten Familienstück umsetzt, findet in diesem Atelier eine plausible Adresse dafür.
Für wen es passt
Am besten passt Michele Froidevaux zu einem Paar, das bereits eine eigene Idee mitbringt, etwa einen ererbten Stein, ein altes Familienstück zum Umarbeiten oder eine ungewöhnliche Form, wie sie in der Sertis- oder Orbitales-Galerie zu sehen ist, statt eine Fassung von der Stange zu kaufen. Auch wer bereit ist, den ersten Kontakt selbst herzustellen und auf eine Antwort zu warten, statt in ein Geschäft mit fester Kollektion zu gehen, kommt hier auf seine Kosten. Wer dagegen zuerst im Laden mehrere fertige Ringe anprobieren möchte, bevor er sich entscheidet, ist bei einem Ein-Personen-Atelier ohne Verkaufsraum an der falschen Adresse, ebenso, wer eine feste Preisliste für Sonderanfertigungen vor dem ersten Gespräch verlangt.
Fazit
Michele Froidevaux betreibt ein kleines, fachlich solide ausgewiesenes Atelier im Kreis 5, mit echter Goldschmiede- und Fasserausbildung und einer sichtbaren Rolle im Schweizer Berufsnachwuchs seit 2019. Für klassische Verlobungsringe wirbt die Seite nicht ausdrücklich, die Ring- und Alliance-Galerien zeigen aber genug einschlägige Arbeit, um eine direkte Anfrage zu rechtfertigen, solange man weiss, dass Preise, Lieferzeiten und ein fester Ablauf für Brautschmuck nirgends veröffentlicht sind und zuerst persönlich geklärt werden müssen. Für ein Paar, dem der Weg zum eigenen, handgefertigten Stück wichtiger ist als eine fertige Auswahl an der Bahnhofstrasse, ist das ein Nachteil, mit dem sich leben lässt.