Goldschmied Bickel
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Goldschmied Bickel AG betreibt sein Atelier an der Stampfenbachstrasse 103, 8006 Zürich, im Quartier Unterstrass, das zum Stadtkreis 6 gehört. Die eigene Website beschreibt die Lage als Zentrum von Zürich, unweit von Hauptbahnhof und Limmat, ohne sich als Altstadt-Adresse zu verkaufen. Wer die Seite liest, findet dort einen einzigen Namen, der für das Handwerk steht: Willi Bickel, Goldschmied und Schmuckgestalter, der laut eigenen Angaben seit 1965 in klassischen Edelmetallen arbeitet, darunter Platin, Gold, Silber, Titan und Edelstahl. Von Mitarbeitenden, einer zweiten Werkstatt oder einer Generationenfolge ist auf der Website nirgends die Rede. Soweit ersichtlich handelt es sich also um eine Ein-Personen-Werkstatt und nicht um einen Betrieb mit mehreren Goldschmieden am Tisch.
Zwei Wege führen zum Schmuckstück. Der eine ist das, was die Website ein umfangreiches Sortiment an Ringen, Colliers und Ohrschmuck nennt, also fertige Stücke zur Auswahl. Der andere sind Unikate, die laut Website genau den Wünschen der Kundschaft entsprechen und, wie es im Abschnitt zu den Eigenkreationen heisst, in Gelb-Weissgold, Platin, Palladium und ausgesuchten Edelsteinen entstehen. Das ist die Formulierung des Betriebs selbst, ohne Angabe, welche Edelsteine konkret geführt werden oder ob Diamanten mit Zertifikat dazugehören. Wer nach einem Verlobungsring oder einem Trauring sucht, findet das Wort auf der Website allerdings nicht. Sie spricht durchgehend allgemein von Ringen, nicht von Verlobungs- oder Trauringen im Besonderen. Für eine Kategorie, die genau danach fragt, wie konkret ein Betrieb diese beiden Ringarten nennt, ist das ein ehrlicher Minuspunkt, auch wenn ein Goldschmied, der Unikate nach Wunsch anfertigt, in der Praxis kaum an einem Verlobungsring vorbeikommt.
Was auffällt
Am meisten sticht der persönliche Ton heraus. Die Website lädt direkt dazu ein, vorbeizukommen: Willi Bickel zeige seine Arbeiten gerne selbst und berate umfassend, heisst es dort wörtlich. Das liest sich nicht wie eine Boutique mit wechselndem Verkaufspersonal, sondern wie ein Handwerker, der die Beratung selbst übernimmt. Auffällig auch eine kleine Unstimmigkeit, die zu einer eher einfach gehaltenen Website passt: An einer Stelle heisst er Willi Bickel, an einer anderen, im Abschnitt zu den Eigenkreationen, Willy Bickel. Das ändert nichts an der Aussage, zeigt aber, dass hier niemand eine Marketingabteilung über die Texte hat laufen lassen. Es gibt keinen Onlineshop, keinen Warenkorb und keine Produktbilder mit Preisen, dafür ein Kontaktformular, eine Telefonnummer, 044 362 95 87, und eine E-Mail-Adresse. Wer sich für ein Stück interessiert, muss anrufen, schreiben oder vorbeigehen, nicht online bestellen. Für ein Atelier, das sein Handwerk seit 1965 unter einem einzigen Namen führt, passt das zum Rest des Auftritts: Der Kontakt läuft über das Gespräch, nicht über den Warenkorb.
Bemerkenswert ist auch die Rechtsform. Der Betrieb firmiert als Aktiengesellschaft, Goldschmied Bickel AG, während der übrige Auftritt, ein einziger genannter Goldschmied, eine Werkstatt, keine weiteren Namen, eher nach einem klassischen Einzelunternehmen aussieht. Beides schliesst sich nicht aus: Auch ein Ein-Personen-Betrieb kann als AG geführt sein, aus steuerlichen oder haftungsrechtlichen Gründen, ohne dass sich am Tagesgeschäft etwas ändert.
Öffnungszeiten und was fehlt
Geöffnet ist laut Website montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr, sonntags bleibt zu. Die Mittagspause zwischen 12 und 15 Uhr ist bei einem Ladengeschäft in der Innenstadt selten geworden, passt aber zu einem Betrieb, der sich als Werkstatt versteht und nicht als durchgehend besetzte Verkaufsfläche. Wer ausgerechnet in der Mittagspause vorbeikommen will, sollte vorher anrufen.
Zu mehreren Dingen, die für einen Verlobungs- oder Trauring wichtig sein können, sagt die Website nichts. Keine Garantiedauer oder Gewährleistungsfrist über das gesetzliche Minimum hinaus, keine Angabe zu Kosten oder Fristen für eine spätere Ringgrössenänderung, und nichts darüber, wo Willi Bickel seine Lehre gemacht hat oder ob die Werkstatt direkt hinter dem Verkaufsraum liegt. Auch zu Preisen findet sich nirgends eine Zahl, weder für das Sortiment noch für Unikate. Für ein kleines Atelier ohne Onlineshop ist das nicht ungewöhnlich, bedeutet aber, dass sich all das nur im Gespräch klären lässt, nicht vorab auf dem Bildschirm.
Im Vergleich
Verglichen mit den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse, die mit Schaufenstern, mehreren Stockwerken und internationalen Markennamen auftreten, ist Bickel das Gegenteil davon: ein einzelner Goldschmied ohne zugekauftes Markenportfolio, der eigene Kreationen anbietet statt fremde Marken weiterzuverkaufen. Das deckt sich mit dem, wonach diese Kategorie eigentlich sucht, nämlich Betriebe mit einer eigenen Werkstatt vor Ort statt einem reinen Verkaufsraum ohne Handwerk im Hintergrund. Verglichen mit anderen Quartierbetrieben in den Kreisen 2 bis 6, die auf ihrer eigenen Website konkret von Verlobungs- oder Trauringen sprechen oder eine über Generationen weitergegebene Firmengeschichte erzählen, bleibt Bickels Auftritt zurückhaltender. Erzählt wird hier keine Familiengeschichte und keine Zahl zu bereits verkauften Ringen, sondern schlicht, dass an dieser Adresse seit 1965 gearbeitet wird, unter demselben Namen.
Im Gegensatz zu einem Geschäft mit Schaufenster an einer belebten Einkaufsstrasse ist Unterstrass reines Wohn- und Quartiergebiet. Wer hier vorbeikommt, kommt gezielt wegen eines Rings oder eines Reparaturauftrags, nicht auf dem Weg zu etwas anderem. Das ist ein Unterschied zur Bahnhofstrasse, wo auch Laufkundschaft ins Geschäft findet, aber auch ein Grund, weshalb ein Betrieb wie dieser tendenziell tiefere Ladenmieten trägt als ein Haus in der Innenstadt, was sich in der Praxis oft in den Preisen niederschlägt, ohne dass die Website selbst dazu eine Zahl nennt.
Für wen es passt
Goldschmied Bickel passt zu einem Paar, das einen Verlobungs- oder Trauring nicht ab Stange von einer bekannten Marke will, sondern ein Stück, das ein einzelner Goldschmied nach eigenen Vorgaben anfertigt, und das den Auftrag lieber im direkten Gespräch bespricht als über einen Onlineshop. Passend auch für alle, die eine Adresse abseits der Bahnhofstrasse suchen, ohne Gedränge, dafür mit einem Ansprechpartner, der laut eigenen Worten selbst die Arbeiten zeigt und berät. Weniger passend ist der Betrieb für alle, die vorab online Preise vergleichen wollen oder eine feste Garantiezusage schriftlich vor dem Besuch brauchen, denn beides bietet die Website nicht. Auch wer ausdrücklich ein Geschäft sucht, das Verlobungsringe beim Namen nennt, muss vor Ort nachfragen, ob genau das gemeint ist, wenn allgemein von Ringen die Rede ist. Wer mitten am Tag, während der Mittagspause, spontan hereinschauen will, braucht ebenfalls einen zweiten Anlauf am Nachmittag.
Fazit
Für ein Quartieratelier ohne Ladenkette, ohne Onlineshop und ohne ausgeschmückte Firmengeschichte auf der eigenen Website bietet Goldschmied Bickel etwas, das an der Bahnhofstrasse seltener wird: einen Handwerker, der laut eigener Website seit 1965 im selben Beruf arbeitet und die Beratung offenbar noch persönlich übernimmt. Der Verzicht auf einen Onlineshop und auf jede Preisangabe bedeutet, dass hier vorab nichts digital vergleichbar ist, das ist der ehrliche Wermutstropfen, dazu die Tatsache, dass die Website selbst nie ausdrücklich von Verlobungs- oder Trauringen spricht, sondern allgemein von Ringen. Wer damit leben kann, eine Anfrage zu stellen statt einen Warenkorb zu füllen, findet in Unterstrass ein Atelier, das auf sein Handwerk setzt statt auf Auftritt.